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Willkommen beim Ilona Hupe Verlag

Der Spezialist für Afrika und Oman

Und wieder einmal, ... Westzambia !

Unterwegs im Land der Lozi, Lovale und Lunda

Wo traumhafte Flüsse, die kaum einer kennt, seit jeher ungestört in den Sambesi münden

Ein Reisebericht von Manfred Vachal: Westsambia-Tour im November 2005

Kabompo River

Anfang November 2005, und es regnet bereits heftig in Lusaka. Wir bereiten uns auf unsere diesjährige Fahrt in den fernen Westen Sambias vor. Nichts Gutes berichten uns Leute, die aus dem Westen anreisen: Heftiger Regen brachte dort so manche Tourplanung durcheinander und ließ komplette Reisegruppen ihr Fahrtziel ändern bzw. kürzen. Aber genau dorthin, wo es schon so ungewöhnlich stark und früh geregnet hat, dorthin wollen wir reisen. Wir nehmen es pragmatisch-optimistisch: Bis wir losfahren, wird hoffentlich alles wieder trocken sein...

Bei bestem Wetter kommen meine Mitreisenden am Samstagmorgen in Lusaka an. Wir fahren vom Flughafen sofort los in Richtung Westen. Mittags ziehen erste Wolken auf. Nachmittags steht eine schwarze Wolkenwand über dem Kafue NP. Wir befinden uns zu diesem Zeitpunkt auf der Ostzufahrt von Mumbwa zum McBrides Camp. Zunächst ist die Piste trocken, nur einzelne kleine Pfützen verraten die zurückliegenden Schauer. Sobald wir die Parkgrenze erreicht haben, werden die Pfützen größer, Umfahrungen zwingen zur Aufmerksamkeit. Noch kann man nicht von einer Schlammschlacht sprechen, auch Allrad ist nicht erforderlich. Auf der Zufahrt zum McBrides Camp regnet es leicht, der große Schauer ist aber schon vor uns runtergegangen und hat bis zu 100 m lange Pfützen auf der Piste hinterlassen. Da wir mit drei Fahrzeugen unterwegs sind, können wir es einigermaßen gelassen angehen. Der Untergrund ist überwiegend sandig und steinig. Die letzen 200 m vor dem Camp werden noch mal spannend, denn sie führen über eine lehmige Plain. Wir schlittern hin und her, sinken aber nicht ein. Die weidenden Pukus und Impalas sind uns dabei erst einmal noch ziemlich egal.

Da sind wir nun. Ganz allein. Das Camp macht eigentlich nicht den Eindruck, als sei es geschlossen. Ein Landrover steht da. Das Wasser auf dem Campingplatz läuft. Aber keine Menschenseele weit und breit. Wir bauen unsere Zelte auf und bereiten das Abendessen vor. Dann kommen doch noch zwei Caretaker von einem Ausflug zum Nachbarcamp zurückgeschlendert, und begrüßen uns freundlich. Hippo-Grunzen vor uns im Kafue River. In der Ferne Löwengebrüll. Kein schlechter Start für meine frisch aus Europa eingetroffenen Mitfahrer.

Hippo Camp Hot SpringsWir statten der Hippo Lodge einen Besuch ab. Auch dort ist nichts mehr los. Freudig begrüßt uns die Mannschaft. Man könne hier den Kafue durchqueren und direkt zum Lufupa Camp fahren, erzählt man uns. Es käme aber noch ein kleiner Stream unterwegs, und überhaupt kenne keiner den Weg und eine feste Spur gäbe es auch nicht. Wir prüfen die Furt zu Fuß und lassen es sein, auch wenn der Wasserstand des Kafue wirklich niedrig ist. Statt dessen nehmen wir ein fröhliches Bad in den naheliegenden Kapiamema Hot Springs. Bei unserer Ankunft überlässt uns ein Hippo freiwillig den Teich und verschwindet im hohen Riedgras. Es ist phantastisch. Die Camp-Manager haben ein kleines Becken mit Steinen eingefasst und mit Sand aufgefüllt. Da liegen wir mitten in der Wildnis im klaren, 35 Grad warmen Wasser. Im Hintergrund Palmen und ein paar Pukus. Das möchte ich gerne mal nachts erleben!

Die riesigen Pfützen vom Vortag sind bereits deutlich zusammengeschrumpft. Problemlos erreichen wir die Fähranlegestelle über den Kafue. Wir wurden vorgewarnt: Die Lubungu-Fähre ist außer Betrieb, aber man könne durch eine Furt fahren. Wir folgen einer Fahrspur flussaufwärts. Bei einer Sammelstelle für Baumaterial vermuten wir die Furt. Und so ist es auch. Ein paar nicht besonders gesprächige Arbeiter sitzen im Schatten der Uferbäume.
Dass an der gegenüberliegenden Uferböschung ein Ford Pickup steht bzw. hängt, lässt nichts Gutes erahnen. Wir machen also erst mal Mittagspause unter den Bäumen. Marc und Christoph laufen durchs Wasser zu dem Fahrzeug, ein einsames Hippo beäugt sie skeptisch. Tatsächlich blockiert der Ford die Ausfahrt aus dem Flussbett. Umfahrung nicht möglich. Sambia - the real Africa !

Die Arbeiter scheint das nicht weiter zu kümmern. Sie hätten schon jemanden zum Manager der Leopard Lodge geschickt. Und bald kommt dieser auch schon anmarschiert, gefolgt von einem Arbeiter mit Schubkarren, darauf ein Werkzeugkasten. Gespannt verfolgen wir das Geschehen am anderen Ufer. Der Ford wird rückwärts zurück in den Fluss und dort auf eine winzige Sandbank geschoben. Damit ist der Weg für uns wieder frei.

Westsambia2005.23Blick auf die Leopard Lodge

Wir fahren in den flachen Fluss, waschen unsere verschlammten Autos, und erklimmen das andere Ufer. Am Ford beginnt man derweil mit der Reparatur. Mitten im Kafue! Der Ford war ursprünglich mal ein Allradfahrzeug. Die erste Kardanwelle war schon länger kaputt und entfernt. Jetzt gab auch das Kreuzgelenk der Hauptkardanwelle den Geist auf. Ersatz ist keiner verfügbar. Ich weiß nicht, wie sie es repariert haben, aber drei Stunden später erreichten sie fahrend die Lodge. Dort hatten wir es uns nach einer Einladung des Managers bereits gemütlich gemacht, nachdem scheinbar alle anderen Stellen am Ufer mit Unmengen von Ameisen belegt sind. Die Leopard Lodge wird gerade wieder aufgebaut. Die neuen Pächter hoffen, dass die Lubungu-Fähre 2006 wieder den Betrieb aufnimmt, denn durch die Furt kommt man nur zum Ende der Trockenzeit. Direkt hinter der Lodge befindet sich ein Hügel mit grandiosem Ausblick. Nur ein Teil von uns wird sich am nächsten frühen Morgen motivieren, den Hügel zu erklimmen. Den Fotos nach zu urteilen, werde ich nächstes Mal auch dabei sein.

Die Straße in Richtung Kasempa sei kaum noch zu befahren, versichert uns der junge Manager. Aber es gäbe eine neue Piste, die der Pächter einer Hunting Lodge angelegt hätte. Geradezu super sei diese Piste, wir würden nur sechs Stunden bis zur Fähre über den Lunga benötigen. Ein Arbeiter begleitet uns bis zu dem Weg, der zum Jagdcamp führt. Auch dort ist die Saison zu Ende, aber irgend jemand passt ja immer auf die Gebäude auf. Der Caretaker fährt mit uns wieder zwei Kilometer zurück, um uns die kleine Abzweigung in Richtung Kasempa zu zeigen. So gut wie angekündigt ist die Piste dann doch nicht. Zudem nerven die Tsetsefliegen. Aber die Vegetation ist ansprechend, und wir sehen Elefanten, Warzenschweine, Pukus und Impalas. Irgendwann stoßen wir wieder auf die Originalpiste und erwischen später die Piste zu einer weiteren Hunting Lodge, bei der es dann reichlich schlammig wird. “Carschten schteckt” tönt es schwäbelnd aus dem Funkgerät. Carsten fährt heute das letzte Fahrzeug, und je mehr Fahrzeuge ein Schlammloch durchfahren, um so glitschiger wird es. Mit der Differenzialsperre befreit er sich aber selbst schnell wieder.

NachtschwalbeWir entdecken eine Nachtschwalbe am Straßenrand, die sich geduldig aus der Nähe fotografieren lässt. Trotzdem gelingt uns nicht, die Spezies zu identifizieren, zu ähnlich sehen sich die unterschiedlichen Arten. Etwa fünf Stunden sind wir bereits in dieser einsamen Wildnis unterwegs, kein anderes Fahrzeug ist uns begegnet, als wir ziemlich plötzlich vor einem Schlagbaum stehen. Wir haben die Fähre über den Lunga erreicht. Nach vergeblicher Wartezeit wollen wir uns selbst das Gate öffnen. Da kommt mit eiligen Schritten eine uniformierte Wildhüterin gelaufen: Sie hat erst das Buch suchen müssen, in das sie uns jetzt einträgt. Datum, Uhrzeit, woher, wohin, Nummernschild, Anzahl der Waffen, Anzahl der Passagiere und natürlich eine Unterschrift. Das ist Sambias Ordnung im Busch.

Lungu PontonDer Lungu-Ponton
Die Fähre liegt betriebsbereit auf unserer Seite. Mit zwei Überfahrten bringen wir die drei Fahrzeuge ans Nordufer, wir legen selbst mit Hand an bei den Zugseilen. Gleich nach dem Ponton nutzen wir den Schatten eines großen Baumes für die Mittagsrast. Dann wagen wir noch ein zaghaftes Bad im Uferbereich des dunkelgrünen, klaren Lungu, geschützt von einem umgestürzten Baum, denn wie überall warnt man uns auch hier vor Krokodilen.

Die Piste beginnt top, aber leider nur am Anfang, dann zwingt sie uns wieder zu langsamer Fahrt. Die Lkws einer nahe liegenden Mine haben der Piste enorm zugesetzt. Spätnachmittags erreichen wir die Nordzufahrt zum Kafue NP. Die Piste war bei meinem letzen Besuch deutlich schlechter und ich bin ganz zufrieden mit dem Zustand. Nur ein paar umgestürzte Bäume mit Umfahrungen und einige bachbettartige Auswaschungen. Bisher haben sich entlang dieser Piste keine Dörfer angesiedelt. Trotzdem sind plötzlich zwei Fußgänger mit einem Fahrrad vor uns. Der Mann mit dem kaputten Fahrrad bringt Nahrungsmittel zum Scout Camp, der andere begleitet ihn. Es sind noch etwa 10 km zum Gate. Das sind für uns etwa 25 Minuten, für die Fußgänger zwei Stunden. Wir packen das Fahrrad aufs Dach und nehmen die Beiden mit. Allerdings finden wir einige Kilometer vor dem Gate einen Schlafplatz, und so müssen sie den Rest doch noch zu Fuß gehen. Am Rande eines Dambos, einer großen, waldumsäumten Lichtung, schlagen wir unser Lager auf. Es wird der Abend der Nachtschwalben. Die ganze Nacht ist erfüllt mit dem Trällern dieser nachtaktiven Vögel. Und man glaubt es kaum: Nachts wache ich auf und sehe am gegenüberliegend Waldrand ein sich bewegendes, flackerndes Licht. Ich schließe auf einen Fahrradfahrer und kann tatsächlich am Morgen einen Fahrradweg mit frischer Reifenspur entdecken. Mitten im Busch und quer zu unserer Piste!

 

Westsambia2005.19Westsambia2005.17

Der Park ist offen, sie schließen die Zuggänge erst in der Regenzeit, wird uns am Kabanga Gate erklärt. Wir bezahlen unsere Eintrittsgebühren, was wie immer einige Zeit in Anspruch nimmt, lassen den Wildhütern noch ein paar begehrte Lebensmittel da, und schon sind wir drin im Park. Die Piste ist gut, keine Spur von Regen. Wir sehen eine kleine, scheue Gruppe Büffel; Marc und Ilona entdecken Geparden.

Kleine Schlammpfützen sind der erste Hinweis auf die Regenfälle der letzten Woche. Je näher wir dem Lufupa Camp kommen, um so trockener wird der Boden zunächst wieder. Es ist der trockenste Abschnitt seit wir unterwegs sind. Dass das Lufupa Camp wegen des frühen, heftigen Regens bereits geschlossen wurde, wissen wir. Wir fahren trotzdem hin, um am Ufer des Kafue die heißen Mittagsstunden zu verbringen. Kabanga Gate Kafue NPUnd heute ist es zum ersten Mal auch wirklich schwül-heiß. Die Caretaker empfangen uns erfreut und laden uns ein, den Campingplatz zu benützen. Die Wassertanks des Camps sind noch voll, und auch einige der Duschen sind noch einsatzfähig, während die meisten Wasserhähne mit Plastiktüten umwickelt sind, um Insekten und Termiten abzuhalten. Kleine Epauletten-Flughunde verbringen den Tag im schattigen Strohdach der Hütten hängend und bieten ein ungewöhnliches Fotomotiv. Abends kommt uns auch noch ein Riesengalago vor die Fotolinsen, ein seltener Anblick.

Ohne Argwohn machen wir uns auf zum südlichen Ausgang. Heute bildet der Mitsubishi Pajero die Vorhut und gerät ganz unerwartet in immer größer werdende Schlammlöcher. Einmal nicht aufgepasst, schon sitzt der Wagen fast im nassen Schlamm. Die beiden anderen Fahrzeuge können umfahren und rasch ist der Pajero aus dem Loch gezogen. Aber wir werden vorsichtiger, wählen nun Umfahrungen durch den lichten Busch. Die Schlammpfützen werden länger, bald fahren wir mehr neben der Piste als auf den Spuren. Irgendwann nervt die Sache, denn wir kommen kaum voran und geraten dabei ständig tiefer in den Schlamm. Ich habe keine Lust auf eine Schlammschlacht mit unbekanntem Ausgang. Also zurück nach Lufupa und weiter über die Busanga Plains. Die eigentlichen offenen Plains umfahren wir dabei und halten direkt auf das Lushimba Scout Camp zu. Der Weg ist tatsächlich trocken. Aber wie schon im letzten Jahr stehen uns ca. 30 km anstrengende, zugewachsene Waldpiste bevor. Es ist bereits Nachmittag. Wir fahren direkt gegen die Sonne. Die Tsetsefliegen sind durstig und das Gestrüpp zerkratzt die Fahrzeuge. Immerhin bekommen wir noch einen Streifenschakal, Elefanten, Gnus und Pferdeantilopen zu sehen.

Ziemlich abgekämpft erreichen wir das Scoutcamp. Der Übernachtungsplatz in der angrenzenden GMA entschädigt uns alle für die Strapazen. Direkt an einem mit Schilf umrandeten Wassertümpel verbringen wir die Nacht. So ganz wohl ist mir aber nicht. Was passiert mit dem Boden, wenn es hier regnet? Die Nacht ist noch klar, doch gegen Morgen grummelt es dumpf in der Ferne. Prognosen werden abgegeben, bis die ersten Tropfen fallen und wir eilig die Plane aufspannen. Wir bekommen einen kurzen kräftigen Schauer ab, aber der Boden schluckt die Feuchtigkeit, und wir können ungehindert abfahren.

Die Fahrt nach Süden entlang der Boundary Road zieht sich, hält aber keinerlei ernsthafte Schwierigkeiten für uns bereit. Sie führt die meiste Zeit über festen Sandboden, zwei lehmige Dambos machen aber auch diese Piste nach heftigen Regenfällen unpassierbar.

Irgendwann erreichen wir endlich die Teerstraße, besorgen im ersten Ort Bier und Tomaten, füllen im nächsten Dorf unsere Wasserkanister wieder auf. In den Ortschaften und den Straßengräben stehen große Regenpfützen. Bei Kaoma tanken wir alle Reserven voll, kurz danach verlassen wir die Teerstraße in Richtung Nordwesten auf der Lukulu-Piste. Es ist eine breite Piste. Fester Sand wechselt sich ab mit Lateritabschnitten. Insgesamt kommen wir nur langsam voran. Auf einer Brücke bleiben wir stehen. Es muss sich um den Luena handeln. Kinder baden, Einbäume liegen im Wasser. Der Fluss hat den Anschein eines stehenden Gewässers, eines Tümpels, wir verzichten daher (noch) auf ein Bad.

Edelhölzer liegen achtlos im Straßengraben. Am Straßenrand fallen uns immer wieder große, viereckig behauene Holzstämme auf. Es handelt sich um Mukwa- und Rosewood-Bäume. Die Edelhölzer werden geschlagen in der Hoffnung, dass ein LKW vorbei kommt und sie gegen ein paar Tausend Kwacha mitnimmt. Manchmal kommt der Lkw nicht oder hat schon zuviel geladen, dann bleiben die Stämme einfach liegen und verrotten allmählich.

Irritation am Luena River: Es wird Zeit, einen Übernachtungsplatz zu suchen. Der Wald neben der Piste ist ungeeignet. Gelegentlich sieht man in einiger Entfernung saftige Wiesen am Luena. Nur führt kein Weg dorthin. An einem Levy Checkpoint fragen wir, ob es einen Weg hinab zum Luena gibt. Und prompt führt direkt vor unserer Nase eine kleine Piste zum Fluss. Aber leider ist auf unserer Uferseite keine Wiese. Also wieder zurück auf die Hauptpiste. Einige Kilometer weiter schaut es dann besser aus. Die Böschung runter, über ein kleines Dambo, dann entlang des Fußballplatzes und schon stehen wir am Luena. Ein Traumplatz. In wenigen Minuten liegen alle im Wasser, eine Flasche Bier in der Hand. Denn der Luena fließt doch und bietet herrliche Badegelegenheit. Die Anwohner sind mit dem Einbaum unterwegs. Ich bin irritiert, war ich doch bisher davon ausgegangen, dass der Luena nur in der Regenzeit fließt. Es scheint sich aber so zu verhalten, dass der Luena während der Trockenzeit nur den Sambesi nicht erreicht und vorher in den sog. Luena Flats versickert.

Frühmorgens bekommen wir wieder einen kleinen Schauer ab und der Himmel bleibt bewölkt. Auch hier ist mir nicht recht wohl bei dem Gedanken an heftigen Regen. Wir wären nicht so einfach wieder auf die Piste gekommen. Der Wegweiser für den Shortcut zur Watopafähre liegt achtlos im Straßengraben. Aber wofür hat man GPS-Punkte. Dieser ist sehr nützlich, denn so ohne weiteres hätten wir die kleine Wegspur kaum registriert. Noch ist es eine schöne Fahrt durch dichten, urwüchsigen Wald, streckenweise kommt man sich wie im Urwald vor. Dörfer gibt es keine, nur einige Lichtungen wurden schon geschlagen. Irgend etwas hält die Leute davon ab, sich hier dauerhaft nieder zu lassen. Karola entdeckt eine Vogelfalle am Straßenrand. So eine mit kreisförmig angeordneten Stöckchen im Boden und einem langen Stock mit Schnur, die wie eine Sehne gespannt ist. Wie die Falle genau funktioniert, kann ich derzeit nicht erklären.

Luvala KinderGleich nachdem die ersten Hütten auftauchen, können wir in der Ferne auch den Kabompo River erkennen. Die Piste führt jetzt parallel zum Fluss, jedoch mit einigem Abstand. An einem größeren Dorf bemerken wir einen eigenartig zugeschnittenen Strauch und nehmen dies zum Anlass für einen Dorfbesuch. Wir erfreuen uns an den gastfreundlichen Bewohnern, deren Kinder erfreuen sich an unseren Digitalaufnahmen. So hat jeder etwas erlebt.

Der Fährmann der Watopafähre lebt auf der andern Seite des Flusses. Daher liegt der Ponton natürlich auch am anderen Ufer. Wir nutzen die Wartezeit zum Fotografieren. Die paar umliegenden Geschäfte überbieten sich gegenseitig mit phantasievollen Namen und Lebensweisheiten: “Suffering gives Knowledge” und “God’s Love Store” zum Beispiel.

Der Fährmann kommt mit einer Hilfskraft. Alle drei Autos passen gleichzeitig auf die Fähre. Nachdem die lokalen Zeitungen über eine drohende Hungersnot im Westen des Landes berichtet haben, gibt mir die Not des Fährmanns doch zu denken. Auf die Frage, was ich ihm aus Zambezi auf dem Rückweg mitbringen könne, lautet die Antwort schlicht und einfach “Coca Cola”!

Im Land der Luvale

Die Schotterstraße in die Provinzhauptstadt Zambezi ist schlecht wie immer. Gleich nach der Ankunft checken wir die Treibstoff-Situation. Die Tankstelle ist trocken, aber der Schwarzmarkt hat Diesel und Benzin vorrätig. Wir vertagen das Tanken auf den nächsten Tag, denn wir wollen noch im Nachmittagslicht die Hängebrücke erreichen. Bei Sonnenschein rauschen wir gut gelaunt über die prächtige Piste Richtung Chavuma. Die “Swinging Bridge” beeindruckt mich bei jedem Besuch aufs Neue. Die Brücke federt bei jedem Schritt, gepaart mit leichten, horizontalen Schwingungen. Wie auf hoher See schlingert man über die Stahlkonstruktion. 230 m beträgt die Spannweite, eine beeindruckende Leistung der Erbauer. Swinging Bridge über den ZambeziDiesmal übernachten wir wieder flussabwärts, direkt an der Uferböschung. Wir baden ausgelassen im flachen, sandigen Sambesi. Die Krokodile sind angeblich erst hinter der nächsten Flussbiegung.

Bevor wir am nächsten Tag in Zambezi “shoppen”, wollen wir noch auf ein Cola in der Zambezi Lodge einkehren, die jetzt Yambeji Lodge heißt. Es gibt weder Bier noch Cola oder sonstige Getränke. Er würde aber in der Stadt welches holen, wenn ich ihm Geld gäbe, meint der Barkeeper. Wir begnügen uns mit der tollen Aussicht, fahren dann zum Markt, um Tomaten einzukaufen. Das Angebot beschränkt sich weitgehend auf Zwiebeln, Trockenfisch, Cassava und Tomaten. Christoph zückt das Foto einer Marktfrau, die er bei seinem letzten Besuch 2001 fotografiert hatte, und erntet überschäumende Freude bei der Dame, die ihre Waren noch immer an der gleichen Stelle wie vor vier Jahren feilbietet.

Der Tankwart vermittelt unterdessen den Kontakt zum Schwarzhändler. Der verlangt lässige 12.000 Kwacha pro Liter Benzin. Das sind ungefähr 2,30 Euro und damit doppelt so teuer wie in Lusaka. Wir einigen uns schließlich auf 10.500 Kwacha, ich kaufe 20 Liter und hoffe auf bessere Preise in Lukulu.

 

Doch heute ist erst noch eine neue Route angesagt. Auf breiter Piste geht es zuerst nach Chitokoloki. Dann wird der Weg schmäler, bleibt aber gut. Auch der Kabompo hat seine Flutebenen, denen wir auf dieser Strecke folgen, immer parallel zum Fluss. Es gelingt uns, irgendwo auf dieser einsamen, buschigen Strecke einen Schlafplatz direkt am Ufer des Kabompo zu finden, den ich später als den schönsten der ganzen Tour in Erinnerung behalten werde. Fünf neue Einbäume liegen im Wasser, die Männerbadestelle befindet sich direkt vor uns, die Frauenbadestelle gleich in der Nähe. Bis das letzte Fahrzeug den Platz erreicht hat, sind bereits die Dorfbewohner versammelt, um sich das Schauspiel “Touristen am Kabompo” nicht entgehen zu lassen. Ein Bub hilft uns, mit der Feldhacke den Boden von kratzigen Pflanzen zu befreien. Eine Fahrt mit den neuen Einbäumen ist leider nicht möglich, alle Paddel sind im Dorf. Die Boote sind alle ganz neu und sollen an die Lozi verkauft werden, bzw. gegen Rinder eingetauscht werden. Man scheint uns nicht so recht zu trauen, denn vorsorglich werden die Kanus mit einem Ochsen an Land gezogen und in einiger Entfernung auf einer Wiese geparkt. Ich gönne mir erst mal ein Bad im geschützten Männerbereich. Sehr komfortabel ist sie mit einem rutschigen Holzbrett zum Sitzen ausgestattet und zudem durch einen umgestürzten Baum vor Krokodilen geschützt. Schwimmen ist natürlich nicht möglich, vielmehr sitzt man quasi am Ufer und schüttet sich mit der Spülschüssel Wasser über den Kopf. Herrlich. Auch unsere weiblichen Mitreisenden möchten den praktischen Männerbadeplatz geniesen, jedoch nicht unbedingt direkt vor der versammelten männlichen Dorfjugend. Wir brauchen nicht viel zu erklären. Bereitwillig ziehen sich die Männer und Jugendlichen zurück, während jetzt aber die Frauen des Dorfes um so interessierter näher rücken. Unsere Europäerinnen im Badeanzug werden intensiv bestaunt. Einseifen, Haare waschen, Kämmen - alles wird ausführlich beobachtet und kommentiert. Etwa 15 Minuten nachdem wir alle mit dem Spülschüssel-Duschbaden fertig sind, deutet ein Mann auf die dämmerige Flusslandschaft, wo sich ein Krokodil seelenruhig treiben lässt.

Bei Sonnenuntergang verabschieden sich die Dorfbewohner. Wir widmen uns dem Abendessen. Mehr als eine Woche sind wir jetzt bereits unterwegs ohne vernünftige Versorgungmöglichkeiten. Nur gut, dass Spaghetti mit einer Sauce aus frischen Tomaten auch schmackhaft sind.

Fährmänner am KabompoDer Morgen beginnt ärgerlich. Es ist noch finster, als jemand am anderen Ufer alle paar Minuten einen undefinierbaren Schrei von sich gibt. Bei anbrechendem Tageslicht kommen weitere Schreie hinzu. Einige Männer vom Dorf stehen an der Kanuanlegestelle (direkt neben uns) und beginnen, auf die Rufe am anderen Ufer zu antworten. Noch haben wir keine Ahnung, was da vor sich geht.


Als zwei Einbäume übersetzen, sind die meisten von uns auch schon auf den Beinen, um die Aktion zu fotografieren oder zu filmen. Was dann folgt, haben wir nicht erwartet. Bevor wir überhaupt so recht mitbekommen, um was es hier geht, wird am anderen Ufer ein leerer Ochsenkarren auf die beiden Einbäume geschoben und befindet sich nun auf dem Weg über das Wasser. Was für ein Anblick in der aufgehenden Morgensonne! Es geht alles schnell, still und reibungslos. Der Ochsenkarren wird ans Ufer geschoben und gleich sind die Kanus wieder unterwegs, um auch die Ladung einzuholen. Die nächste Fuhre besteht aus zwei Matratzen und allerlei Taschen. Ein weiteres Mal wird Krimskram transportiert, darunter der eiserne Trichter einer kleinen Mühle und ein moderner Schalenkoffer. Doch wo kommt der Ochsenkarren her, und wo sind die Ochsen? Es ist ganz einfach. Freunde der Dorfbewohner waren zum Shopping in Lukulu. Man freut sich, dass sie heil und gesund wieder zurück sind. Sie waren mehrere Tage unterwegs, sind nachts, von uns unbemerkt, angekommen, und haben die Nacht gegenüber am Ufer verbracht.
 

Die Ochsen sind derweil beim Grasen und müssen zuletzt schwimmend den Kabompo überqueren. Es bedarf keiner Peitsche, um die Tiere ins Wasser zu treiben. Sie kennen ihre Route und schwimmen, geleitet von zwei Einbäumen, ganz selbstverständlich durch den Kabompo. Man sieht nur die riesigen Hörner und die Schnauzen aus dem Wasser ragen. Welch eine Szenerie. Mittlerweile ist auch der Rest des Dorfes eingetroffen. Wir frühstücken und überreichen den Frauen noch einige Lebensmittel, wie Reis, Maismehl, Zucker und Bohnen, ehe wir uns wieder auf die stark eingewachsene Piste zur Watopafähre begeben.
 Rinder schwimmen durch den Kabompo
Von der Watopafähre nach Lukulu führt eine feste Sandpiste. Die ersten 25 km noch relativ einsam, dann kommen immer mehr Dörfer. Gegen Mittag erreichen wir Lukulu. Eine Bar ist schnell gefunden, die Biervorräte sind also kein Problem. Schwieriger wird es schon mit Benzin. Normalerweise kann man an Kanistern oder Fässern gut erkennen, wo der Sprit verkauft wird. Nicht so in Lukulu. Das Dieselfass am Straßenrand ist leer, und niemand nimmt Notiz von uns. Also zurück ins “Ortszentrum”. Bei einer Bar mit Billardtisch erbarmt sich ein junger Mann und weist uns auf die andere Straßenseite zu einer verschlossenen Holztüre. Geduld ist angesagt. Da stehen wir, bis ein dicker, älterer Mann sich nähert. Ganz der Typ “erfolgreicher Geschäftsmann, der nicht mehr um den Preis feilscht”. Sein Dreizentner-Sohn füllt uns 20 Liter ein, mehr mag ich bei dem horrenden Preis nicht kaufen, es ist sowieso nur als Notreserve gedacht.

Mit der Lukulu-Fähre über den Sambesi zur Westbank
Den Weg zur Fähranlegestelle über den Sambesi kennen wir. Die Fähre ist in Betrieb und befindet sich gerade am anderen Ufer. Wir stehen in der größten Mittagshitze, weit und breit kein Baum. Da die Fahrzeuge einzeln übersetzen müssen, lohnt es sich, die Sonnenplane aufzuspannen. Marc setzt mit dem Pajero als erster über. Rückwärts geht es das steile Ufer hinab, über zwei Stahlrampen und rauf auf die kleine Fähre. Der Fährmann sitzt auf dem Außenborder, der kaum genügend Leistung hat den schweren Ponton vorwärts zu bringen. In der Flussmitte scheint er sogar wieder rückwärts zu treiben. Ca. 15 Minuten dauert die Überfahrt. Mit Be- und Entladen und Rückfahrt braucht man pro Fahrzeug etwa eine Stunde. Wenn nicht zwischendurch der Außenborder ausgeht. Den wieder in Gang zu bringen, ist ein Erlebnis für sich. Die Starterleine ist längst abgerissen und durch zwei Schnüre ersetzt. 20 Minuten stöhne ich in der prallen Sonne, bis nach dem xten Versuch der Motor wieder anspringt. Dafür liegt in diesem Jahr die Anlegestelle auf dem Westufer nicht heimtückisch auf einer Sanddüne, sondern harmlos auf flachem, festen Grund. Unweit der Anlegestelle wird gebadet. Fähre bei LukuluSelten war ich je so schnell im Wasser, wie hier an diesem heißen Nachmittag. Die vor mir Angekommenen unserer Gruppe haben sich längst unter einen schattigen Baum verzogen und dösen vor sich hin. Wir lassen den heißen Nachmittag verstreichen und brechen erst gegen 16 Uhr wieder auf.

Schon bald finden wir einen wunderbaren Nachtplatz. Hochgewachsen Bäume geben uns Schatten. Hinter uns eine weite Grasebene, vor uns die Tümpel eines klaren Flusses. Sofort tauchen auch einige Jugendliche und ein paar Kinder auf, obwohl wir kein Dorf in der Nähe entdecken können. Selbst ein zweijähriger Knirps kommt allein den Weg entlang geschlendert. Es ist noch immer sehr heiß. Wir versuchen, mit den Kindern zu plaudern, doch sie verstehen kein Englisch. Es ist trotzdem nett. Mangels frischer Lebensmittel reicht es heute nur zu einem Reistopf mit Speck und Mais. Die Nacht ist still und friedlich. Nicht mal ein Radfahrer kommt vorbei. Ist aber klar, denn hier im Westen auf den Kalahariböden ist der Ochsenkarren das Hauptverkehrsmittel und hat den alten traditionellen Holzschlitten mittlerweile abgelöst. Jeweils zwei Ochsen werden vorgespannt, manchmal auch vier. Im Morgengrauen passieren drei solche Gespanne unseren Lagerplatz. Camping auf der WestbankSie legen ein anständiges Tempo vor, die Begleiter sind zu Fuß unterwegs, da die Karren vollgepackt sind. Die Gespanne starteten sehr früh am Morgen von ihrem Lagerplatz gegenüber von Lukulu, um die sechs Stunden Weg bis Kuli noch vor der größten Mittagshitze hinter sich zu bringen. Nach einem gemütlichen Frühstück machen auch wir uns auf den Weg.

Lozi Heute müssen wir zwei kleine Flüsse überqueren. Nachdem 2005 ein sehr schlechtes Regenjahr war, hoffen wir, dass die Flüsse trocken sind. Und so ist es auch. Die Flüsse bestehen zu dieser Jahreszeit nur aus einer Aneinanderreihung von Tümpeln. Die dazwischen liegenden Abschnitte sind aber schilfrige, matschige, undurchdringliche Feuchtsenken und so gibt es auch in der Trockenzeit nur wenige Möglichkeiten, an besonderen Furten diese Flussbetten zu überqueren. Überhaupt ist es verblüffend, wieviel Flüsse und Tümpel auf der Westbank ganzjährig Wasser führen. Tümpel, weite gelbe Grasebenen und kleine Wälder ergeben diese besondere Landschaftskomposition. Auf der Westbank werden die Wälder und Grasebenen offensichtlich nicht abgebrannt, im Gegensatz zum Rest des Landes. Der erste Fluss scheint die Grenze zwischen den Siedlungsgebieten der Lovale und Lozi zu bilden, denn im nächsten Dorf stehen die typischen Kalebassen-Musikinstrumente der Lozi. Zwei junge Männer sind gerade am Spielen. Wir halten an um der Musik zu lauschen. Ein daneben Stehender fragt schon mal vorsorglich nach “money”. Etwas zögerlich beginnen die jungen Männer wieder zu spielen. Es scheinen keine festen Lieder zu sein, es klingt alles sehr improvisiert, aber nicht unmelodisch. Kleinere Kinder nützen die Aufmerksamkeit und spielen wie Besessene auf ihren Bodeninstrumenten. Eine alte Frau beginnt zu tanzen, die Jüngeren sitzen daneben und kichern.

Vor Kuli überqueren wir eine Lehmebene. Hier finden sich vom letzten Regen noch einige feuchte Stellen; direkt nach Regengüssen dürfte hier Feierabend sein. Kuli liegt etwas erhöht auf der alten Flutkante. Schon weit vor dem Ort laufen uns die Kinder entgegen. Touristen sind in dieser Gegend seltene Besucher.

 

 

Hyäne im Liuwa Plain NPSeit 2005 ist der Liuwa Plain Nationalpark stark reglementiert. Der besondere Reiz ist damit leider dahin. Kein freies Fahren mehr, was auch vernünftig ist, aber auch kein freies Campieren ist mehr erlaubt. Man darf jetzt nur noch in den Community Camps - am Rande des Parks und außerhalb der wildreichen Liuwa Plain - übernachten. Der Park wird in Südafrika stark beworben, deshalb drängen vermehrt südafrikanische Abenteurer-Konvois in den bisher kaum besuchten Park. Dies führt zu Wartezeiten an den Fähren und erfordert eine stärkere Reglementierung im Park. Der touristisch nutzbare Teil des Parks ist sehr klein, und so wurde auch die maximale Anzahl an Fahrzeugen begrenzt. Die Besucherschwemme aus Südafrika findet etwa von Mitte September bis Mitte November statt. Wir sind in der zweiten Novemberhälfte dort und glücklicherweise vollkommen allein im Park unterwegs. Der erste Eindruck ist aber zunächst ernüchternd: Keine Gnus weit und breit. In den Gegenden, wo wir bei unseren letzten Besuchen immer Tiere sahen - nichts. Auch dies angeblich eine Folge der Dürre. Viele der Tümpel sind ausgetrocknet, die Tiere müssen sich in andere Regionen zurückziehen. Doch dorthin führen kaum Wege. Wir finden die Tierherden schließlich, aber die Anzahl der Tiere ist nicht so gewaltig wie erwartet. Wir waren im Oktober 2004 auch hier gewesen. Bereits Mitte Oktober bekommt man sehr viele Gnus zu sehen, nur verstreuter. Das Besondere jetzt im November sind die vielen Jungtiere. Manche Herden scheinen fast nur aus Muttertieren und grazilen Kälbern in hellem Fellkleid zu bestehen. Die kleineren Gruppierungen ohne Jungtieren sind reine Bullenherden. Wie im letzten Jahr entdecken wir Hyänen in einem Wasserloch liegend. Die verschlammten Tiere sind gut genährt und von beachtlicher Größe. Für die umliegenden Dörfer sind die Hyänen durchaus ein Problem. Es gibt immer wieder Verletzte, selbst Tote, wenn Hyänen in die Dörfer eindringen. Wasserloch in den Liuwa Plains

Bei der Fahrt nach Kalabo irren wir erst einmal im neuen Wegenetz in der Mitte des Parks umher und landen plötzlich an einem Dorf. Der von den Bewohnern gewiesene Weg ist mir aber zu tiefsandig, den kenne ich noch vom ersten Besuch. Wir kehren wieder um, finden einen anderen, ebenfalls unbeschilderten Weg, der relativ gut zu befahren ist. Nochmals passieren wir ein Wasserloch, in dem eine Gnuherde badet. Die staksigen Kälber kommen kaum wieder aus dem Uferschlamm aufs Trockene zurück. Je näher wir dem südlichen Parkrand kommen, um so tiefsandiger wird es. Wir haben unseren Reifendruck rechtzeitig der Situation angepasst und erreichen ohne Probleme Kalabo. Man erwartet uns schon, hat uns sogar einen Scout auf einem Motorrad entgegen geschickt, angeblich, um uns den Weg zu zeigen. Ob sie Angst hatten, wir könnten den Park ohne zu Bezahlen verlassen? Der Eintrittspreis hat sich innerhalb der letzten zwei Jahre verachtfacht. Von 5 USD auf 40 USD. Bezahlen in Kwacha nicht möglich, weil der Mann, der den Computer bedienen kann und die Umtauschrate weiß, im Gottesdienst ist. Auch die kleine handbetriebene Fähre über den gerade mal 50 m breiten Luanginga kostet 40000 Kwacha (10USD) pro Fahrzeug, und es passen zwei Autos gleichzeitig auf den Ponton. Die neuen Pächter von African Parks haben viel Geld in den Park investiert. Die Scouts tragen ordentliche Uniformen, Waffen, GPS- und Funkgeräte, die umliegenden Dörfer werden über die Bedeutung des Parks aufgeklärt usw. Trotzdem überzeugt uns das nicht ganz. Etwas zu deutlich scheint das große Geld im Vordergrund zu stehen. Hoffentlich dient es dann auch dem Tierschutz und den Anwohnern.

Gleich hinter Kalabo dann die Überraschung: Teerstraße. Trotzdem müssen wir mehrere Kilometer parallel zur neuen Straße im Tiefsand fahren, weil der letzte Belag noch nicht aufgetragen ist. Die letzten Kilometer bis zur Sambesifähre sind noch feste Piste. Ich glaube nicht, dass die neue Teerstraße lange halten wird. Der Unterbau ist einfach nur Sand. Der Regen wird die Flanken ausspülen, so dass die Straße vom Rand her weg bricht. Im Flutbereich steigt dann auch noch der Sambesi an, der ja schon den ersten Damm auf weiten Strecken hinwegspülte.

Transport Kanu auf dem ZambeziAn der Sambesifähre herrscht Hochbetrieb. Für die vielen Baufahrzeuge werden sogar zwei weitere Fähren eingesetzt. Eine vernünftige Anlegestelle gibt es nicht. Die Lkws haben Probleme, die tiefsandige leichte Anhöhe bei der Landung zu meistern und bleiben regelmäßig stecken. Das Fährboot wiederum hat mit den schweren Fahrzeugen zuviel Tiefgang und Mühe, bei dem derzeitigen Wassertiefstand überhaupt abzulegen. Für uns ist es ein Schockerlebnis. Elf Tage waren wir auf einsamen Pisten unterwegs, haben nur selten ein anderes Fahrzeug getroffen. Und jetzt diese vielen Baufahrzeuge, lauten Motorfähren, heran brausende Landcruiser der Baufirma, Ankermasten und zerrissenen Stahlseile. Wir fühlen uns fehl am Platz, da kann auch der vorbeigleitende Einbaum, mit Strohmatten beladen, keine Idylle mehr erzeugen.

Die Überfahrt verläuft wehmütig, es ist für uns die Rückkehr in die Zivilisation. Eine letzte Nacht am Sambesi bleibt uns verwehrt. Entlang des Ufers stehen überall die Strohhütten der Fischer. Also wählen wir die Variante “Campen in der weiten Ebene” kurz vor Lealui. Ist auch nicht schlecht. Morgens bekommen wir, bei Nieselwetter, Besuch von Schweinehirten, deren Ferkel und Sauen unsere Fischköpfe und sonstigen Reste des Abendessen verspeisen. Ja, wir hatten am Abend tatsächlich wieder Fisch gegrillt. Nach unseren früheren Reinfällen mit ungenießbaren Fischen (Welsen) hatte Marc diesmal einen schmackhaften Bream ausgewählt. Mit Basmatireis und einer frischen Mango-Chutney-Kreation haben wir irgendwo in den Barotseebenen so unsere einsame Reise durch das Land der Lozi, Lunda und Lovale ausklingen lassen.

ENDE

 

 

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