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Willkommen beim Ilona Hupe Verlag

Der Spezialist für Afrika und Oman

Projektvorstellung: Wildlife Action Group in Malawi (WAG) 

Dieses Projekt führt uns nach Malawi. Wir freuen uns, hier ein Engagement vorzustellen, das wir seit seinen Anfängen mitverfolgen konnten, und das sich in den Jahren seines Bestehens erfolgreich entwickelt hat.


Bilder oben: Gruppenbild mit den WAG-Scouts 2005 / Das neu errichtete Basislager im Dedza-Salima Waldreservat (April 2008) / Die Elefanten kehren zurück nach Thuma!

Die Wildlife Action Group konzentrierte sich von Anbeginn auf ihr Kerngebiet, das 197 km² große Thuma Waldreservat, und seit Herbst 2007 zusätzlich auf das sich anschließende, 320 km² große Dedza-Salima Waldreservat. Erklärtes Ziel ist die Erhaltung des wertvollen Ökosystems dieser beiden kleinen Schutzgebiete. Im Klartext: Schutz der Wildtiere und Erhalt des ursprünglichen Baumbestands unter Einbeziehung der umliegenden Dörfer (eine schwierige, aber lösbare Aufgabe, wie das Interview mit Frau Rösel zeigen wird).

Ins Leben gerufen haben den Verein 1994 Georg Kloeble und Susanne Kneissl, die beide in Malawi lebten und sich seit vielen Jahren Jahren für den Natur- und Tierschutz engagierten. Sie sind inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt, aber weiterhin aktiv im Vorstand tätig. Seit 2005 leitete der Umweltbiologe Albert Schenk das Projekt vor Ort und koordinierte die Arbeit der vielen einheimischen Scouts.

Im Jahr 2005 beteiligte sich die angehende Tiermedizinerin Frau Kristina Rösel als freiwillige Mitarbeiterin fünf Monate lang an der Projektarbeit im Thuma Waldreservat. Zusammen mit einigen Mitstreitern gründete sie nach ihrer Rückkehr im März 2006 den deutschen Förderverein Wildlife Action Group Support (WAGS). Das Hauptanliegen des gemeinnützigen Fördervereins sind die finanzielle Unterstützung der Wildlife Action Group in Malawi und die Bekanntmachung ihrer Arbeit für den afrikanischen Tier- und Naturschutz.
Aus den Mitgliedsbeiträgen werden z. B. Ersatzteile, Ausrüstungsmaterial und Gehälter für die Scouts finanziert (alle Mitarbeiter in Deutschland arbeiten ehrenamtlich, die Vereinseinnahmen und Spenden fließen also direkt und vollständig ihrem Zweck zu).

Wir möchten Ihnen das Thuma und Dedza-Salima-Projekt in zweifacher Hinsicht ans Herz legen:

  • Es ist ein kleines, überschaubares Schutzprojekt, das durch die konstante Arbeit der WAG und die Einbeziehung der Malawier beachtliche Erfolge erzielt
  • Das Projekt soll sich einmal selbst tragen durch Einnahmen aus dem Tourismus. Besucher sind daher sehr willkommen. Und seit wieder viele Wildtiere, wie rund 100 Elefanten, durch die Schutzgebiete streifen, lohnt es sich für alle, die neben schönen Safari- und Strandeindrücken auch mal einen Blick hinter die Kulissen ihres Reiselands werfen möchten, die Schutzgebiete zu besuchen.

Frau Rösel hat uns einen Einblick in ihre Arbeit erlaubt und viele Fragen beantwortet. Auch fast alle Fotos hat sie uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Lesen Sie hier das ungekürzte, spannende Interview (Stand 08/2008):

Frau Rösel, Sie haben im Jahr 2005 als freiwillige Helferin fünf Monate in Malawi bei der WAG mitgearbeitet. Wie sind sie damals zur WAG gekommen?

Durch eine unglaubliche Verkettung von Umständen… Im März 2005 heuerte ich bei einer kleinen Organisation in Sambia an um Dorfkinder in Englisch zu unterrichten. Die beiden einheimischen Hauptverantwortlichen dieses Projektes versuchten jedoch ihre (ausländischen) Freiwilligen finanziell über den Tisch zu ziehen – so wie auch ihre großen Geldgeber. Diese Form der Hinterziehung haben wir aufdecken müssen, und es wurde uns von der Deutschen Botschaft in Sambia nahe gelegt das Land vorübergehend zu verlassen. Völlig desillusioniert kamen wir nach Malawi und überlegten wie wir uns weiterhin sinnvoll verdingen konnten. Nach einigen Tagen in Lilongwe, Malawis Hauptstadt, entdeckte ich auf einem Spaziergang das Lilongwe Sanctuary (eine Art Mini-Zoo). Dort kam ich mit einem belgischen Studenten ins Gespräch, und der empfahl mir die Wildlife Action Group zu kontaktieren. Deren Projekt, das Thuma Waldreservat, hatte er kürzlich erst selbst besucht. Ich kontaktierte den Projektleiter, Albert Schenk, und wir trafen uns am darauffolgenden Tag. Er bot mir an mich für eine Probewoche am kommenden Morgen abzuholen – und am 7. April 2005 schließlich kam ich zum ersten Mal nach Thuma und blieb (zumindest 2005) für die folgenden fünf Monate.
Foto rechts: Frau Rösel im Thuma Waldreservat im April 2005

Wie haben Sie 2005 das Projekt vorgefunden?

Albert Schenk war zwei Monate zuvor (also im Februar 2005) gerade selbst erst von der WAG als Projektleiter eingestellt worden (im Rahmen eines durch die EU geförderten Projektes). Der studierte Biologe hatte selbst vorher schon seit 1996 mehrfach als Freiwilliger in Thuma die Wildhüter ausgebildet und nun seine Zelte hier aufgeschlagen. Er leitete ein Team von vier Scouts. Diese Männer waren seit dem Frühjahr 2003 bis zu Albert Schenks Ankunft im Februar 2005 die einzigen Angestellten der Organisation. Nach dem Weggang von Georg Kloeble 2003 wurde nur wenig für die Weiterführung der WAG-Arbeit getan, es fehlte an finanziellen Mitteln und Personal.

Die Wildhüter hatten keinen Vorgesetzten, der ein Tagesprogramm aufstellte, sondern berichteten lediglich einmal im Monat an den Vorsitzenden der WAG. Vier Männer sollten also allein den Schutz eines knapp 200 km² großen Waldgebietes vor Wilderern schützen, sie konnten allerdings nur etwa ein Viertel davon bewältigen. An ein sich selbst tragendes Projekt war natürlich hier nicht zu denken. Als ich im April hinzu stieß war gerade das oben erwähnte EU-Projekt angelaufen, in dem die Dorfbewohner lernen sollten in einem speziellen Verfahren Holzkohle herzustellen, denn für Holzkohle wurden damals unzählige Bäume gefällt. Innerhalb des Waldreservates war die Lage desolat – es wurden wahllos Bäume und Bambus geschlagen, Feuer gelegt und Tiere gewildert. Der Bevölkerung, die um das Reservat herum wohnte, fehlte jegliches Verständnis für den Schutz ihrer Natur und die Folgen dieser Ressourcenvernichtung.

Ein Beispiel hierfür ist der elektrische Zaun, der im Sommer 2002 über eine Länge von ca. 15 km an der Ostgrenze des Reservates errichtet wurde. Finanziert wurde das 20.000-Dollar-Projekt von WAG, der Deutschen Botschaft in Malawi, dem deutschen Verein Rettet die Elefanten Afrikas e.V. und dem Tabakkonzern DIMON Malawi. Die Kleinbauern um das Waldreservat haben jedes Jahr mit aus dem Wald streunenden Elefanten zu kämpfen, die ihre Felder zerstören. Um sowohl die Menschen und ihre Felder als auch die Elefanten (vor dem Abschuss) zu schützen, wurde der solarbetriebene Elektrozaun errichtet. Die anfangs enthusiastische Pflege des Zaunes (das heißt vor allem wuchernde Pflanzen zu entfernen) ebbte nach einigen Wochen ab, und nach nur wenigen Monaten wurde eine Solarzelle gestohlen. Es dauerte nicht lange und der erste Elefant wagte sich an den Zaun, durchbrach ihn und das ganze Problem begann von Neuem. Das Schlimmste daran war, dass die Dorfbewohner den Draht des hinfälligen Zauns abmontierten und die Scouts der WAG ihn in den folgenden Monaten in Form von Schlingfallen im Reservat wiederfanden. Bis heute fordern die Dorfbewohner einen neuen Elektrozaun und der Konflikt zwischen Bauern und Dickhäutern dauert an.


Bilder oben: Anfangs war der Kampf gegen die Wilderei von vielen depremierenden Rückschlägen gezeichnet

Es gab also jede Menge zu tun! Während meines Aufenthalts betreute ich ein Projekt zur Bewältigung genau dieses Konfliktes. Ich arbeitete mit Albert Schenk ein Sponsoring-Programm aus, mit dem Firmen und Privatpersonen das Jahresgehalt eines WAG-Wildhüters finanzieren konnten. Außerdem gewannen wir weitere Förderer zur Unterstützung der laufenden Kosten des Projektes, betrieben Werbung unter der malawischen Stadtbevölkerung für Wander- und Campingausflüge ins Thuma Waldreservat; führten Wandertage mit Schulkindern aus den Dörfern durch und verbrachten viel Zeit in den Gemeinden um die Menschen für den Naturschutz zu sensibilisieren.

Nach ihrer Rückkehr in Deutschland haben Sie sich entschlossen, die WAG weiterhin aktiv zu unterstützen?

“Einmal in Afrika, kehrst Du immer zurück.” So lautet ein altes Sprichwort. Es fiel mir nicht leicht, das Projekt zurück zu lassen, zumal es noch so viel zu tun gab. Aber auch das Budget eines Freiwilligen geht zur Neige, und ich trat im Herbst 2005 mein Tiermedizin-Studium in Berlin an, immer mit dem Gedanken, später nach Malawi zurückzukehren. Von Deutschland aus konnte ich das Projekt nur finanziell und organisatorisch unterstützen, zwei Faktoren allerdings, die sehr hilfreich sein konnten. Viele Bekannte und Verwandte waren begeistert von unserer Arbeit vor Ort, und hier und da wollten Leute spenden oder helfen. Da lag natürlich der Gedanke nah, einen Förderverein zu gründen, damit alles koordiniert und übersichtlich für die Unterstützer abläuft. Mit 25 Euro pro Jahr kann man als Fördermitglied die Arbeit der WAG unterstützen, und auch für eine einmalige Geldspende erhält man somit eine Spendenbescheinigung.

Worin liegen die Stärken der WAG und WAGS?

Das ist ganz einfach: WAG ist eine sehr kleine Organisation mit überschaubarem Arbeitsfeld – den Waldreservaten Thuma und Dedza-Salima (im Moment ca. 300 km²) und seinen umliegenden Gemeinden. WAG arbeitet eng mit der malawischen Bevölkerung, den hiesigen Ämtern und (ausländischen) Freiwilligen zusammen. Mindestens einmal pro Woche telefoniere ich mit Albert Schenk, dem Projektleiter. Sollte WAG die Unterstützung von WAGS (dem Förderverein in Europa) benötigen, bekomme ich eine Email mit einer Anfrage und wir überweisen das Geld, dass wir hier gesammelt haben (aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden von Privatpersonen oder Firmen). Die Förderer von WAGS erhalten regelmäßig Rundbriefe aus Malawi, in dem dann immer erläutert wird, was gerade passiert und wie wir helfen konnten. Dadurch wahren wir Transparenz und jeder kann sehen, wo seine Spende ankommt. Unser Vorteil ist, dass es keinen großen Verwaltungsapparat gibt – in Europa arbeiten alle Helfer ehrenamtlich.

Die Stärken “im Feld” bestehen in der Zusammensetzung des Teams: Alle Wildhüter sind junge Männer aus malawischen Dörfern, die oftmals keinen Schulabschluss, dafür allerdings harte körperliche Arbeit und die Instinkte für das Leben im Busch von Kindesbeinen an trainiert haben. Der dienstälteste Scout war noch vor zehn Jahren selbst ein Wilderer und kennt somit natürlich alle Tricks und Kniffe. Er ist seit nunmehr drei Jahren ein unverzichtbarer Bestandteil des Teams. Ausgebildet werden alle Rekruten durch die älteren Scouts und Projektleiter Albert Schenk, der bereits seit 1996 (damals noch als Freiwilliger Helfer) regelmäßig nach Thuma kam um die Wildhüter anzulernen. Im Hintergrund arbeiten ehrenamtlich 4 Mitglieder des Vorstandes und dessen Vorsitzender Alex Bulirani, der Leiter der Fischereibehörde der malawischen Regierung.


Bilder oben: Nr 1 und 3: Wildlife Clubs in den umliegenden Dörfern / Mitte: Ein Scout im Thuma Reserve (Jürgen Tiefenthaler)

Die Arbeit geht natürlich weit über den Schutz der Flora und Fauna des Waldgebietes hinaus. Gemäß der Vision der Wildlife Action Group beinhaltet Naturschutz vielmehr auch eine langfristige Lösung für Hunger und Armut unter den Menschen. Wald bedeutet Feuerholz, Früchte, Wildfleisch, Heilpflanzen, und viele andere wertvolle Rohstoffe, von denen insbesondere die armen Menschen in den ländlichen Regionen direkt leben. Wald bedeutet jedoch auch die Regulation von Grundwasserspiegel, Bodentemperatur, Verdunstung, Wolkenbildung, Niederschlägen und somit der Entwicklung des regionalen Klimas. Baumwurzeln speichern Wasser, verhindern somit Überflutungen, und der Waldboden selbst arbeitet wie ein Filter zur Grundwasseraufbereitung. Die Menschen, die an den Grenzen der Reservaten leben, sind so arm, dass diese langfristigen Folgen nicht interessant genug für sie sind, weil es ihnen für den Augenblick mehr hilft, einen Sack Holzkohle oder Planken zu verkaufen. Durch die explodierenden Bevölkerungszahlen ist es jedoch umso wichtiger, diese Ressourcen einzuteilen. WAG initiierte die uns Deutschen bekannten Wandertage für Schulkinder, um “ihr Reservat” kennenzulernen; es wurden Wildlife Clubs gegründet, in denen mittels Theater, Gesang und Tanz über den Naturschutz informiert wird; es wurden Workshops zur Honigherstellung und zum Anpflanzen von Chilipfeffer durchgeführt, und wann immer es möglich ist, werden die Dorfbewohner in Bauarbeiten an Straßen oder im Camp einbezogen. Diese Arbeiten sind besonders beliebt, weil sie gut bezahlt und immer nur zeitweise stattfinden, so dass man sich trotzdem um seine Ernte kümmern kann. Außerdem ist WAG Arbeitgeber für ca. 20 Einheimische, die dank ihres regelmäßigen Monatsgehaltes ihre Familien ernähren und ihre Kinder in die Schule schicken können. Für die Zukunft bleibt zu wünschen, dass es gelingt, Touristen nach Thuma und Umgebung zu locken, so dass sich der Naturschutz auch für die Bevölkerung rentiert.

Im März/April 2008 sind Sie erneut nach Malawi gereist und haben die WAG-Projekte eingehend besucht. Was ist seit Ihrem ersten Aufenthalt vor drei Jahren bis heute im Thuma Waldreservat geschehen? Welche Fortschritte haben Sie feststellen können?

Der Besuch in diesem Frühjahr war nicht der erste seit meinem Volontariat 2005, und weil WAG und WAGS regen Kontakt pflegen, war ich trotz der räumlichen Distanz immer über die Geschehnisse vor Ort im Bilde und wusste, was mich erwarten würde. Die Fakten sprechen jedoch für sich: bei meiner Ankunft im April 2005 bestand das WAG-Wildhüter-Team aus vier Scouts, pro Monat gab es ca. 40 Tage mit Kontrollgängen, und es konnten lediglich 30 Prozent des Waldgebietes patrouilliert werden. Nur drei Jahre später besteht das Team (in Thuma) aus zwölf Wildhütern und das Waldgebiet wird zu 100 % mit Kontrollgängen an etwa 200 Tagen pro Monat gesichert. Durch diesen Personalzuwachs von 300% nahm natürlich auch die Anzahl der verhafteten Wilderer zu (2005: 105 und 2007: 232). Diese Zahlen sollte man aber nicht verwechseln mit einem Anstieg der illegalen Aktivitäten, sondern es konnten schlichtweg mehr Gesetzesverstöße festgestellt werden, da mehr patrouilliert wurde. Die Zahl der eingesammelten Schlingfallen zum Beispiel betrug im Jahr 2005 325, 2006 waren es 434 und 2007 nur noch 205. Dies zeigt, dass zwar erst viel mehr Fallen gefunden wurden, was wiederum durch häufigere Streifgänge ermöglicht wurde. Der gleiche personelle Aufwand im Jahr 2007 und die gesunkene Anzahl gefundener Fallen zeigt jedoch, dass die Wilderei durch Auslegen von Schlingfallen offenbar zurückgeht. Ebenso verhält es sich mit der Herstellung von Holzkohle, die 2005 noch das Hauptproblem des Baumbestandes im Thuma Waldreservat war, und mittlerweile um etwa 90 Prozent zurückgegangen ist. Die meisten Menschen, die jetzt durch WAG-Scouts verhaftet werden, haben ohne Genehmigung Bambus geschlagen. Laut malawischem Forstgesetz muss für das Schlagen einer Kopfladung Bambus vom Forstbeamten (nicht von der WAG) eine Genehmigung gegen eine Gebühr von umgerechnet etwa einen Euro-Cent erworben werden. WAG setzt somit durch seine Arbeit lediglich das in Malawi geltende Forstgesetz um.

Bilder oben: Illegale Brandrodung im Schutzgebiet / Der erste WAG-Wandertag mit einer Schulklasse aus dem Dörfchen Mphinzi (an Thumas Ostseite) im Juli 2005 / Die Überreste eines gewilderten Elefanten

Die Bemühungen der vergangenen Jahre spiegeln sich natürlich auch in den Wildtierbeständen wieder. Besonders deutlich wird dies anhand der Elefantenpopulation. Musste man sich 2005 noch auf eine Wanderung mit mindestens einer Übernachtung im Busch einstellen, um die Fährte eines Elefanten aufzunehmen, so braucht man heute nur noch einen Nachmittag im Busch einzuplanen, um mindestens einen Dickhäuter zu Gesicht zu bekommen. Wurde die Elefantenpopulation in den 1990ern noch auf 30 Tiere geschätzt, so sind es mittlerweile über 100. Man kann mittelgroße Herden beobachten, in denen Tiere aller Altersgruppen vertreten sind. Die konkrete Entwicklung der Wildtierbestände (Schätzungen) wurden seit 2006 in der so genannten Säugetier-Bestandsaufnahme durch Freiwillige Helfer und die WAG-Wildhüter dokumentiert.

Die Erfolge blieben natürlich auch den zuständigen Behörden Malawis nicht verborgen, und seit nunmehr zwei Jahren besteht eine intensive Zusammenarbeit zwischen WAG und den Behörden (dem Forstamt und dem Department of National Parks and Wildlife), wie sie 2003 zwar vertraglich vereinbart, allerdings nicht augenblicklich umgesetzt wurde. Es werden regelmäßig gemeinsame Streifgänge organisiert, bei denen die WAG-Scouts Unterstützung durch bewaffnete Beamte erhalten.


Bilder oben: WAG-Scouts mit der Forstbeamtin Veronica vom Dep. of National Parks and Wildlife /  Mai 2005 - damals noch ein seltenes Vergnügen, einen Elefanten zu sichten / Scouts präsentieren die eingesammelten Schlingen und Werkzeuge der Wilderer und illegalen Holzarbeiter

Die Wildlife Action Group als Organisation muss heute nicht mehr darum bangen, dass die Arbeit im Thuma Waldreservat durch mangelnde finanzielle Mittel kurzfristig eingestellt werden muss und kann langfristig planen: Seit 2006 wird der Bärenanteil der laufenden Kosten (inklusive den Gehältern für vier Scouts) durch den US-amerikanischen Fish & Wildlife Service übernommen. Die Höchstförderungsdauer läuft jedoch im nächsten Jahr aus, so dass im Moment besonderes Augenmerk auf den Ausbau des Tourismussektors gelegt wird, durch den sich das Projekt langfristig zum großen Teil selbst tragen soll.

Die WAG verwaltet seit Herbst 2007 neben dem Thuma Waldreservat auch das desolate Dedza-Salima-Waldreservat. Was waren die dringendsten Aufgaben, denen sich die WAG dort stellen musste, und was ist inzwischen geschehen?

Das Dedza-Salima-Waldreservat (ca. 300 km²) grenzt direkt an das Thuma-Waldreservat. Die beiden Reservate sind lediglich administrativ und durch einen Fluss voneinander getrennt. Die Wildtierpopulationen, allen voran die Elefanten, wandern jedoch trotzdem zwischen den beiden Reservaten hin und her. Seitdem sich die Bestände in Thuma erholen, wurde es unausweichlich, auch dieses Reservat in die Arbeit der WAG mit einzubeziehen. Da das Dedza-Salima-Waldreservat in der Vergangenheit durch niemanden verwaltet wurde, war Wilderei hier nach wie vor an der Tagesordnung. Der Zustand des Waldgebietes war 2006 ähnlich desolat wie der Thumas, bevor WAG dort seine Arbeit aufnahm. WAG beantragte beim malawischen Forstamt die Verantwortlichkeit für die Schutz des Reservates und schloss einen Kooperationsvertrag mit dem deutschen Verein “Rettet die Elefanten Afrikas e.V.” (www.reaev.de), dem Hauptgeldgeber des Dedza-Salima-Projektes.

Im Herbst 2007 wurde ein neues Basislager errichtet, von dem aus in der ersten Projektphase 60 km² des Reservates patrouilliert werden. Vier weitere Wildhüter und zwei Vorarbeiter wurden neu eingestellt, ausgebildet und ausgerüstet. Die Bevölkerung wurde bis zum Jahresende über die künftige Tätigkeit der WAG im Reservat informiert, auch darüber, dass Wilderei ab 2008 geahndet werde. In Zusammenarbeit mit dem Malawi Department of National Parks and Wildlife werden jetzt regelmäßig Streifgänge in dem Gebiet unternommen um die Wilderei einzudämmen. Die Arbeit zeigt erste Effekte: Konnten 2006 bei sporadischen Streifgängen (als WAG noch nicht im Dedza-Salima-Waldreservat operierte) teilweise zwölf oder mehr Wilderer pro Tag beobachtet werden, wie sie unbeirrt ihrer “Arbeit” nachgingen, so wurden von April bis Juni 2008 (also in drei Monaten) lediglich 18 Personen wegen illegalen Tätigkeiten verhaftet. Auch die Wildtiere scheinen die Veränderung zu bemerken. Noch vor einem Jahr glich das Dedza-Salima-Waldreservat einer “Geisterstadt”: kein Vogelzwitschern, kaum Kot- oder Fußspuren, die auf die Anwesenheit von Tieren hindeuteten. Letzteres kann mittlerweile wieder vermehrt beobachtet werden, wenngleich sich diese Hinweise noch in Grenzen halten.

Eine Frage, die unsere Leser besonders interessieren wird:
Was empfehlen Sie Reisenden in Malawi, die Ihre Projekte gerne besuchen möchten?

Touristen sind in Thuma immer herzlich willkommen. Schließlich soll sich das Projekt eines Tages selber tragen, was weitestgehend durch den Tourismussektor geschehen wird. Zu beachten ist, dass die Infrastruktur momentan jedoch nur bis zum Basislager ausgebaut ist, so dass man das Reservat nur guten Fußes entdecken kann. Im Frühjahr 2009 soll die Straße dann weiter ausgebaut werden, so dass es möglich sein wird, mit einem Geländefahrzeug bis ins Zentrum des Reservates vorzustoßen.

Je nachdem, wonach den Reisenden der Sinn steht, sollte man die Zeit des Besuches eintakten: Die beste Zeit zur Beobachtung von Wildtieren sind die Monate Mai-November, bevor der Regen wieder einsetzt. Man kann ferner die Ruine eines Krankenhauses (aus Kolonialzeiten) besuchen, zahlreiche Höhlen (in denen auch Wilderer Unterschlupf suchten) und eine Felswand mit Malereien, die wahrscheinlich von Pygmäen stammen, besichtigen. Im Augenblick wird ein kleines Informationszentrum in Thuma errichtet – hauptsächlich für einheimische Schulklassen; jedoch auch für Besucher, die sich über das Reservat und die Region informieren möchten.



Bilder oben: Touristen im Thuma Reservat / Historische Höhlenmalerei / Die Ruinen des “Old Hospital” / Impressionen vom Wildhütercamp und eine Kinderzeichnung im Wildlife Club (Fotos von Fr. Rösel, J. Tiefenthaler und Hupe Verlag)

Die Unterkünfte für Touristen sind sehr bescheiden; es gibt einige Grashütten mit Feldbetten und einen Campingplatz mit Feuerstelle. Duschen und Toiletten sind vorhanden, ein paar visuelle Eindrücke gibt es auf der WAG-Website. In der Zwischenzeit hat ein malawischer Safari-Anbieter Interesse am Thuma Waldreservat bekundet, so dass auch hier künftig Unterkünfte, die über den Camping-Standard hinausgehen, entstehen werden.

Die Anfahrt erfolgt mit eigenem Fahrzeug (etwa 80 km entfernt von der Hauptstadt Lilongwe), der Eintritt (einmalig) kostet 250 Malawi Kwacha (etwa 1,10 Euro) für ausländische Besucher (Malawier müssen keinen Eintritt zahlen) plus weitere 250 Malawi Kwacha pro Übernachtung und für das Fahrzeug. Wanderungen dürfen nur in Begleitung eines Wildhüters der WAG durchgeführt werden, da es in Thuma eine Vielzahl zum Teil gefährlicher Wildtiere (Elefanten, Büffel, Leoparden) gibt, und kosten pro Gruppe 500 Malawi Kwacha. Die Camping-Ausrüstung (Zelt, Schlafsack, Lebensmittel) muss durch die Besucher selbst gestellt werden. Ein kurzfristiger Anruf/SMS bei Projektleiter Albert Schenk zur Koordination des Tagesprogramms genügt: +2659364637.
Weitere Informationen, Bilder und Infos zur Anfahrt gibt es auf
www.wildlife-malawi.de/tourism.htm

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um als Freiwilliger Helfer eine Zeit lang in Malawi mitzuarbeiten?

Die Anforderungen sind weniger akademischer Natur, sondern vielmehr an den Charakter des zukünftigen Freiwilligen gestellt. Das Interesse für die Natur Ostafrikas, seine Bevölkerung und deren Probleme ist wichtig, weil man sich auf das Land und die Leute einlassen muss um wirklich helfen zu können. Für die Arbeit im Reservat erfordert es lediglich eine gute körperliche Verfassung (für Wanderungen durch das schroffe Gelände) und die Bereitschaft unter einfachsten Bedingungen zu wohnen. Gemischt mit ein wenig Eigeninitiative und Spaß an der Arbeit im Afrikanischen Busch wird dies in jedem Fall ein unvergesslicher Aufenthalt.
Wie man sich als Freiwilliger bei der WAG anmeldet und woran bei der Reisevorbereitung zu denken ist, finden Sie auf der Internetseite
http://www.wildlife-malawi.de/volunteer.htm

Wie kann man ihre Arbeit von hier aus unterstützen?

Da wir ein Förderverein sind und die WAG vor allem finanziell unterstützen, freuen wir uns natürlich immer über Geldspenden. Als Fördermitglied zahlt man 25 Euro Jahresbeitrag, der in unsere laufenden Projekte einfließt, und erhält dafür sowohl in regelmäßigen Abständen den Rundbrief aus Malawi per Email als auch ein gedrucktes Mitgliederheft mit allerlei Hintergrundinformationen und Unterhaltsamem zwei Mal jährlich per Post.
Ohne großen finanziellen Aufwand kann man sich zum Beispiel auch an unserer Handy-Sammelaktion beteiligen, bei der wir für jedes alte und/ oder kaputte Mobiltelefon 2,50 Euro von der Deutschen Umwelthilfe erhalten.
Wir freuen uns allerdings auch sehr über Helfer, die uns mit ihrem Wissen und ihren Kompetenzen unterstützen. So sind wir zum Beispiel nach wie vor auf der Suche nach kreativen Köpfen zur Gestaltung einer neuen Vereinsbroschüre oder jemanden, der die Redaktion des Mitgliederheftes unterstützen möchte. Gerne suchen wir auch Kooperationspartner, die uns helfen die Arbeit der WAG öffentlich zu machen oder Netzwerke, die ähnliche Ziele wie wir verfolgen um sich auszutauschen und zu ergänzen.
Wer weder viel Zeit noch viel Geld übrig hat, kann uns auch ganz einfach damit unterstützen uns an Bekannte und Verwandte weiter zu empfehlen!!!

Frau Rösel, zum Abschluss in Kürze: Was sind Ihrer Ansicht nach die größten Erfolge der bisherigen Vereinsarbeit?

Unsere messbaren Erfolge als Förderverein sind natürlich materieller Natur – der größte war die Beschaffung und Überführung eines neuen Geländefahrzeugs von Deutschland nach Malawi im vergangenen Jahr. Doch bereits im ersten Vereinsjahr (2006) konnten wir die WAG unterstützen: mit Ausrüstung für die Wildhüter, einem neuen Laptop, einem neuen Satz Reifen oder der Finanzierung eines weiteren Wildhüter-Gehalts. Wir übernahmen 2007 erstmals die Kosten für Straßeninstandhaltungsarbeiten in Thuma, die durch die Dorfbewohner an der Reservatsgrenze durchgeführt wurden. Nachdem diese Arbeiten auch in diesem Jahr durch uns finanziert wurden und sowohl für die WAG als auch die einheimische Bevölkerung sehr nützlich sind, sollen im kommenden Jahr Straßenarbeiten im Wert von 5000 Euro durch WAG Support finanziert werden. Thuma wird ein touristentaugliches Straßennetz von 25 km erhalten, und die Bevölkerung kann sich über die 5000 Euro freuen, die sie für ihre Arbeit erhalten werden.


Bilder oben: Instandhaltungsarbeiten an den Straßen in Thuma / Das WAGS-Projekt 2007: ein neuer Geländewagen für WAG / Die “WAG-Familie” an Weihnachten 2007 (alle Scouts und Arbeiter mit ihren Frauen)

Ferner versuchen wir Scout-Sponsoren und Kooperationspartnerschaften zu vermitteln. So konnte WAG Support 2006 den Verein Rettet die Elefanten Afrikas e.V. an Bord holen, der seither zwei Scouts in Thuma sponsert und außerdem die Arbeit der WAG im Dedza-Salima Waldreservat finanziert.

Frau Rösel, vielen Dank für diese Informationen!


Weitere aktuelle Infos finden Interessierte unter www.wag-malawi.org (WAG) und www.wildlife-malawi.org (der deutsche Verein hat sich mit “Rettet die Elefanten Afrikas” verbunden).

Darüber hinaus können Sie hier den informativen Reisebericht (PDF-Datei) von Frau Rösel über ihren
Projektbesuch im Frühjahr 2008 downloaden.

Bild unten: Morgenstimmung im Wildhütercamp Thuma (Jürgen Tiefenthaler)

Thuma welcomes you!

 

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