Bild_Layout_oben

Willkommen beim Ilona Hupe Verlag

Der Spezialist für Afrika und Oman

Eine Reise in den äußersten Nordwesten Sambias
Ein Reisebericht von Manfred Vachal

Zambia im Oktober 2004. Ziel unserer Tour ist der Westen Sambias.
Es sind wieder 4 Männer und 3 Frauen in einem VW T3 Syncro und einem Toyota Landcruiser BJ75 unterwegs.

Kinder

Wir lassen es gemütlich angehen und verbringen die erste Nacht auf dem Campingplatz der Mukambi Safari Lodge am Ufer des Kafue. Erfreulicherweise sehen wir bereits auf der Zufahrt Pukus und Impalas, bei der Einfahrt in den Campingplatz verdrückt sich eine Buschbockfamilie ins Unterholz und wir werden vom Manager eindringlich vor den Löwen und Hyänen gewarnt.

Bevor wir am nächsten Tag in den Nordteil des Kafue Nationalparks aufbrechen, besuchen wir zuerst noch die sog. Chunga Area. Wir wollen eine Pirschfahrt entlang des Shishamba River unternehmen. Auch hier überraschen uns die vielen Wildtiere. Kuhantilopen, Pukus, Zebras, Büffel, Impalas und massenhaft Warzenschweine. Elefantendung deutet auf die Präsenz grauer Dickhäuter hin, aber leider zeigen sie sich nicht.

Mittags, gerade als wir ans Gate zum Nordteil des Parks kommen, bildet sich unter dem Toyota eine Pfütze. Deutlich sichtbar rinnt Wasser aus dem Kühler. Wir finden unsere “Kühlerdicht-Flüssigkeit” nicht und treten daher die Rückfahrt nach Mumbwa an. Nach ein paar Kilometern Fahrt wird nochmals kontrolliert: Kein Wasseraustritt mehr. Offensichtlich läuft das Wasser nur, wenn die Motortemperatur über dem Normalbereich liegt. Wir fahren deshalb nicht weiter nach Mumbwa, sondern machen erst mal Mittagspause direkt am Ufer des Kafue. Und weil es so schön ist bei den Hippos, bleiben wir hier gleich über Nacht.

Camping am KafueBad im Kafue

Durch Flood Plains und Thicket Bush in den Norden

Die Fahrt zum Lufupa Camp verläuft am nächsten Morgen zügig, die Piste ist sehr gut präpariert. Der Game Drive entlang des Lufupa führt durch eine reizvolle Landschaft mit vielen Palmen. Wegen der Mittagshitze erwarten wir nicht, allzu viele Tiere zu sehen. Ein paar Pukus und im Fluss unzählige Hippos, viel mehr ist zu dieser Tageszeit nicht drin. Ein paar Kilometer hinter dem Tree Tops Camp machen wir Mittag unter einem schattigen Dornenbaum. Zu dieser Jahreszeit finden die Moorantilopen nur nördlich des Shumba Camps in den Busanga Plains einen geeigneten Lebensraum. Deshalb führt unser Weg direkt über das Shumba Camp.

Löwe in den Busanga PlainsEinen Kilometer vor dem Camp liegen drei Löwen gelangweilt neben der Piste im hohen Gras, unbemerkt von den VW-Bus- Insassen, die gerade mal mit zwei Meter Abstand vorbeifahren. Doch das Toyota-Team hat aufgepasst. In der Ferne sind jetzt auch die ersten Lechwe (Kafue-Moorantilopen) zu sehen. Einzelne Oribis, Kuhantilopen, Kronen- und Klunkerkraniche sowie Sattelstörche sind die auffälligsten Tiere auf unserem weiteren Weg in Richtung Lushimba Scout Camp.
Die Piste führt am Rande der Überflutungsebene, teilweise durch dichten, Tsetsefliegen-verseuchten Wald und das macht wirklich keinen Spaß. Bei Sonnenuntergang erreichen wir das Scout Camp am Parkende. Keine Menschenseele weit und breit. Nur ein glimmendes Lagerfeuer verrät uns, dass irgendwo in der Nähe Menschen sind. Einen Kilometer nach dem Camp schlagen wir am Lushimba Stream unser Nachtlager auf.

Der Lushinga ist zu dieser Jahreszeit nur ein Baum- und Buschbewachsener Graben, der sich wie ein grünes Band durch die Graslandschaft zieht. Kleine Tümpel im Graben dienen Pukus, Wasserböcken und all den anderen Tieren als Tränken. Die Gegend ist Jagdgebiet und dementsprechend scheu sind die Tiere, als wir auftauchen. Aber zumindest sind noch welche da. Frühmorgens ziehen sie lautlos an uns vorüber auf dem Weg zu den Tümpeln.

Am Morgen fahren wir nochmal zum Scout Camp zurück, um ein paar Erkundigungen einzuziehen. Die einzige anwesende Hilfskraft spricht jedoch kaum Englisch. Die Lushimba Springs, die ich eigentlich finden will, sind ihm unbekannt, scheinen wohl auch nichts Besonderes zu sein. Wir haken die Lushimbaquelle ab und konzentrieren uns auf die Weiterfahrt. Dieser Reiseabschnitt ist uns unbekannt und noch ist nicht ganz klar, ob die alten Pisten noch existieren. Zumindest die Fahrspur am Parkrand nach Norden ist gut erkennbar, problemlos befahrbar und führt durch eine offene Grassavanne mit einzelnen Bauminseln. Nur wenige Grasflächen sind hier entgegen der landesweiten Sitte abgebrannt und so bietet sich uns eine faszinierende Landschaft mit hohem, gelbem Gras, während die Wälder im Hintergrund bereits grün sind. Den Kasompe Stream erkennen wir an den Fischbarrieren und Reusen. Zu dieser Jahres ist das Flüsschen ausgetrocknet, die temporären Lager der Fischer liegen verlassen da. Wir wissen, dass wir nach dem Kasompe die Parkgrenze verlassen und unser Weg in Richtung Nordosten führen muss. An einer unerwarteten Gabelung, an der wir unschlüssig halten, haben wir das Glück auf einen weißen Jäger zu treffen, der den richtigen Weg weisen kann. Jetzt geht es 2 km über eine ausgetrocknete, holprige Sumpfebene, um danach für 5 km in ein “Thicket” einzutauchen.

Thicket am Rande der Busanga PlainsBereits bei meinen Vorerkundigungen zu dieser Tour fiel immer wieder der Begriff “Thicket”. Wir haben ja schon viel gesehen in Sambia, aber diese Waldform war uns bisher unbekannt. Large-fruited-Bushwillow (Combretum zeyheri) bildet zusammen mit anderen Strauch- und Baumarten einen dichten Urwald. Die Piste wird dort nur fürs Allernötigste freigeschlagen, und so fahren wir zeitweise wie in einem Tunnel. Tief hängende Äste, Zweige und Lianen zerkratzen unsere Autos und beschädigen Dachzelt und Dachladung. Fünf Kilometer müssen wir durch dieses unangenehme, eigenwillige Weiden-Dickicht, bis endlich wieder normaler Miombowald dominiert. Thicket


 

Wir stoßen auf die Hauptpiste Kaoma – Kasempa. So richtig glücklich macht uns dies auch nicht. Die Piste ist nämlich stark ausgewaschen und lässt kein zügiges Fahren zu. Erst beim Shongwa Gate, einem ZAWA Checkpoint, verlassen wir das unbewohnte Jagdgebiet und die Fahrbahn wird besser. Einzelne Walddörfer der Kaonde tauchen auf. Rund 20 km vor Kasempa nimmt die Besiedelung deutlich zu und damit auch der Grad der Abholzung. Die jetzt sehr gute Piste steigt fast unmerklich an auf etwa 1300m und stößt bei Kasempa wieder auf Teer. Es regnet leicht. Während Marc die im “Thicket” beschädigte Dachzeltaluminiumleiter bei einem Tischler reparieren lässt, sitzen die anderen bei einem Glas Bier im Garten der Bar und knabbern Kartoffelchips. Wie befürchtet gibt es keine Tankstelle, ein Kühlerreparaturmittel können wir hier auch nicht auftreiben. An diesem Tag fahren wir auf der Teerstraße noch bis zu den Mutanda Falls, nahe der Gabelung, wo die Straße auf die Querverbindung Mwinilunga – Solwezi trifft. Trotz des noch immer trüben Wetters genießen wir alle das Bad im Fluss. Das verfallene koloniale Rest House wird noch von einem Caretaker mit Familie bewohnt. Wir platzieren die Fahrzeuge auf der einzigen geraden Stelle direkt auf dem Zufahrtsweg und verteilen die Bodenzelte im Garten. Es wird ein gemütlicher Abend. Marc kocht ein Thai-Curry-Butterhuhn. Im Hintergrund sitzt still die Familie und beobachtet unsere bunte Truppe. Das bringt uns auf eine Idee. Die Kinder haben sicherlich nichts gegen eine kleine kulinarische Abwechslung. Wir haben Mehl und Eier, Milch rühren wir aus Milchpulver an. Ich glaube, die Marmelade-Pfannkuchen werden sie noch lange in Erinnerung behalten...Zufahrt Nyambwezu Wasserfälle

Der Himmel ist am nächsten Morgen immer noch bedeckt. Da die Treibstoffversorgung in Mwinilunga völlig ungesichert ist, fahren wir vorsichtshalber erst nach Solwezi, wo wir nebenbei im Shoprite auch noch unsere Frischvorräte auffüllen können. Dann kann die Fahrt Richtung Mwinilunga beginnen. Die Straße bis zum Turnoff bei Mutanda kennen wir ja schon. Danach mehren sich die Schlaglöcher. Es herrscht kaum Verkehr auf dieser abgelegenen Strecke und es ist daher wenig verwunderlich, dass die Straße vernachlässigt wird. Bis zum Mwombezhi reihen sich kleine Siedlungen zwischen dichtem Wald und der Straße. Danach wird es immer einsamer. Riesige dunkelrote Termitenhügel versetzen uns in Staunen. Allmählich wird es hügelig und immer wieder bieten sich weite Ausblicke in die Waldlandschaft. Die Zufahrt zu den Nyambwezu Wasserfällen finden wir problemlos, mein schon zu Hause aus der Detailkarte ermittelter GPS-Punkt war ganz gut getroffen. Als ich den Zustand der Piste sehe, zweifle ich, ob wir diesen Wasserfall wirklich sehen müssen. Aber sie ist dann doch ganz passabel, nur die Steigungen bei drei Flusseinschnitten sind stark ausgewaschen, die Holzbrücken selbst aber in Ordnung. Ein “National Monument”-Schild weist uns die letzten Kilometer, sogar Eintritt wäre theoretisch zu bezahlen für den Besuch der Felszeichnungen. Nach insgesamt 15 km erreichen wir eine kleine Fußgängerbrücke – mit Rindenschnüren zusammengebundene Holzprügel. Der Wasserfall ist jetzt im Oktober nicht mehr besonders beeindruckend, zu wenig Wasser fließt in den kleinen Bach. Macht nichts, der Blick über die unendlichen Wälder Westsambias entschädigt uns für die etwas mühsame Anreise, die Felszeichnungen finden wir dagegen nicht. Etwa 200m oberhalb des Baches wurde ein “Parkplatz” freigeschlagen, der sich wunderbar zum Campen eignet. Die kleinen, lästigen Waldfliegen sind in gerade noch erträglicher Anzahl vorhanden. Keine Dörfer sind zu sehen, aber hin und wieder kommen Fahrradfahrer vorbei, bleiben kurz erstaunt stehen. Nur die wenigen, die Englisch sprechen, suchen einen kleinen Plausch mit uns. Erstaunlich, wie weitab jeder Teerstraße oder Piste einsame Ansiedlungen im Wald verteilt sind.

Shopping-Tour im Lundaland

Bis Mwinilunga dominiert weiterhin dichter Wald mit abenteuerlich großen Termitenhügeln. Die wenigen Dörfer haben nur einfache Ziehbrunnen. An einem auffallenden, weiß gestrichenen Kiosk mit der Aufschrift “Honey” kaufen wir zwei Liter besten Honig. Die Tankstelle hat sonntags geschlossen, aber morgen könnten wir alles bekommen, heißt es. Wir halten uns nicht länger in Mwinilunga auf. Nur 7 km weiter endet die Teerstraße und geht in eine relativ gute Erdstraße über. An den Luakera Falls legen wir eine Badepause ein, Mittagessen gibt es einige Kilometer weiter direkt auf der schattigen Piste.

Quelle des SambesiUm die Quelle das Sambesi zu sehen, sind pro Person 3US$ Eintritt fällig, und auch für die Autos wird Eintritt erhoben. Zwei Kilometer vor der Quelle blockiert ein frisch gefällter, massiver Baum die Zufahrt. Umfahrung unmöglich, Beseitigung per Seilwinde ebenfalls nicht machbar, unsere einzige Axt würde nicht viel ausrichten. Also gehen die anderen sechs zu Fuß zur Quelle, und ich bewache die Fahrzeuge (und bekomme anschließend tatsächlich die Eintrittsgebühren für die Autos und mich zurückerstattet).

Auf dem Campingplatz des Nchila Wildlife Reserves in Ikelenge wird sofort ein riesiger Kessel heißes Wasser auf offenem Feuer zubereitet. Ein Caretaker füllt dann für jeden von uns die Buschdusche mit temperiertem Wasser. Welch ein Luxus, seit vier Tagen wieder die erste heiße Dusche!

Shopping im Lundaland!
Wir sind zwar in einem privaten Wildschutzgebiet, aber unser Tagesziel sind der Kalene Hill und die Zambezi Rapids. Unterwegs kaufen wir frische Ananas für 500 Kwacha (weniger als 10 Cent), in Lusaka kostet eine Ananas das Zehnfache. Zudem hoffen wir, einige der nur in diesem Gebiet bekannten Cassava-Körbe zu erstehen und einen traditionellen Schmied bei der Arbeit zu entdecken. Auf halbem Weg zu den Rapids sehen wir den ersten Cassava-Korb im Einsatz. Der Korb fungiert als Sieb. Im Mörser zerstoßener Cassava/Maniok wird in den Korb gefüllt und dieser sanft geschüttelt, um das feine Cassavamehl auszusieben. Die gröberen Brocken bleiben im Korb und werden Cassava Korb erneut mit dem Mörser bearbeitet.


 Die Fahrt auf den Kalene Hill gestaltet sich etwas schwierig, da die Piste am Fuße des Berges gerade erneuert wird und stellenweise nicht befahrbar ist. Wir schaffen es trotzdem. Auf dem höchsten Berg weit und breit bietet sich eine fantastische Aussicht. Zudem sind die Überreste der alten Missionsstation zu sehen und einige Grabsteine. Nachmittags erreichen wir die Zambezi Rapids, doch das Toyota-Team will unbedingt Cassava-Körbe erstehen und fährt daher noch weiter in Richtung Kongo. Sie werden fündig und kehren mit zwei Körben zurück. Wir übernachten erneut im Nchila Wildlife Reserve. Am Morgen kaufen wir bei der Farm Butchery frische Butter, Fleisch und Bratwürste. Offensichtlich hat es in Mwinilunga mehr geregnet als in Ikelenge. Wir stehen in schlammigen Pfützen an der Tankstelle. Von den Zapfsäulen gibt es weder Benzin noch Diesel. Man versichert uns aber, das Benzin aus dem Kanister sei von bester Qualität, beliefere man doch auch die Polizei und das Krankenhaus. Der Sprit ist tatsächlich gut. Es gäbe auch einfaches Weißbrot, aber das Brotbacken haben wir inzwischen ja erfolgreich selbst übernommen und sind daher nicht auf das einheimische Brot angewiesen. Bier gibt es in der Bar, Tomaten am Straßenrand. Wir besuchen noch mal den Honig-Kiosk um mehr Honig zu kaufen, und bereitwillig zeigt und erklärt uns der Besitzer die Produktion.Ananasverkauf in Ikelenge

Ab in den sonnigen Süden heißt jetzt die Devise. Das kühle, trübe Wetter geht unsAnanas Transportkörbe allmählich auf die Nerven, auch wenn es lange Fahrtetappen erträglicher macht. Wir kommen gut voran. Die Schlafplatzsuche am späten Nachmittag gestaltet sich aber etwas schwierig. Erst durch zuviel Wald, dann durch zu viele Dörfer. Wir fahren mittlerweile entlang des Lusongwa. Links die Dörfer, rechts die nicht befahrbaren Flussauen. Schließlich finden wir doch eine freie Fläche. Sofort sind alle umliegenden Bewohner da, gegen ein kleines Entgelt wird der Platz mit Macheten vom dürrem Gras befreit. Die Menschen zeigen eine fröhliche Neugier und genießen den Small Talk mit uns. Wir blättern gemeinsam durch unser Säugetierbuch und sie erkennen erschreckend viele Abbildungen als “very nice Food and Relish”. Wie fast überall in Sambia verabschieden sie sich bei Sonnenuntergang von uns und wir erleben eine weitere stille, friedliche Nacht (nur ein LKW rumpelte durch die Nacht, da kann man aber auch drauf wetten).

 

 

Abenteuer Westbank!

Meine ursprüngliche Hoffnung, eine Abkürzung nach Kayombo zu finden, wird auch heute nicht erfüllt. Schon gestern mussten wir einen Versuch abbrechen, da uns die Einheimischen versicherten, dass weiter westlich eine Brücke über den Manyinga-Fluss fehlt. Im Ort Manyinga gibt es an der Holzfabrik eine Tankstelle, aber keinen Sprit. Da die Benzinsituation in Zambezi unklar ist und Kabompo definitiv keinen Sprit hat, beschließen wir, hier noch aus Kanistern zu tanken. Normalerweise sind diese inoffiziellen Tanklager schnell zu finden, meist stehen gelbe 20l Plastikkanister am Straßenrand. Hier aber müssen wir mehrmals nachfragen, bis das entsprechende Haus gefunden ist. Gern tanke ich zwar nicht am Straßenrand, aber sollten wir in Zambezi kein Benzin bekommen, müssten wir sonst unsere Tour verkürzen.

Um die harte Wellblechstraße nach Zambezi nicht zweimal zu fahren, habe ich mir eine Strecke über Kayombo ausgesucht. Kayombo ist weithin bekannt und sollte problemlos zu erreichen sein. Wir beginnen auf der RD291, einer kleinen, kaum befahrene Piste. Es geht wieder nördlich, entlang des Manyinga durch kleine Ansiedlungen. Die Piste ist halbwegs ok, und auch die Querverbindung zur RD519 ist befahrbar, wenngleich die Büsche sehr nahe am Weg stehen. Die RD519 dagegen ist richtig gepflegt, wahrscheinlich durch die Kayombo Mission. Wir haben einen etwas größeren Ort erwartet, von einer Mission ist gleich gar nichts zu sehen. Der Weg gabelt sich am Ortsausgang. Vermutlich müssen wir links, vorsichtshalber fragen wir nach. Die Piste sei “very bad”, wir sollten besser die rechte Strecke nehmen. Auf unserer Detailkarte endet die rechte Spur aber im Nichts. Es wird immer wieder von “Chito” gesprochen, auf unserer Karte ist dies ein kleiner Fluss. Als Endpunkt, wo man auf die RD294 trifft, wird ein Ort genannt, der auf keiner unserer Karten verzeichnet ist, der aber scheinbar kurz vor der angolanischen Grenze liegt. Klingt alles sehr spannend und ein wenig widersprüchlich, aber umdrehen kommt nicht in Frage, schließlich wollen wir ja ungewöhnliche Strecken fahren. Es wird eine sehr einsame Fahrt durch dichten Wald. Eine Sumpfpassage ist durch eine einfache Holzrampe entschärft worden und über den Chito führt sogar eine Holzbrücke. Bei der Dikdonga Basic School, dort wo bei uns in der Detailkarte die Dörfer Shindola und Chisangama liegen, treffen wir auf die RD294. Diese führte mal weiter zur angolanischen Grenze, ist derzeit aber in Richtung Norden zugewachsen. Doch auch in Richtung Süden kann man nicht wirklich von einer guten Straße sprechen. Typisch sambisch eben, gelegentlich fährt man 50km/h, aber im Schnitt sind nicht mehr als 35 km/h drin. Es könnte eng werden mit unserem Tagesziel.

Wir brettern, halten nur an, um hin und wieder nach dem Weg zu fragen. Alle meinen, wir müssten über Zambezi fahren, um zur Chinyingi Mission zu gelangen. Wir geben die Hoffnung nicht auf, einen Shortcut zu finden. Und wir finden ihn. So wie es auf der Karte verzeichnet ist. Hier wird uns auch bestätigt, dass die Abkürzung befahrbar ist. Noch im Hellen erreichen wir die “Swinging Bridge”, diese einmalige Fußgänger-Hängebrücke über den Sambesi (siehe Bilder). Wir schlagen unser Camp etwa 300m flussaufwärts auf einer grünen Wiese auf. Schwimmen trauen wir uns nicht im Zambezi, aber am Uferrand ein kleines Bad mit Haarewaschen ist auch herrlich. Nachts im Mondschein laufen wir zur schwankenden Brücke und genießen die Szenerie.

Am nächsten Morgen fängt es zu regnen an. Eine kleine Regenpause nutzen wir fürs Frühstück, danach wird der Regen heftiger. Die Tagesbesichtigung der Brücke entfällt, nur Marc und ich überqueren sie, um sie per GPS zu vermessen. 330 m Länge misst die Hängebrücke zwischen den beiden Betonsockeln.

Die Ortschaft Zambezi macht bei Regen einen reichlich trostlosen Eindruck. Als erstes steuern wir die Tankstelle an und haben Glück: es gibt Diesel und Benzin. Brot und gefrorene Hähnchen suchen wir vergeblich, mal wieder kaufen wir nur Tomaten und Zwiebeln.

Fähre bei ZambeziVor zwei Tagen hatte uns in Manyinga der Benzinverkäufer den Floh ins Ohr gesetzt, es bestünde die Möglichkeit, von Zambezi aus westlich des Sambesi in die Liuwa Plain zu gelangen. Es gäbe eine Fähre über den Lungwebungu und von dort kleine Sandwege bis in den Park. Wir diskutieren diese Möglichkeit und fragen schließlich beim “Department für Roads and Transport” nach, ob es diese Fähre denn gäbe. Aber ja doch, es wird uns auch der Weg bis dahin beschrieben. Wie es nach der Fähre weiter ginge, kann man uns aber nicht sagen, denn dies sei ja ein anderer Distrikt und gehöre somit nicht in ihren Zuständigkeitsbereich. Wir gehen davon aus, dass, wenn es irgendwo eine Auto-Fähre gibt, von dort auch Fahrspuren weiterführen. Es ist eine hochinteressante Gelegenheit, in einen uns bis dahin unbekannten Teil Sambias vorzustoßen. Wir haben genügend Sprit, sind alle motiviert und der Regen macht das Fahren im Tiefsand leichter.
 Also runter zur Zambezi-Fähre und auf in neue Regionen! Beinahe scheitern wir aber schon an der Fähre, denn der Motor ist regennass. Ein Probelauf und die Aussicht auf den Umsatz lässt die Zweifel des Fährmann schließlich schwinden und wir starten die Überfahrt. Der Motor dröhnt und stampft. Die direkte Linie kann der Fährmann wegen des niedrigen Wasserstands nicht ansteuern, es muss eine Sandbank umschifft werden. Wir hocken alle bei strömendem Regen in den Autos, während sich die Fähre langsam ans Westufer kämpft. Dort erleichtert eine betonierte Zufahrt, einzigartig in Sambia, die Fährabfahrt im Rückwärtsgang.

Da sind wir nun auf der sog. Westbank, die Piste ist frisch präpariert und vielversprechend, jedoch nur für 3 km. Schon beginnt der Tiefsand und die erste Brücke muss umfahren werden. Der Weg knickt nach Westen ab. Vor uns ist heute schon ein Fahrzeug gefahren, im nassen Sand sind die Spuren gut zu erkennen. Eine breite, tiefsandige Schneise durchzieht den Wald. Daneben, sich immer wieder kreuzend, führen weitere kurvige Pfade zwischen den Bäumen durch. Jeder Weg ist hier besser als die ursprüngliche, extrem sandige Piste. Wir folgen einfach der frischen Fahrspur. Da passiert's. Ich schätze die Höhe eines Astes falsch ein und schon kracht es und unser Dachzelt ist ramponiert. Regen, Tiefsand, kaputtes Dachzelt – das hebt die Stimmung! Missmutig fahren wir weiter, erreichen nach etwa 30 km eine offene, saftig grüne Plain mit winzigen Dörfern und enden vor einer eingefallenen Holzbrücke. Holzbrücke auf der WestbankSchulkinder und Hirtenbuben staksen über die Brücke, Fahrzeuge bezwingen sie aber schon lange nicht mehr. Gleich daneben sieht man die obligatorische Umfahrung durch den Fluss. Die Wassertiefe geht gerade noch. Schlimmer sind die dicken Holzprügel, die im trüben Wasser fast nicht zu sehen sind. Eine Durchfahrt wäre uns zu riskant. Ratlos machen wir erst mal einen kleinen Stehimbiss. Dabei kommen wir mit ein paar Jugendlichen ins Plaudern, die uns von einer nahegelegenen weiteren Furt erzählen. Die Stelle liegt zwar kaum 500 m entfernt, um dorthin zu gelangen, müssen wir aber querfeldein einen 3 km langen Bogen schlagen. Wir wollen uns die Furt unbedingt ansehen und bitten einen der jungen Männer, uns den Weg dorthin zu zeigen. Er traut sich nicht allein und so sitzen bald zwei junge Luvale mit im Auto. Sie dirigieren uns durch die Vorgärten verblüffter Menschen, über Rinderweiden und durchs enge Gebüsch. Und dann stehen wir wieder am Fluss und haben gerade mal 30 cm Wassertiefe zu bewältigen. Glück gehabt! Die Tour kann weitergehen!

Dafür werden nun die vielen Wegspuren immer konfuser und decken sich nicht mehr mit unseren Detailkarten. Immer wieder fragen wir nach dem Weg. Etwa 2 km nach der Furt hätten wir abbiegen sollen, finden den Weg aber nicht. Hier sind auch keine Dörfer mehr und niemand, den man fragen könnte. Wir drehen wieder um und finden im zweiten Anlauf eine kleine Wegspur, die zumindest in die richtige Richtung führt. Nach etwa 6 km endet der Wald und geht abrupt in eine weite Grasebene über. Die Sonne bricht durch die dicken Regenwolken und berührt die Ebene mit intensiven, warmen Strahlen. Auch der Tiefsand ist nicht mehr so dramatisch. Eine völlig verschlammte Schildkröte kreuzt unseren Weg. Wir duschen sie gründlich ab und setzen sie neben dem Weg wieder aus. An der ersten Weggabelung fahren wir intuitiv links, ebenso an der zweiten. Der Weg wird mickriger. Ein Fischer und ein paar Frauen stehen am Wegesrand. Wir sprechen sie an, aber sie verstehen kein Englisch. Letztendlich will uns der Mann den Weg zeigen. Kurz nachdem er zugestiegen ist, erreichen wir eine sumpfige Furt. Sie ist nicht tief, trotzdem bleibe ich mit dem Syncro stecken. Der Toyota zieht den Wagen mit der Seilwinde rückwärts raus, und beim zweiten Anlauf fahre ich problemlos durch. Es folgen gleich danach zwei weitere Furten, beide flach und unproblematisch. Die vierte ist tiefer und hat eine etwa 1 m hohe Böschung bei der Ausfahrt.

Matondo TransportUnd schon hängt der Syncro an der Böschung des mickrigen Litapi-Flusses fest! Eigentlich keine Grund um hängen zu bleiben, weder ist es sehr steil noch sehr schlammig. Es ist auch nicht die fehlende Traktion, die Probleme bereitet, sondern die durchrutschende Kupplung. Kein Kupplungsschaden, nur eine nasse Kupplung. Da steh ich nun, der Auspuff blubbernd unter Wasser, links und rechts hohes, undurchdringliches Riedgras. Keine Chance für den Toyota, am VW-Bus vorbei zu kommen. Rückwärts zu ziehen erscheint uns auch keine glückliche Lösung. Sofort bocken wir das Fahrzeug an einer Seite auf und legen einen Prügel aus unserem Feuerholzvorrat unter den Hinterreifen. Mit dem Hi-Jack wird auch die andere Seite angehoben, somit ist der Auspuff wieder über Wasser. Vorsichtshalber lassen wir den Motor weiterlaufen. Inzwischen sucht der Toyota nach einer Umfahrung, kommt aber unverrichteter Dinge wieder zurück. Die Situation gefällt mir nicht. Im Wasser stehen ist immer schlecht. Radlager und Antriebswellen können Wasser abbekommen, die Teile sind meist nicht 100% wasserdicht. Der VW-Originalwagenheber bricht bei der Aktion auseinander. Seit einer halben Stunde stecken wir nun im Wasser, der Motor ist durchgehend gelaufen. Wir vermuten, dass die Kupplung mittlerweile wieder trocken ist und lassen es auf einen Versuch ankommen. Vorsichtshalber schieben alle zusätzlich an. Ohne jegliche Schwierigkeit zieht der VW jetzt die Böschung hinauf. Wir sammeln unsere Hilfsmittel ein, reinigen uns notdürftig um möglichst schnell weiterzufahren, da der Tag sich dem Ende zu neigt. Einen Kilometer weiter, einfach irgendwo in der endlosen Weite, halten wir an. Der Tag war anstrengend, keiner hat jetzt noch Lust, groß zu kochen.

Landschaft bei MatondoCamping bei MatondoSackgasse am Lungwebungu

Der frühe Morgen ist spektakulär. Bei 98% Luftfeuchtigkeit liegt die ganze Umgebung im dichten Nebel, Tau bedeckt den Boden. Eifrig versuchen wir mit den Kameras die Stimmung einzufangen. Es dauert einige Zeit bis die Sonne den Nebel vertreibt und die Luftfeuchtigkeit sinkt.

Die feuchten Schlafsäcke werden zum Trocken ausgebreitet. Es scheint, die Schlechtwetterphase ist vorüber. Bei wunderbar klarem, blauen Himmel machen wir uns wieder auf den Weg. Die genaue Position der angepeilten Fähre kennen wir ja nicht, haben aber eine ungefähre Vorstellung, wo sie in etwa sein müsste. Unsere kaum noch erkennbare Wegspur trifft erwartungsgemäß auf eine deutlichere Spur, die, etwas vereinfacht ausgedrückt, mit etwa 3 km Abstand zum Fluss am Lungwebungu entlang führt. Wir folgen dem Weg in Richtung Westen und gelangen an einer Gabelung praktischerweise in ein Dorf, wo uns die richtige Abzweigung gewiesen wird. Unsere GPS-Peilung war gar nicht schlecht, wir können jetzt den Fluss sehen und nach einer kleinen Schleife führt unsere Spur direkt zur Matondo Fähre. Am anderen Ufer des breiten Flusses liegt sie, die unbekannte Fähre. Sie scheint intakt zu sein, Zug- und Führungsseil sind vorhanden. Zwei Fährleute ziehen die Fähre auch gleich zu uns herüber, etwas verdutzt über die Ankunft weißer Touristen. Das Gespräch mit den Fährleuten offenbart allerdings nichts Gutes. Es gibt am Südufer keine Piste, die in Richtung Lukulu führt, weil dort ein weiterer Fluss, der Lutembwe, nicht überquert werden kann. Die einzige weiterführende Fahrspur wendet sich in Richtung Angola. Wir sollen doch dorthin fahren und über Angola nach Süden bzw. Lukulu, schlagen sie vor. Nach ca. 40 km läge ein Dorf, wo man wisse, wie man den Lutembwe am Oberlauf umfährt. Es scheint aber nicht so ganz alltäglich zu sein. Sie vermuten, dass diese Umfahrung auf dem Staatsgebiet von Angola liegt. Es mag ja für Sambier ganz normal sein, so zu reisen, aber wir deutsche Touristen wollen eigentlich keinen unkalkulierbaren Ausflug nach Angola antreten.

Lungwebungu RiverLake MwangeWir machen das Beste aus der unbefriedigenden Situation und gehen erst mal Baden. Blauer Himmel, ein breiter Sandstrand, dazu klares, warmes Wasser und Sommertemperaturen – der Lungwebungu ist ein Paradies. Gerne würden wir länger bleiben, doch unser Zeitplan lässt das nicht zu. Nachdem wir jetzt doch umkehren und über Zambezi nach Lukulu fahren müssen, haben wir viel Wegstrecke vor uns.

Um nicht noch mal durch die vier Schlammfurten zu fahren, halten wir uns stärker nordwestlich. Der kritische Litapi-Flusslauf ist meist in Sichtweite. Und prompt bleibe ich wieder hängen, als wir einen kleinen Zulauf durchqueren, um die Brücke aus groben Holzstämmen zu meiden. Die Umfahrung ist eigentlich trocken, weit und breit ist kein Wasser in Sicht. Eine kleine Unachtsamkeit, die Kurve zu weit angefahren, und schon habe ich den Wagen in den feuchten Lehm gesetzt. Diesmal leistet die Seilwinde wieder schnelle Dienste.

Unser Weg führt genau in Richtung des Lake Mwange. Da wollte ich sowieso schon immer mal hin. Der See erweckt von Weitem den Eindruck eines bayrischen, von hohem Ufergras bewachsenen Moorweihers. Nahe seinen Ufern liegt ein größeres Dorf, in dem wir freundlich begrüßt werden. Man bietet uns Holzhocker zum Sitzen an. Die Menschen und ihre Behausungen wirken ärmlich. Dass wir nur Touristen sind, die ihre Gegend und den See mal kennenlernen möchten, klingt für die Luvale unglaublich komisch. Sie fragen immer wieder, ob wir nicht “Business men” oder “Missionaries” seien. Sie möchten uns unbedingt zu ihrem Chief in Chinyama schicken, weil er uns sicher gern sehen würde. Dass wir lieber direkt an den See gelangen möchten, ist ihnen dann auch recht und sie zeigen uns die Zufahrt. Zum Abschied übergeben wir einer alten Frau ein paar Kinderkleider und entbehrliches Gemüse.

Wir hatten vor, im See zu baden und eine Mittagsrast zu machen. Aber der See ist dann eher enttäuschend. Kaum Vögel zu entdecken und zum Baden ist er auch zu schlammig.

Einige Erwachsene und Kinder sind uns dorthin nachgelaufen und man deutet uns einen “Shortcut” zurück zur Hauptpiste. Es lässt sich erst gut an, dann kommt aber die kritische Stelle. Der Litapi – ja, der kleine Bach, in dem unser Auspuff schon 30 min. unter Wasser lag - der kommt hier aus dem See und bildet eine feuchte Sumpfsenke mit langen, im Wasser schwimmenden Gräsern. Es führen erkennbare Spuren durch den Schlick. Jedes Fahrzeug hatte sich wohl seine eigene Spur gesucht. Doch ist es ein Unterschied, ob ich mit einem leeren Hi Lux oder einem vollbepackten Landcruiser durchfahre. Marc möchte es gern versuchen, ich bin nicht scharf auf erneutes Steckenbleiben im Shortcut, wo es doch eine trockene Alternative gibt. Marc tastet sich im Landcruiser vorsichtig an die feuchte Stelle heran - und sitzt auch schon fest mit durchdrehenden Reifen. Diesmal zieht der Syncro den Cruiser aus dem Schlamassel. Wir nehmen also die normale Piste, auf der die feuchte Senke mit ein paar Wasserrohren entschärft wurde. Die Holzbrücke über den eigentlichen Flusslauf ist vollkommen zerstört, man fährt einfach direkt daneben vorbei, zumindest in dieser Jahreszeit, wenn das Wasser nur wenige Zentimeter hoch steht. Wir kommen relativ gut voran, die Piste ist nicht allzu tiefsandig. Die Umfahrung der nächsten Brücke kennen wir schon vom Vortag und Dank GPS finden wir sie auch wieder. Hier am Kashiji gibt es einige Ansiedlungen, da der Fluss ganzjährig Wasser liefert und weite, offene Grasflächen guten Weidegrund für die Kühe bilden. Hier bleiben wir über Nacht.

Litapi Rivergroße Lukulu FähreLukulu Fähre

Am anderen Morgen geht es auf der vom Hinweg bereits bekannten Tiefsandstrecke durch den Wald zurück nach Zambezi. Der Fährmann ist nicht weiter überrascht, hat er doch sowieso prophezeit, wir würden zurückkommen, weil es keine Piste nach Lukulu gäbe. Recht hat er gehabt. Drei Fähren haben wir uns für heute vorgenommen. Die erste haben wir passiert. Jetzt kurz tanken, ein paar Tomaten kaufen und auf zur Watopafähre. Die breite Piste dorthin ist hart, aber doch einigermaßen zügig zu befahren. Mittags überqueren wir den Kabompo, nachmittags erreichen wir die Sambesifähre bei Lukulu.

Der erste Anblick ist schockierend: Wie von einem Sturm ans Ufer geschleudert liegt die Fähre halb im Wasser, halb im Sand. Ich gebe aber gleich Entwarnung. Es gibt noch eine weitere kleine Fähre, die auch in Betrieb ist. Den Fährmann muss man aber erst bei der Missionsstaion suchen. Das übernimmt Marc und schon setzt der Toyota rückwärts auf den kurzen Ponton und tuckert langsam flussaufwärts. Die Eisenrampen sind nicht VW-Bus freundlich, die Seiten sind etwas zu hoch. Das wusste ich noch von meinem letzten Trip. Wir schaufeln deshalb Sand auf die Rampen, legen die Sandbleche darüber und erreichen damit die nötige Bodenfreiheit. Die Überfahrt bei Sonnenuntergang ist stimmungsvoll. Wir landen direkt an einer hohen Sanddüne an. Mit etwas Reifendruck ablassen und ein wenig Anschieben erklimmt auch der Syncro die Düne. Die Sonne steht schon sehr tief und wir wollen unbedingt noch baden. Also schlagen wir gleich am Westufer unser Lager auf, mit Blick auf Lukulu, dessen elektrische Lichter nachts ganz unwirklich erscheinen mitten im Busch. Es ist Freitag, Discomusik dringt bis zu uns herüber.

Ein kleiner Rückblick: Wir befinden uns nun ziemlich genau auf der Reiseroute von F. Fraser Darling, einem Naturwissenschaftler, der 1956/57 im Auftrag der britischen Kolonialmacht Forschungsreisen durch die Kolonie unternimmt. Er soll eine wissenschaftlich fundierte Einschätzung zum Naturschutz in der Kolonie, zur Bedrohung von Flora und Fauna und über das mögliche Potential wirtschaftlicher Nutzung derselben erarbeiten. Dazu bereist er monatelang ganz Sambia. Seine Aufzeichnungen belegen seine weitsichtige Wahrnehmung. Fraser Darling nimmt auch unbequeme Positionen ein, wenn es um Missstände und Versäumnisse geht.

Den Ort Zambezi, zu seiner Zeit noch “Balovale” genannt, erlebt er als einen “attractive place”, ehe er mit der Fähre auf die Westbank übersetzt. Er ist überrascht, als er in den weiten Grasebenen plötzlich einen See entdeckt, dem der Litapi River entströmt und der von dichtem Matete-Ried umschlossen ist. Der Empfang bei den Lovale, die in der Umgebung des (Mwange-) Sees ansässig sind, schildert er sehr positiv: Würdevoll und gastfreundlich, in ihrer Abgeschiedenheit dem Fremden gegenüber neugierig aufgeschlossen. Chief Chinyama Litapi zeigte sich erfreut über den Besuch Fraser Darlings. Er wollte bereits 1956 Europäer animieren, hier zu siedeln, weil er sich davon Fortschritt für sein Volk versprach. Die weißen Siedler blieben dem freundlichen Chief versagt. Die Randlage seines Herrschaftsraums hat die Lovale aber dafür auch vor vielen, eine traditionelle Gesellschaft bedrohenden Einflüssen verschont.

Fraser Darlings Weg führte ihn vom Lake Mwange an den Lungwebungu. Unterwegs berichtet er von Tsessebe und Steinantilopen. Als er dann am Lungwebungu steht, gerät der Wissenschaftler ins Schwärmen: Der “brilliant white sand beach” begeistert den Mann ebenso, wie der Vogelreichtum und die Fischer, die mit langen Stecken ihre schlanken Kanus über den Fluss führen. Er, der neben Sambia auch Tansania, Kenya und Uganda bestens kennt, lässt sich hinreißen zu der Bemerkung “one of the fairest prospects I had seen in Africa”

Quer durch den Liuwa Plains Nationalpark

Westbank SambiaGleich nach dem Start am nächsten Morgen die erste Entscheidung an der ersten Gabelung: links oder rechts? Wir fahren rechts, fragen die nächsten Fußgänger, und müssen doch links fahren. Der Weg führt über festen Lehm durch eine offene Palmenflutebene, immer entlang kleiner, klarer Fischponds. Anfangs kommen uns Fußgänger entgegen, viele haben Fisch dabei für den Markt in Lukulu. Wir kaufen ihnen ein paar frische Fische fürs Abendessen ab. Immer wieder stehen wir vor der Entscheidung: links oder rechts lang? GPS und Detailkarte helfen, und jede Gelegenheit, Einheimische zu fragen, nutzen wir auch. Die Landschaft ist traumhaft, dazu strahlend blauer Himmel und kein Tiefsand. Ich registriere, dass wir diesmal eine andere Strecke befahren als bei meinem letzten Besuch. Aber sie ist besser und landschaftlich reizvoller. Sie hat aber auch einen Haken: Wir müssen einen kleinen Pond durchfahren und später noch durch eine schlammige Senke. So etwas hält die Spannung aufrecht... Wir stoßen schließlich auf die Muyondoti-Piste und sind wieder auf der mir bekannten Strecke. In einem Dorf entdecken wir unter einer offene Hütte ein riesiges Musikinstrument. Wir halten, die Marimba wird ins Freie geschleppt und wir genießen eine Kostprobe spontaner sambischer Lebensfreude mit Musizieren, Singen und Tanzen.

MarimbaDas nächste Hindernis bildet der Luambimba mit seinen sumpfigen Senken und kleinen Ponds. Bei Namankandu weist man uns den linken Weg, der rechte sei zu sumpfig. Auch die linke Spur hat eine Furt durch mehrere flache Tümpel, ist aber nicht allzu schwierig. Über die weite Flutebene steuern wir auf Kuli zu. In der Ferne sehen wir an einer Böschung Dörfer und Mangobäume. Dies ist der westliche Rand der Sambesiflutgebiete. Vor der Kuli School halten wir an, unterhalten uns mit dem Lehrer und lassen uns den weiteren Weg beschreiben.

Am Nachmittag erreichen wir den Liuwa Plain Nationalpark. Weit und breit sind erst Mal keine Gnus zu sehen. Ich bin enttäuscht, fast schon entsetzt, hatten wir doch beim letzten Besuch hier massenhaft Gnus beobachten können. Wir fahren nördlich, und schon bald tauchen die ersten Gnus auf. Immer mehr sind jetzt zu sehen. Locker verteilt, keine geschlossenen Herden, dazwischen viele Kronenkraniche. Etwa 15 km fahren wir so nach Norden. Es gibt keine festen Pisten, wir folgen einfach den wenigen vorhandenen Spuren. An einem kleinen Wäldchen schlagen wir unser Lager auf. Gewitter ziehen durch die Gegend, es donnert imposant und blitzt, aber unser idyllischer Nachtplatz bleibt im Trocknen. Der Fisch stinkt mittlerweile gewaltig, wir legen ihn trotzdem auf den Grill, aber nach einer kleinen Kostprobe wird er schnell entsorgt. Es gibt statt dessen Reis-Thunfischsalat und Schokopudding mit Vanillesoße.

Camping in den Liuwa PlainsAm nächsten Morgen habe ich leichtes Fieber, schon seit einigen Tagen kämpfe ich gegen eine Bronchitis an. Ich ruhe mich vormittags aus, Sonja und Ilona bleiben auch zurück. Die Toyotacrew geht inzwischen allein auf Pirschfahrt. Und kommt nicht wieder. Selbst um 13 Uhr sind sie noch nicht zurück. Nun ist guter Rat teuer. Haben sie sich verfahren oder ein Autoproblem? Um 13.30 Uhr machen wir uns auf, sie zu suchen, ohne klare Vorstellung, wie wir das eigentlich anstellen sollen. Die Hitze lässt die Luft flimmern, man sieht höchstens zwei Kilometer weit. Wir haben keine Ahnung, wohin sich die vier aufgemacht haben, sie könnten in jeder Himmelsrichtung stecken.
Als wir gerade ins Auto einsteigen, hören wir einen kleinen Pfiff: Marc und Uli kommen auf uns zu gelaufen, von Kopf bis Fuß verschlammt, das GPS-Gerät und zwei Wasserflaschen in den Händen. Sechs Kilometer sind die beiden durch die Mittagshitze marschiert. Was war passiert? Der Toyota ist bei der eiligen Verfolgung einer Hyäne rückwärts ins einzige Schlammloch im Umkreis von 10 km geraten. Die Winde war nutzlos, weil weit und breit kein Baum zum Ansetzen vorhanden. Mit Hi-Jack und Holzbrettern ist es ihnen nicht gelungen, den schweren Landcruiser aus dem Schlammloch zu befreien. Schließlich wurde entschieden, dass Ute und Gunther am Wagen bleiben, während Ulli und Marc auf größere Walking Safari gehen... Wir sind heilfroh, dass uns die beiden gerade noch rechtzeitig erwischt haben, ehe wir selbst auf Suchaktion losgezogen wären. Wir peilen nun gemeinsam die Vermissten an. Erst 300 m vor der Senke können wir den Toyota erkennen, den hätten wir alleine nie gefunden. Der VW-Bus dient jetzt als Ankerpunkt, und der Toyota windet sich im Zeitlupentempo selbst aus dem Dreck.

Unser Tagesablauf ist durch dieses Intermezzo etwas durcheinander geraten. Mittagessen entfällt, stattdessen versuchen wir zum westlichen Parkausgang zu gelangen. Wir durchfahren eine baumlose Ebene mit einigen kleineren und größeren Wassertümpeln. In einem dieser Ponds entdecken wir Hyänen. Zu fünft liegen sie im Flachwasser; eine bewacht die Überreste eines Gnus. Wie Hunde liegen sie da; die Schnauze auf die Vorderpfoten gebettet, und schauen lässig zu uns hinüber. So nach und nach fahren wir immer näher an die Tiere heran, überrascht, wie wenig scheu sie sind. Erst spät wird es der nächstliegenden Hyäne zu dumm, sie packt ihre Gnu-Überreste und verzieht sich ein paar Meter weiter in den flachen Tümpel hinein.

Hyäne1Hyäne2

 
Ein schöner Abschluss für uns, dann geht es zügig zum Parkausgang, wo wir auf ein Scout Camp und die tiefsandige Piste nach Kalabo treffen. Kalabo erreichen wir heute nicht mehr, übernachten kurz vorher am Wegesrand.

Im Barotseland und Kafue-Schwemmgebiet

Der alte Ponton in Kalabo wurde durch einen anderen alten Ponton ersetzt. Wir setzen problemlos über. Das Nationalparkbüro liegt gleich nach der Fähre. Wir zahlen hier nachträglich unseren Eintritt, der sich gegenüber der offiziellen Ausschreibung verdoppelt hat. Aber die Verwaltung hat jetzt die Organisation African Parks übernommen, und die ist nicht zimperlich bei den Preisen. Dann kommt auch noch der Fährmann in das Büro. Ich müsste pro Fahrzeug 40000 Kwacha (ca. 8 USD) für die Überfahrt bezahlen. Die Gemeindeverwaltung habe dies so festgelegt. Bisher war die Fähre gratis, jetzt zahlt man einen unverhältnismäßigen Betrag für 15 m Fährweg. Jeder will hier von den Touristen profitieren.

Kalabo MonguDer neue Kalabo-Mongu-Highway beginnt vielversprechend. Er verläuft die ersten 20 km am westlichen Hochufer der Flutebene, knickt dann nach Osten ab und führt auf einem aufgeschütteten Sanddamm über die Flutebene zum Sambesi. So die Theorie. De facto hat die Straße nicht mal die erste Regenzeit überstanden. Der Sanddamm ist den Fluten des Sambesi nicht gewachsen und weitestgehend schon wieder zerstört. Das Fahren auf dem beschädigten Damm mit tiefen Auswaschungen und Furchen wird uns bald zu blöd, wir verlassen den Damm und fahren auf der alten Piste zum Sambesi. Dieser neue Damm hat die Naturlandschaft völlig verunstaltet. Wasserrohre und Eisengeflechte wurden wieder freigelegt, ganze Teilstrecken sind weggespült worden und bieten jetzt Tiefsandabenteuer. Die Straßenbauplaner hatten durch die riesigen Sambesiflutzonen wirklich nur einen Sanddamm anvisiert, das konnte nicht funktionieren. Das ausführende Bauunternehmen hat entnervt aufgegeben, das Parlament in Lusaka diskutiert nun über die weitere Vorgehensweise.

Die Motorfähre über den Sambesi kostet 55000 Kwacha (ca. 12 USD) und kann drei Fahrzeuge fassen. Die vormals interessante Fahrt über die Flutebene wird jetzt immer wieder gekreuzt von den Überresten des neuen Dammes. Es ist ein Jammer. Ab Lealui fährt man wieder überwiegend auf dem neuen Damm, aber auch hier sind ganze Teilstücke weg gespült. Mongu ist für uns eine gute Versorgungsstation. Nach dem Besuch beim Shoprite und der Tankstelle geht es gleich weiter auf der Teerstraße in Richtung Kaoma. Nach einer Weile weichen die Sumpfebenen und Grasflächen zurück, in den Waldabschnitten entdecken wir Cashewbäume. Die Bewaldung nimmt zu, die Fahrt bleibt einsam und ereignisarm. Anscheinend wir hier intensiv Holzeinschlag betrieben, denn immer wieder liegen riesige Holzstämme zur Abholung am Straßenrand. Es wird nicht leicht, einen geeigneten Schlafplatz zu finden, wir werden an der Abzweigung nach Luampe aber fündig.

Dann ist wieder viel Fahrerei angesagt. Zumindest Itezhi-Tezhi wollen wir heute erreichen. Das schaffen wir locker, auch wenn die Piste eher schlecht ist. Der Campingplatz in Itezhi-Tezhi kann uns nicht begeistern, zu sehr sind wir jetzt an Wildübernachtungen gewöhnt. Wir entschließen uns zur Weiterfahrt. Der späte Nachmittag ist gerade die richtige Tageszeit, um über die Ausläufer der Kafue Flats nach Namwala zu fahren. So verbringen wir eine stimmungsvolle Nacht am Rande der Kafueflutebene. Am nächsten Morgen bekommen wir Besuch von “Miss Beauty” und ihrem kleinen Bruder. Sie ist stolze 18 Jahre jung, besitzt ein Kofferradio, ist chic gekleidet und geschminkt. Beauty muss nicht arbeiten, das macht ihre Mutter für sie. Ich hätte nicht gedacht, dass es auch mitten im sambischen Busch so verwöhnte Töchter gibt.

Namwala1Namwala2Namwala

Als Schlussetappe wählten wir die Strecke von letztem Jahr (siehe Bericht: Auf den Spuren von Emil Holub). Diesmal sollte es ja einfacher sein. Der Fährmann an der Namwala-Kafue-Fähre kennt mich mittlerweile. Trotz unseres Disputs im letzten Jahr sind wir fast schon gute Freunde und er begrüßt uns freundlich. Die Ananas aus Mwinilunga, die wir ihm schenken, bringt ihn fast aus der Fassung. Er weiß, was das ist, hat aber noch nie eine probiert.

Meinen ersten GPS-Punkt auf der “Emil-Holub-Strecke” verpasse ich um 400 Meter. Offensichtlich gibt es mehrere Spuren zum gewünschten Zielpunkt. Bei Banamwanze stoßen wir wieder auf die etwas südlich verlaufende Piste vom letzten Jahr. Die Weiterfahrt durch den Ort ist etwas kompliziert, klappt aber auf Anhieb. Auch die direkte Verbindung nach Muwezwa finden wir Dank der letztjährigen Recherche. Den Abstecher zum Kafue lassen wir uns nicht entgehen, der anschließende Weg ist wieder neu für uns. Diesmal fahren wir auf direkter Linie nach Namukumbo, wo wir auf die RD183 stoßen. Damit ist unser Westsambia-Abenteuer so ziemlich am Ende. Doch so recht will keiner zurück nach Lusaka. Kurzerhand wird noch eine Nacht im Blue Lagoon Nationalpark eingeschoben. Da stehen wir ganz einsam am Ende des Fahrdamms bei einer Aussichtsplattform. Unsere letzte Nacht in der Wildnis. In der Ferne Hunderte, wenn nicht Tausende Kafue-Lechwe. Wasservögel. Keine Zivilisationsgeräusche.

Bei der Ausfahrt aus dem Park trifft uns nochmals die geballte Bürokratie der ZAWA. Obwohl bei der Parkeinfahrt das Gate unbesetzt war, hat man natürlich mitbekommen, dass Besucher da sind. Und so werden wir beim alten Farmhaus, wo wir auch die Campinggebühren bezahlen müssen, erwartet. Zwei Mann mit Eintrittsformularen und Quittungen. Ganze 40 Minuten dauert es, bis sie den Papierkram erledigt haben. Wie gut, dass wir immer noch keine Eile haben, nach Lusaka zurückzukommen...

Lundakinder

ENDE!

 

Impressum
Ilona Hupe Verlag, Ilona Hupe, Volkartstr. 2,
80634 München, Deutschland
Tel. +49-89-16783783 Fax 1684474, Email info@hupeverlag.de
Ust-IdNr: DE 179348838