Bild_Layout_oben

Willkommen beim Ilona Hupe Verlag

Der Spezialist für Afrika


So richtig wild: der Norden Mosambiks
Ein Reisebericht von Manfred Vachal


Mosambik im Jahr 2000: Unsere erste Expedition in den Norden

Unser Expeditionsziel ist der Fluss Rovuma im Niassa Game Reserve an der Grenze zu Tansania.
Es wird eine Reise ins Ungewisse.
Niemand aus unserem Afrika-Bekanntenkreis war bis dort hin vorgedrungen, obwohl es einige versucht hatten.
Als Landkarten haben wir die russische Detailkarte 1:100 000 und Ravenstein 1:2 000 000,
wobei sich beide als wenig hilfreich erwiesen.

Nordmosambik

Start ist diesmal Ende Oktober in Lilongwe. Es ist das eingespielte Team: Ilona, Manfred, Jürgen und Hilda. Als Fahrzeuge vertrauen wir wieder auf den mittlerweile berühmten roten Toyota BJ45 und unseren geliebten VW-Bus Synchro. Dass die Regenzeit bereits angebrochen ist, müssen wir schon am zweiten Abend hautnah erfahren. In Mangochi schüttet und gewittert es bis weit nach Mitternacht.
Wir lassen uns nicht abschrecken und fahren planmäßig am nächsten Tag weiter. Beide Fahrzeuge voll beladen: Lebensmittel für drei Wochen, Sprit für 1400 km und alle Wasservorräte aufgefüllt. Die Fahrt nach Chiponde bietet einen Vorgeschmack auf die Pisten Mosambiks: stark ausgewaschen steigt die seit Jahren nicht mehr reparierte Spur vom See auf das Bergplateau an. Freundliche Grenzbeamte verabschieden uns aus Malawi ins Ungewisse. Ein paar Kilometer weiter erreichen wir in Mandimba die mosambikanische Grenzstation. Welch ein Unterschied zu Malawi: dort quirliges Leben mit Verkaufsständen, Händlern, Fahrradfahrern und Herumlungernden; hier gerade mal zwei Beamte und vier junge Geldwechsler. Den trübseligen Eindruck verstärkt auch noch einsetzender kühler Nieselregen. Ilona als unsere Sprachexpertin muss weitestgehend die Grenzformalitäten abwickeln und ihr Portugiesisch ist gut genug um eine wunderliche Preissteigerung für die Einreisegebühr abzuwehren. Wie so häufig in Afrika meint man auch hier, dass Touristen ruhig etwas mehr bezahlen können. Die Straße nach Lichinga ist frisch gegraded und führt praktisch durch ein unendliches Reihendorf. Heimkehrende Kriegsflüchtlinge haben sich links und rechts der Piste angesiedelt. Jenseits der Dörfer hat sich in der hügeligen Landschaft zunächst noch etwas Wald erhalten. 40 km vor Lichinga beginnt jedoch der Kahlschlag. Da wir auf der Piste zügig voran kommen, beschließen wir erst hinter Lichinga zu campieren. Doch mitten in Niassas Provinzhauptstadt entdecken wir unerwarteterweise ein Hinweisschild: Complexo Touristico. In einer ruhigen Lichtung inmitten eines angelegten Nadelwalds gelegen entpuppt sich die Anlage als eine Art Farmcamping. Zwei weiße Familien betreiben Viehwirtschaft und verdienen sich mit Campingplatz, Chalets und Restaurant noch ein paar Dollar hinzu. Es ist wirklich idyllisch. Die riesige Lichtung im Wald bietet Platz für Schweine, Ziegen, Rinder und Geflügel. Die Sanitäreinrichtungen könnten noch etwas verbessert werden. Dusche und Latrine zusammen auf engstem Raum sind wir nicht gewöhnt. Mit selbst gemachtem Ziegenkäse aus dem Farmladen geht es am nächsten Morgen weiter in Richtung Metangula.
Lago Niassa / NyassaseeZuerst auf gutem Teer und später auf wunderbarer Piste durch bergige Landschaft mit viel Wald und sauberen, fast akkurat angeordneten Dörfern. Die Strecke ist 20 km kürzer als auf der Karte ausgewiesen, da zum Ende hin der Streckenverlauf abgekürzt wurde. Metangula ist nicht weiter interessant, erst 5 km weiter in Chuwanga erwartet uns ein wunderbarer Strand, wo wir die Mittagszeit verbringen, bevor wir uns nachmittags wieder auf Achse begeben, um noch Cobué zu erreichen. Zuvor besichtigen wir eine naheliegende Missionsstation. In Kürze sind wir von Kindern umringt und als wir sie in der Kirche mit Blitzlicht fotografieren, erschallt ohrenbetäubenden Geschrei, dass selbst die im Gebälk sitzenden Eulen Reißaus nehmen. Überhaupt sind alle in dieser Gegend sehr fotografierfreudig, aber das Höchste für die Kinder ist das Blitzlicht. Die sehr gute Piste nach Cobué macht richtig Spaß: aufgeräumte Dörfer mit vielen Mangobäumen, einfache Holz- oder Stahlblechbrücken, grandiose Landschaft und freundlich winkende Menschen.

CobueKampf nach Cobué
Doch irgendwann ist Schluss mit flott fahren. Keine Dörfer mehr, nur noch einsame Landschaft, die Piste gerade noch passabel. In der Hoffnung, die Nacht an einem schönen Sandstrand verbringen zu können, begehen wir den Fehler, nicht rechtzeitig vor Sonnenuntergang einen Schlafplatz zu suchen. Und es ist ja nicht mehr weit... Doch die letzten 10 km sind auch bei Tageslicht eine Strafe und wir sind so blöd und fahren sie nachts. 10 km können sehr lang sein, vor allem wenn man alle paar Hundert Meter auf steiler, steiniger Piste immer wieder das selbe Bachbett zu durchqueren hat. In den Bambuswäldern schlagen die direkt neben der Fahrspur wachsenden Stangen laut an die Fahrzeuge und werfen düstere Schatten im Lichtkegel. Viel befahren ist der Weg beileibe nicht. Abgekämpft erreichen wir Cobué in tiefer Dunkelheit. Natürlich erwartet man uns schon (!) und leitet uns auf das Grundstück des Resthouses. Alles viel zu eng für zwei Fahrzeuge und zudem unendlich viele Mücken. Wir suchen das in den Reiseführern beschriebene “Basic Campsite on the Beach” in dieser “attractive little town”. Weder gibt’s einen vernünftigen Beach noch ein Campsite. Um wenigstens den Mücken zu entkommen fahren wir wieder ein Stück zurück und übernachten am Ortsrand neben einem Verwaltungsgebäude unter Mangobäumen. Sogar einen Watchman haben wir. Der ist allerdings eher lästig, da er ein aufdringliches Transistorradio hat und nicht begreifen will, dass wir eine stille Nacht bevorzugen würden. Ideal ist der Platz wirklich nicht, da am Morgen viele Schulkinder an uns vorbei müssen. Und die kichern, pfeifen und schreien und einer muss dringend sein Messer an einem Betonklotz schärfen. Doch plötzlich sind alle verschwunden: Schulbeginn. Wir suchen nun bei Tageslicht den Strand, das Hotel und den Campingplatz. Fehlanzeige: Die im Buch gemeinte Stelle liegt 15 km entfernt und ist nur per – nicht vorhandenem - Boot erreichbar. Um auf die nahe malawische Insel Likoma zu gelangen, müssten wir ebenfalls unbestimmte Tage auf eine Transportmöglichkeit warten und so beschließen wir, wieder zurück nach Chuwanga zu fahren. Auch bei Tageslicht ist die gestrige Gesteinsstrecke nicht einfacher zu befahren, aber morgens hat man noch bessere Nerven.

MetangulaErholung am Lago Niassa
Wir genießen Chuwanga. Ein weitläufiger Sandstrand mit dahinter liegendem Dorf unter Mango- und Baobabbäumen. Fischer verteilen ihren frischen Fang, andere sitzen im Sand und flicken Netze. Frauen und Kinder baden und waschen ihre Kleider. Überhaupt scheint hier Wäschewaschen und Baden die Lieblingsbeschäftigung zu jeder Tageszeit zu sein. Farbenfroh gekleidete junge Mädchen strahlen kokett die fremden Besucher an. Das Äußere spielt eine große Rolle. Ohrringe und Halsketten gehören einfach dazu, selbst wenn manchmal auch nur eine Sicherheitsnadel im Ohr steckt. Und fotografiert zu werden ist das Höchste. Wir sind natürlich immer von einer Gruppe Jungs belagert, doch halten sie einen geziemenden Abstand. Am Strand gibt es eine Bar und ein paar einfache Unterkünfte. Genug für eine Gruppe Einheimischer, hier ein Meeting abzuhalten und die ganze Nacht durchzufeiern. Am nächsten Tag sollen wir an der Bar 3 US$ pro Zelt fürs Wildcampen bezahlen. An wen und warum ist uns nicht ganz klar. Wir reklamieren und man ist dann auch mit 3 US$ für alle zusammen zufrieden.

 

Im Schneckentempo durch die Wildnis

Wir treffen auf Landsleute
Zurück in Lichinga wollen wir Geld auf der Bank wechseln. Nicht möglich bei Stromausfall, und Lichinga hat oft nur 1 bis 2 Stunden Strom am Tag. Wir verschieben das Geldwechseln also und besuchen einen deutschen Entwicklungshelfer, um vielleicht an ein paar Infos zu kommen, wie z. B.: Gefrorenes Rindfleisch gibt es gelegentlich im Laden gegenüber der Tankstelle; Geld tauschen alle auf der Straße gleich beim Markt und zwar nur Dollar; DM nimmt auch die Bank nicht; die Brücke über den Luambala ist zerstört, aber man kann die Furt benutzen etc... Wir tauschen unsere US$ dann ganz konspirativ in der verräucherten Mini-Restaurant-Küche des zweiten in Lichinga ansässigen Deutschen. Infos hat er keine. Er ist ja auch erst drei Jahre hier und “im Umkreis von 100 km gibt es sowieso nur Schlangen und Affen”, und eine Teerstraße gibt es ganz bestimmt nicht, und dass wir als Touristen freiwillig hier sind, das kann er ganz und gar nicht fassen. “Was wollt ihr eigentlich hier” fragt er uns mindestens zweimal. Danach wollen wir tanken, was aber nicht geht, weil noch immer kein Strom da ist. Also Mittagspause im Nadelwald, bis es zu schütten anfängt. Zurück in der Stadt gibt es tatsächlich wieder Strom, aber die erste Tankstelle hat kein Benzin. Die zweite hat Sprit ohne Dach und trotz tropischem Regenguss betanken wir unsere Fahrzeuge. Man weiß ja nie, wie lange es Strom gibt. Es ist drei Uhr nachmittags, feucht, kalt und ungemütlich. Also fahren wir noch weiter, vielleicht wird es im Osten ja besser.

LuambalaAuf nach Osten
Nach 40 km enden die Dörfer und der Kahlschlag. Es wird sehr einsam und man genießt einen weiten Blick auf die unendlichen Wälder. Die neue Teerstraße ist derzeit noch sinnlos weil sie nach 70 km irgendwo in der Einsamkeit aufhört. Nur mit Allradfahrzeugen ist es möglich, während der Trockenzeit weiter nach Marrupa zu fahren. Wir folgen der anfangs noch guten Piste etliche Kilometer. Einen Schlafplatz zu finden, erweist sich allerdings als fast unmöglich. Links Wald, rechts Wald, Tsetsefliegen und Kriebelmücken. Ein kleines Dorf mit winzigem Fußballplatz neben der Piste genügt unseren Ansprüchen. Wir kochen einen Extratopf für die Dorfkinder und genießen diese erste Dorfnacht.
Gespannt nähern wir uns dem Luambala. Unser VW-Bus verträgt keine allzu tiefen Wasserdurchfahrten und so sind wir erleichtert, als sich die Furt zu dieser Jahreszeit als Kinderspiel entpuppt. Zwei Kilometer nach der Furt teilt sich die Piste. Die gute führt geradeaus und unsere nach links. Schlagartig verschlechtert sich der Zustand, aber immerhin ist die Spur eines vor uns fahrenden Autos erkennbar und alle Brücken sind ausgebessert. Man kann also fahren, wenn auch nur mühsam. Hügel rauf, Hügel runter. Alle Steigungen stark ausgewaschen und mit tiefen Furchen. Die meisten Brücken bestehen nur aus unbehauenen Holzstämmen mit viel Luft zwischen den einzelnen Stämmen. Da muss man genau Maß nehmen, um nicht abzurutschen. Die Distanz zwischen den kleinen Dörfer beträgt durchaus auch mal 30 km, und nicht jedes Dorf eignet sich zum Übernachten. Die Hütten stehen mitten in den Casava-Feldern am Hang, größere freie Flächen sind rar. Es ist also ratsam, relativ früh mit der Schlafplatzsuche zu beginnen. Auch heute ist ein Fußballplatz wieder die ideale Stelle. Wir erkundigen uns nach Wildtieren und natürlich gibt es überall Elefanten und Löwen und viele andere Tiere. Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich, hier Wildtiere zu entdecken. Zu dicht ist der Wald. Nur einmal sehen wir Elefantendung. Der nächste Tag geht weiter, wie der vorige geendet hat. Hügel rauf – Hügel runter, dazwischen gelegentlich eine Umleitung über Felder weil die Piste beim besten Willen nicht mehr zu befahren ist. Durchschnittsgeschwindigkeit 20 km/h.
 Nordmosambik
MarrupaEndlich in Marrupa
In Marrupa wundert man sich, dass wir von Westen kommen. Das geht nämlich gar nicht, meinen die Leute. Alle von Lichinga kommenden Fahrzeuge wählen die Strecke Mandimba – Cuamba – Marrupa. Nur ahnungslose Touristen fahren die direkte Linie. Am Straßenrand ist ein Minenräumungscamp, das Areal um die Garnison ist mit weiß bestrichenen Pflöcken abgesteckt. Wir erkundigen uns nach der Minengefahr auf unserer weiteren Strecke. Man kann uns beruhigen: Keine Minen. Auf dem Markt gibt es Benzin und Diesel in kleinen 0,3 l Bierflaschen, insgesamt würden die Händler 5 Liter zusammen bekommen. Autos gibt es hier sowieso keine, nur ein Traktor rattert durch die breiten Straßen. Wir verzichten auf eine Shoppingtour und verlassen den Ort in Richtung Norden. Weit fahren wir nicht mehr an diesem Tag. Die Piste wird noch schlechter und wir sind ernsthaft am Überlegen, ob wir überhaupt weiterfahren sollen. Früh suchen wir uns ein Dorf zum Übernachten um unsere angespannten Nerven etwas zu beruhigen. Wir mögen ja schlechte Pisten, aber irgendwann wird’s einfach nervig (vor allem, wenn man die Piste auch wieder zurück fahren muss). Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist nur noch 15 km/h. Immer wenn wir jemanden nach dem Zustand der Piste fragen, heißt es, sie wird bald besser. Aber was wissen schon Fahrradfahrer und Fußgänger von den Nöten eines Autofahrers? Sie machen sich einfach eigene kleine Pfade um die schlechtesten Stellen. Nordmosambik
Die friedliche Nacht und ein gemütliches Frühstück haben uns gut getan und so machen wir uns wieder auf den Weg Richtung Mecula, doch eine Besserung der Piste ist nicht in Sicht. In mir reift der Entschluss, am Lugenda umzudrehen und unser Ziel Rio Rovuma aufzugeben, denn schließlich müssen wir ja auf dem Rückweg alles noch einmal ertragen. Doch unsere Hoffnung erweist sich als richtig: Nach den letzten in der Karte verzeichneten Bergen gelangen wir in flacheres Gebiet und damit bessert sich endlich auch die Piste. Wir nähern uns dem Lugenda. Neben uns verlaufen zwei eigenartige Drähte in Überkopfhöhe. Wir halten und fragen ein paar Fußgänger. Die Drähte sollen Elefanten vom Dorf fernhalten. Dort, wo am Dorfbeginn die Drähte die Piste kreuzen, befindet sich eine Art Holztor mit herabhängenden Drähten, die wir erst erkennen, als sie gegen unsere Windschutzscheibe klatschen. Am Ende des Dorfes das gleiche noch einmal. Wieder fahren wir zu schnell durch die Drähte. Nur noch zwei Kilometer bis zum ersehnten Fluss. “Tembo, Tembo” rufen die Frauen am Wegesrand aufgeregt. Und da haben wir sie auch schon entdeckt. Zwei junge Elefanten kommen vom Fluss herauf und entschwinden gleich wieder im Busch.

 

Ziel erreicht: Niassa Game Reserve
Die Brücke über den Fluss ist tatsächlich 400 m lang und bietet einen fantastischen Ausblick über die Flusslandschaft und eigenwillige Ferlsendome. 200 m nach der Brücke liegt das Eingangsgate zum Niassa-Game-Reserve. Wir fahren sogleich vor, um Erkundigungen einzuholen. Was wir erfahren, klingt glücklicherweise sehr ermutigend. Die Pisten im Park gelten alle als gut. Eintritt ist nicht zu bezahlen, man kann aber einen Führer mitnehmen. Die Scouts sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Sie gehen mit uns zurück zum Fluss, um uns eine sichere Badestelle zu zeigen, da im Brückenbereich noch einige Minen liegen. Wir baden im warmen Fluss und genießen die grandiose Landschaft. Am liebsten würden wir hier bleiben, es gibt jedoch keinen geeigneten Übernachtungsplatz, und so fahren wir noch spät nachmittags in den Park. Wieder passieren wir ein Dorf mit Elefantenzaun. Erst nach 8 km verlassen wir den mit Elektrozaun umfassten Bereich. 680 000 Volt sind nötig, um die Elefanten abzuschrecken. Es gibt mehrere eingezäunte Dörfer im Park; man will hier beweisen, dass ein Miteinander von Mensch und Tier möglich ist. Übernachtet wird diesmal an einer Weggabelung direkt neben der Piste. Obwohl wir kurz zuvor jede Menge Elefantenspuren sahen, hören wir nachts keinerlei Tiergeräusche. Natürlich wüteten auch in diesem Park die typischen Schwelbrände, die sich langsam durch den Busch fressen und eine trostlose Landschaft hinterlassen. Daran haben wir uns irgendwie schon gewöhnt. Anderntags gelangen wir mitten in der Wildnis zu ein paar Gebäuden neben einer Landepiste und fragen die Mechaniker nach dem Weg. Sie schicken uns erst einmal zum Direktor im nahegelegenen Maputo Camp. Das Camp liegt an einem kleinen Bach und macht einen gepflegten Eindruck. Wir glauben auf einer Lodge oder in einem Jagdcamp zu sein, dabei ist es das Management Camp des Tusk Trust. Der Direktor, ein gut gekleideter und gebildeter, hellhäutiger Mosambikaner, spricht bestes Englisch und so erfahren wir allerlei über den Park. Man kann hier mit Touristen nicht so recht etwas anfangen; es gibt keine Campingplätze und auch keine Lodges. Natürlich gibt es allerlei Pläne für die Zukunft, doch bisher sind die wenigen Besucher auf sich selbst gestellt und sollten einige Buscherfahrung mitbringen. Auf Grund der Hinweise des Direktors ändern wir unser Vorhaben nach Candulo zu fahren und nehmen statt dessen eine frisch reanimierte Piste zum Camp Nyati am Rio Rovuma. Die Fahrt ist wenig aufregend. Besonders in den Abschnitten mit Bambuswäldern fallen die Tstsefliegen über uns her und einige Passagen führen über von Elefanten zertrampelte, trockene Sümpfe. Jeder Afrikakenner weiß, wie unangenehm es sich über die eingetrockneten Fußabdrücke von Elefanten fährt. Trotz der Abgeschiedenheit begegnen wir immer wieder Fußgängern und Radfahrern, die über die “grüne Grenze” nach Tansania wollen.
MosambikBaden zwischen Krokodilen
Laut GPS müssten wir längst in Tansania sein und noch immer ist der Rio Rovuma nicht in Sicht! Wir durchfahren noch das tiefe Flussbett des Chiolezi und dann kommen uns auch schon die Scouts vom Nyati Camp entgegen gelaufen. Begeistert werden wir begrüßt und unsere Ankunft per Funk ins Maputo Camp gemeldet. Spätestens jetzt weiß jeder Posten in diesem riesigen Park, dass wieder einmal Touristen unterwegs sind. Schnellstmöglich wollen wir zum Fluss um zu Baden, doch hier ist nur ein kleiner Tümpel, wo ein Wildhüter seine Kleidung wäscht. Dies ist nichts für uns. Um zum fließenden Wasser zu kommen, müssen wir erst 300 m über das sandige Flussbett laufen - zur Mittagszeit kein angenehmes Unterfangen. Also gönnen wir uns erst spät nachmittags das Bad im Fluss, ungeachtet der vermutlich anwesenden Krokodile, die ja bekanntlich nur skandinavische Frauen fressen. Alleine sind wir auch hier nicht. Gegenüber auf einer Sandbank hat ein Fischer sein Lager aufgeschlagen, ein anderer stakt mit dem Einbaum durchs Wasser und wieder andere kommen gerade von Tansania und waten mit all ihrem Gepäck durch den trägen Fluss. Während wir Männer noch mit Fotografieren beschäftigt sind, wird Ilona von ein paar kichernden Frauen über Ehe, Kinder und Männer ausgefragt. Sie erklären ihr, wie man ein Tuch richtig um den Körper verknüpft und dass es viel besser sei, wenn sich zwei Frauen einen Ehemann teilen. Sie sind weder scheu noch aufdringlich, aber sehr fröhlich und bunt gekleidet. Leider können wir nicht direkt am Ufer übernachten um den weiten Blick über das Flussbett zu genießen, stehen aber nicht weit entfernt auf einer Lichtung. Als wir nach Einbruch der Dunkelheit den Tümpel im Flussbett ableuchten, blinken uns die Augen dreier Krokodile entgegen. Nachts hören wir Elefanten, bekommen sie aber nicht zu sehen. Am nächsten Morgen warten schon die Wildhüter auf uns, weil unbedingt drei Personen nach Mecula mitfahren wollen. Im Toyota ist kein Platz mehr und wir wollen auch nur eine Person mitnehmen. Dies ist den Einheimischen nur schwer zu vermitteln, haben wir doch in ihren Augen Platz für mindestens sechs Passagiere. Wir verarzten noch einen der Scouts, dessen Unterarm nach einem Stich vereitert und stark angeschwollen ist, und machen uns mit dem angeblichen Chief der Region als Passagier auf den Weg nach Mecula.

Straßenbeleuchtung in der Wildnis
Die Strecke ist uns ja schon bekannt und wir erreichen ohne große Probleme die kleine, aber regional bedeutendsame Stadt mitten im Park. Stadt ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber es gibt immerhin eine Straßenbeleuchtung die angeblich sogar funktioniert, zumindest sind Glühbirnen eingeschraubt. Tankstelle oder Supermarkt sucht man vergeblich, aber dafür liegt Mecula vor einer fantastischen Bergkulisse. Einen öffentlichen Brunnen finden wir auch nicht, doch man ist uns behilflich und füllt unsere Kanister in einem Privathaus mit funktionierender Wasserleitung auf. Wie in vielen der Städte Mosambiks bildet auch hier ein viereckiger Platz das Stadtzentrum und ein hässliches Denkmal erinnert an die sozialistische Vergangenheit. Der Direktor im Maputo Camp hat uns einen alternativen Weg aus dem Park beschrieben, der uns die fürchterliche Rückfahrt nach Marrupa erspart. Wir änderten daraufhin erleichtert die Reiseplanung, um die neue Route zu nehmen. Doch so genau hat man uns die Strecke nicht beschrieben; wir wissen nur, dass sie irgendwo nordöstlich von Mecula abzweigt. Deshalb fragen wir im örtlichen Parkoffice, welches ungefähr wie ein Hühnerstall ohne Dach aussieht, doch niemand kennt die ominöse Piste. An der Wand hängt eine uralte, verblichene und reichlich verstaubte Karte, auf der dieser Weg noch verzeichnet ist, und so finden wir 20 km später an einem Dorfende die Wegspuren nach Mbamba. Die Piste ist relativ gut, wir sind ja nicht verwöhnt. Ein unerwartetes Autoproblem verhilft uns zu einem Zwangsstopp in sengender Mittagshitze. Am Vortag hatte sich ein oberschenkeldicker Holzprügel den Weg von unten in unseren Motorraum verschafft und dabei ein Schutzblech verbogen. Dieses Blech drückte auf einen kleinen Kühlwasserschlauch und scheuerte ihn durch. Nach einer Stunde ist der Schaden repariert, zur Belohnung gibt es für jeden ein kühles Bier. In Mbamba, am Rio Lugenda gelegen, werden wir bereits von den Scouts erwartet. Sie wissen sogar, dass wir mit zwei Fahrzeugen unterwegs sind, aber nicht, dass direkt vor ihrer Nase eine Furt durch den Fluss führt und wollen uns wieder zurückschicken bzw. verweisen uns nach Gomba, wo wir angeblich direkt nach Negomane gelangen würden. Rio Lugenda
Genau dies wurde aber bisher von allen Befragten als nicht möglich bezeichnet. Es dauert eine Weile, bis ihnen einfällt, dass ja gerade ein Wildhüter vom gegenüberliegenden Jagdcamp zu Besuch ist und dieser auch immer den Fluss durchfährt. Sofort wird er zu uns ins Auto gesetzt, um uns den Weg zu zeigen (als ob es mehrere Wege gäbe). Die abgesteckte Durchfahrt ist nicht weiter schwierig, die ganze Szenerie jedoch total umwerfend. Eine weite, sandige Flusslandschaft und im Hintergrund die für Nordmosambik so typischen Felskuppen.


Ein Traumplatz am Lugenda

Furt am Rio LugendaÜbernachtung im Lugenda-Flussbett
Sofort beschließen wir, hier zu bleiben und parken unsere Autos auf einer Sandbank direkt am Wasser. Schräg gegenüber liegt die Wasserstelle für die Frauen vom Dorf. Einige waschen Kleider, andere tragen Wassereimer grazil auf dem Kopf hinauf zum Dorf. Wir sitzen im flachen Wasser bis die Sonne untergeht. Leider wird es dann ungemütlich, ein heißer Wind bläst flussaufwärts, dazu Wetterleuchten in der Ferne. Der unangenehme Sturm treibt uns früh in die Zelte. Bald hören wir für uns so vertraute Geräusche. Auf einer nahe gelegenen Insel rupfen Elefanten frische Blätter von den Bäumen. Wir beobachten sie mit dem Fernglas, bis sie vor uns durch den Fluss waten und lautlos im dichten Busch verschwinden.
Am nächsten Morgen bekommen wir Besuch: Mindestens 30 junge Frauen und Mädchen beobachten interessiert alle unsere Aktivitäten. Wir frühstücken und nehmen noch ein ausgedehntes Bad im Fluss. Zwei Kilometer müssen wir noch im Tiefsand flussaufwärts bewältigen, bevor wir das Flussbett am Lusingi Jagdcamp wieder verlassen können. Dort erkundigen wir uns nach dem weiteren Weg entlang des Flusses in Richtung Negomane. Immer geradeaus, nie nach rechts fahren, ist die Anweisung. Es lässt sich gut an. Die Landschaft ist teilweise offener als im Niassa G. R. und erinnert ein wenig an den Lower Zambezi N. P. in Sambia. Es gibt tatsächlich allerhand Wege und wir sind froh, unser GPS dabei zu haben. Die Piste ist nicht gegraded, sondern nur frei geholzt worden. Immer in Angst vor spitzen Baumstümpfen wird es keine entspannte Fahrt. Und tatsächlich muss bald ein Reifen dran glauben. Ein Stück Holz bohrt sich tief in die Flanke. Ein tiefsandiges Flussbett hält uns dann ebenfalls für kurze Zeit auf, da nicht erkennbar ist, wo die gegenüber liegende Ausfahrt ist, und wir deshalb erst zu Fuß losmarschieren müssen. Wie üblich bei großen Flüssen gibt es eine Unzahl an Nebenzuläufen, die sich tief in die Landschaft eingegraben haben, so dass man sich wundert, mit welcher Leichtigkeit unsere Allradfahrzeuge die steilen Auffahrten meistern.
Doch es kommt wie es kommen musste: Eine Kreuzung gibt uns Rätsel auf. Wir entscheiden uns für geradeaus und können bald anhand des GPS und unserer russischen Karte feststellen, dass wir uns vom Lugenda entfernen. Wir halten und sind am Diskutieren, als in dieser Einsamkeit tatsächlich ausgerechnet der Direktor des Maputo Camp im nagelneuen Landrover angefahren kommt! Er ist auf dem Weg nach Pemba und meint, wir können weiter geradeaus fahren, da nochmal eine Abzweigung Richtung Norden kommt. Tatsächlich gelangen wir bald zu einer T-Junction, beschließen aber, unser Fahrziel Negomane aufzugeben um statt dessen die vermutlich einfachere Piste direkt nach Mueda zu nehmen. Also folgen wir den Spuren des Landrovers. Bevor wir die Hauptpiste Nr. 509 (Montepuez-Mueda) erreichen, verbringen wir noch eine Nacht auf einer Waldlichtung. Auch hier deuten frische Spuren auf Elefanten, und in der Nacht glauben wir sie zu hören.
Die Piste 509 ist frisch gegraded, zum ersten Mal seit sechs Tagen können wir wieder im vierten Gang mit 80 km/h dahin rauschen. Einige Brücken fehlen noch, können aber einfach umfahren werden. Holzarbeiter sind unterwegs, um die letzten Kastanienriesen zu fällen. An der Piste wird Wildfleisch angeboten, welches mit Haut und Haar auf schrägen Holzgestellen geräuchert wird. Wir können Kudu- und Warzenschweinteile erkennen.

 

Der Indische Ozean und ein koloniales Welterbe

Kein Sprit – kein Wasser
Mueda erreichen wir am frühen Nachmittag. Die letzen Kilometer führen steil bergauf. Man kann sich gut vorstellen, wie die Piste noch vor Kurzem ausgesehen hat. Tiefe Gräben neben der neuen Piste zeugen von Bächen, die von der alten Piste nicht viel übrig ließen. Mueda liegt auf einem Höhenzug mit weitem Blick über die unendlichen Wälder. Schnell klären wir die Spritsituation: Tankstelle ja, Sprit nein. Diesel und Benzin nur aus dem Kanister. Wasser gibt es aus dem Wasserturm beim Markt, aber nur manchmal und heute nicht. Immerhin bekommen wir Brot und Tomaten. Elefantenstoßzähne werden uns auch angeboten. Die Menschen beäugen uns misstrauisch und zum ersten Mal wollen sie nicht fotografiert werden.
MosambikFür uns geht es weiter in Richtung Küste, immer auf der Suche nach einem Brunnen. Seit Mueda fahren wir auf bestem Teer, aber keines der Dörfer hat einen Brunnen. Die Menschen müssen sich ihr Wasser wieder aus Flüssen und Tümpeln holen, da die alten Brunnen aus der Kolonialzeit nicht mehr funktionieren. In Diaca entdecken wir dann doch einen funktionierenden Brunnen. Eine lange Reihe aus Eimern und Kanistern steht zum Füllen bereit. Freundlich lassen uns die Frauen den Vortritt. Wir füllen nur wenige Kanister und fragen zaghaft, ob fotografieren erlaubt sei. Wider Erwarten sind die Begeisterung und das Gekreische groß. Entlang der Küstenhauptstraße begegnen wir immer wieder Jungen und Männern mit Pfeil und Bogen; manche tragen tote Vögel, z. B. Tokos, bei sich. Kein erfreulicher Anblick. Bei einem kurzen Stopp in einem kleinen Ort drängen sich die Menschen dicht an unser Auto, nur weil wir ein paar Kokosnüsse kaufen wollen. Neben lebendigen Vögeln werden uns auch hier wieder Elefantenstoßzähne offeriert. Der Fußballplatz am Rande eines Dorfes bietet sich mal wieder für eine Übernachtung an. Die Makonde hier in Küstennähe sind nicht so zurückhaltend, wie wir es aus dem Landesinneren gewohnt sind. Ich muss mir schon etwas einfallen lassen, um sie zu überzeugen, nach Einbruch der Dunkelheit zu ihren Hütten zurückzukehren. Zuerst müssen alle Kinder unter 1,20 Meter zurück zur Mama. Danach wähle ich mit dem Meterstab alle über 1,40 m aus. Sie verstehen den Spaß und ziehen ab. Endlich können wir duschen und gemütlich essen. Jürgen begibt sich noch mit Taschenlampe auf Buschbabyjagd und kann tatsächlich eins entdecken.
MosambikMaconia. Hier soll endlich eine funktionierende Tankstelle sein. Doch wie in Mueda gibt es Benzin und Diesel nur aus Kanistern. Jürgen hat noch genügend Diesel. Ich muss aber Benzin nachtanken und so lasse ich mir 30 Liter in den Tank schütten. Diesen groben Fehler bereue ich schnell: Der Motor nagelt selbst bei geringster Belastung. Ich schütte Octan-Booster dazu, erziele aber keine Besserung. Wir pumpen wieder 10 Liter aus dem Tank und dafür schütte ich meine letzten guten 10 Liter aus Malawi und den Rest des Octan-Boosters dazu. Jetzt läuft der Motor wieder, zwar nicht perfekt, aber erträglich.
Mittags erreichen wir Quissanga. Wir nehmen die Gelegenheit wahr, am Brunnen unsere Wasserreserven aufzufüllen. Bevor wir weiterfahren, bietet uns eine junge Frau Langusten zum Kauf an. Vier frische, riesige Langusten für umgerechnet 7 DM!

Ibo, Dhaus nach IboAuf der Dhau
Der Hafen für die Dhaus zur Insel Ibo liegt noch einige Kilometer weiter nördlich. Soeben sind Fischer angekommen und wir erstehen noch einen kleinen Schwertfisch oder so etwas ähnliches. Eine Dhau ist abfahrbereit, Ilona und Hilda werden noch ins Boot gequetscht, während wir Männer uns einen gemütlich Nachmittag machen. Gegen vier Uhr erwarten wir die Frauen zurück, gegen fünf werden wir unruhig, um halb sechs kommt dann endlich eine Dhau. Jürgen filmt die Ankunft, bis ich ihm andeute, dass unsere Damen nicht an Bord sind. Jetzt ist guter Rat teuer. Ein Teil der Angekommenen marschiert sofort Richtung Dorf, der Rest besteigt die Ladefläche eines Kleinlasters und plötzlich stehen wir ganz alleine da. Was ist mit den Frauen passiert? Unschlüssig stehen wir am Ufer und schauen gebannt zwischen den Mangroven hindurch aufs Meer, der Vollmond gibt uns genügend Licht, um mit dem Fernglas nach einer weiteren Dhau zu suchen. Hoffnung keimt auf, als wir in der Ferne Segel entdecken und uns fällt ein Stein vom Herzen, als tatsächlich noch eine Dhau mit zwei Passagieren vor Anker geht. Was war passiert? Wegen des starken Windes dauerte die ungemütliche Überfahrt zur Insel statt einer Stunde ganze vier Stunden. Die anprallenden Wellen durchnässten die frierenden Passagiere, mehrere mussten sich übergeben, ein Stakstecken brach ab. Die Sonne ging schon unter, als sie endlich die Insel erreichten. Eine Übernachtung auf Ibo war nicht vorgesehen und deshalb wollten Hilda und Ilona unbedingt wieder zurück zu uns. Die letzte Dhau zum Festland an diesem Tag war jedoch schon lange weg. Schließlich konnten sie die beiden Bootsführer überreden, sie doch noch zurückzubringen. Der Fährpreis war dann natürlich wie für ein vollbesetztes Boot. Bei Vollmond und Rückenwind war die Rückfahrt dann richtig romantisch.
Noch immer durchnässt und ziemlich durchfroren brauchen beide erst mal einen Brandy, bevor wir uns endlich unserem Abendessen zuwenden können. Mit gegrilltem Fisch und Langusten in Knoblauchbutter lassen wir den Tag ausklingen.

MosambikIns Blechrohr eingebrochen - ein Strandbesuch mit Folgen
Die Fahrt Richtung Pemba verläuft angenehm, bis wir auf die Idee kommen, einen Abstecher zum Strand zu unternehmen. Der letzte Kilometer dorthin führt über einen schmalen Fahrdamm mit kleinen Brücken aus Blechrohren. Feinfühlige Fahrer mit einem sicheren Auge überfahren die stark verrosteten Rohre, ohne Schäden zu hinterlassen. Der Fahrer des roten Zerstörers (Toyota!) hingegen demoliert das erste Rohr, bemerkt dies und fährt daher über das zweite Rohr extra langsam, damit auch genügend Zeit bleibt, um mit dem rechten Hinterrad vollkommen einzubrechen... Eine geschlagene Stunde, wie immer bei glühender Mittagssonne, brauchen wir, um ihn behutsam aus der misslichen Lage zu befreien. Der Strand taugt auch nichts. Damit jedoch nicht genug. Jetzt behindern ja zwei kaputte Rohre unseren Rückweg! Mit Holzprügeln überbrücken wir erfolgreich die defekten Stellen. Zwei Stunden später erreichen wir verschwitzt und verklebt Pemba.
Pemba MarketEs ist Sonntag. Ganz Pemba ist an den Stränden, obwohl ein scharfer Wind bläst. Das Meer ist lauwarm und überall, im Wasser wie am Strand, sind Unmengen von Seegras. Ich bin ein wenig enttäuscht. Hatte ich doch kilometerlange Sandstrände erwartet. Mit Palmen und tropischen Bäumen und kleinen Fischerdörfern, wo wir uns unter schattige Bäume stellen und von den Einheimischen mit Fisch und Früchten versorgt werden! Statt dessen weit und breit nur Cashewbäume! Die Übernachtung auf dem Campingplatz verläuft auch nicht hitverdächtig, zu viele Ameisen machen uns das Leben schwer und die Dusche ist auch keine Dusche, sondern nur ein Eimer aus dem man sich das warme Wasser mit einer Büchse über den Kopf schöpft. Immerhin bekommen wir in Pemba Toilettenpapier, Getränke, Brot und Sprit. Gefrorenes Fleisch gibt’s nur 5-Kilo-weise und Chicken nur im Zehnerpack.
So hungrig sind wir dann auch wieder nicht.

 

UNESCO-Weltkulturerbe mit viel Flair
Ilha de Mocambique. Entgegen den Erwartungen ist der angeblich schmale Steg vom Festland zur Insel eine zwar einspurige, aber auch für breitere Fahrzeuge befahrbare, 3,5 km lange Brücke mit einigen Ausweichstellen. Diskussionen gibt es wegen der Gebühr, die für unseren VW-Bus 5 x höher ist, als für den mindestens gleich schweren Toyota. Diesmal verlieren wir den Disput, es ist jedoch nicht schlimm, da die Gebühr wirklich gering ist. Der erste Eindruck von Ilha de Mocambique, dieser fast 500 Jahre alten ehemaligen portugiesischen Kolonialhauptstadt, ist eher abschreckend, doch bei näherem Hinsehen entpuppt sich der Ort als echtes historisches Juwel. Seit die UNESCO die Insel zum Weltkulturerbe erklärt hat, werden die alten Paläste, Fortanlagen und Kirchen wieder restauriert. Die Menschen sind nicht so aufdringlich, wie es ein Ort mit derart großem touristischem Potenzial vermuten ließe, obwohl natürlich einige Jugendliche ihre Dienste als Führer anbieten wollen. In einem ansprechenden Restaurant genießen wir den Blick übers Meer bevor wir uns auf einen Rundgang begeben. Es sind nur wenige Touristen auf der Insel, aber alle sind begeistert, vor allem von der nächtlichen Stimmung. Leider gibt es keine Campingmöglichkeit auf der Insel und so übernachten wir auf dem Festland, direkt am Beginn der Brücke. Der starke Wind stört die Gemütlichkeit, lässt aber nachts nach. Und wieder genießen wir Langusten und Fisch zum Abendessen
.Ilha de MocambiqueIlha de Mocambique

Nach dem Besuch von Ilha geht es wieder ins Landesinnere. Die Landschaft ist weiterhin geprägt von Cashewbäumen, die Fabriken sind jedoch mittlerweile alle geschlossen, da die Inder alle Nüsse aufkaufen und zur Weiterbearbeitung nach Indien verschiffen. Kulturelle Abwechslung bieten einige nahe der Straße gelegene Missionskirchen.

Ilha de Mocambique


Die erste größere Stadt
Und dann Nampula. Breite Straßen, lautes Gehupe und viel Bettelei. Der Versuch, uns mal wieder telefonisch in der Heimat zu melden, scheitert kläglich. Dafür freut man sich im interessanten Museum über jeden Besucher, selbst das sichere Parken direkt vor der Tür ist ausdrücklich erlaubt. Der Markt bietet allerlei Gemüse und Früchte; etwas Mühe macht es dagegen, einen Laden zu finden, der Fleisch oder Chicken verkauft. Nach stundenlangem Einkaufen etc. verlassen wir die Stadt. Es ist wieder Piste angesagt - warum sollte man auch eine Teerstraße nehmen, wenn es eine Pistenalternative gibt? Schließlich fahren wir nicht wegen langweiliger Teerstraßen nach Afrika! Es sieht nach Regen aus und sobald die Nacht hereingebrochen ist, beginnt der Wolkenbruch. Glücklicherweise ist unser Schlafplatz gut gewählt und die Regenplane rechtzeitig aufgebaut, denn es schüttet wie aus Kübeln. Unser erstes Hähnchen seit Beginn der Reise schmeckt nicht und zu allem Überfluss lassen wir das Essen auch noch anbrennen. Erst nach vier Stunden hört der Tropenguss schlagartig auf und es bleibt für den Rest der Nacht trocken.


Traumpisten und Teeplantagen
Trotz des gestrigen Regens ist die weitere Piste nur auf wenigen Abschnitten etwas glitschig und ansonsten gut zu befahren. Die malerische Strecke zieht sich durch Bergland. Blaugraue Kegelberge mit teilweise alten Urwaldbeständen an den Bergkanten begeistern uns. Die nach dem Regen glänzenden Mango- und Cashewbäume zwischen den vereinzelten Dörfern verbreiten eine tropisches Atmosphäre. Dass Ribaué mal eine wunderschöne Kleinstadt mit breit angelegten Straßen war, ist noch gut zu erkennen. Idyllisch liegt sie unter dem mächtigen Monte Mepalue. Verlassene, verfallene, ehemals schmucke Häuser mit großen Gärten zeugen von einer besseren Vergangenheit.
Bei Iapala wollen wir die Piste 104 Richtung Gurué fahren. Man rät uns ab, weil die Straße derzeit in Bau ist. Der nächste Turnoff nach Gurué kurz vor Malema kann nur noch mit dem Fahrrad befahren werden. 13 km nach Malema gibt es eine neue Piste, einen Shortcut zur Straße 231, aber die ist noch nicht gewalzt. Also weiter bis Mutuali, ein bisschen flexibel muss man hier schon sein. Alles halb so schlimm, da die malerische Landschaft uns für den Umweg voll entschädigt. In Mutuali können wir dann endlich Richtung Süden abknicken. Die Nacht im Busch verläuft ganz ungewöhnlich ohne direkten Kontakt zu den Dorfbewohnern, da diese einen respektvollen Abstand einhalten.
Die leuchtend grünen Teeplantagen rund um Gurué sind unser letztes Ziel auf dieser Reise. Eine lebhafte Kleinstadt mit Banken und Tankstellen breitet sich unter Mosambiks zweithöchstem Berg aus. Sogar ein paar Touristen hat es hierher verschlagen, die gelangweilt in den Straßencafés herum hängen. Nach einer gemütlichen Kleinstadtrundfahrt ziehen wir uns zur Mittagsrast in die hügeligen Teefelder zurück. 
Kurz vor Mulombo weckt eine Mission, direkt unter einem imposanten Granitberg gelegen, unsere Aufmerksamkeit. Die Lage ist prächtig, mit einem weiten Blick in die bewaldete Ebene. Leider ist die Kirche verschlossen, vermutlich wird die Mission nicht mehr betreut. Immerhin läuft die Wasserleitung noch. In Mulombo knicken wir nach Süden ab, die Berge weichen zurück und machen Platz für eine weite, mit Hügeln und Kegelbergen durchsetzte Ebene. Nach und nach häufen sich die Dörfer und gehen in eine durchgehende Besiedelung über. “Tea-Room” oder “Grocery” steht jetzt an den kleinen Geschäften. Vermutlich haben sich hier aus Malawi zurück gekehrte Flüchtlinge niedergelassen. Die dichte Besiedelung und die großen Maisfelder erschweren unsere Schlafplatzsuche. In unserer Not übernachten wir direkt vor einer kleinen Kirche, mit theoretischem Panoramablick auf den Mulanje. Denn der hüllt sich mal wieder in stürmische Regenwolken. Der nächste Morgen gönnt uns aber doch einen kurzen freien Blick auf das imposante Gebirgsmassiv, bevor die Gipfel wieder von Wolken verdeckt werden.
Milange, Mosambik
Die Fahrt nach Milange führt wunderschön durch hohe Wälder, die leider gerade abgeholzt werden. Das Mulanje Massiv mit seinen Teeplantagen ist immer in Sichtweise. Milange liegt an einen Berghang gebettet mit Jacaranda-Alleen und riesigen Eukalyptusbäumen. Hier müssen wir von Mosambik wieder einmal Abschied nehmen. Wehmütig lassen wir die vielen Fahrradfahrer, Geldwechsler und Grenzbeamten zurück und sind sicher, bald wieder in dieses vom Tourismus noch wenig berührte Land zu reisen.

 

Impressum
Ilona Hupe Verlag, Ilona Hupe, Volkartstr. 2,
80634 München, Deutschland
Tel. +49-89-16783783 Fax 1684474, Email info@hupeverlag.de
Ust-IdNr: DE 179348838