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Willkommen beim Ilona Hupe Verlag

Der Spezialist für Afrika

 

Die Längsdurchquerung des Luangwa Valley (Ostsambia) im Herbst 1999

Ein Reisebericht von Manfred Vachal

Wir sind wieder auf Nachrecherchetour für unseren Reiseführers und bauen für unser persönliches Vergnügen immer ein paar extremere Streckenabschnitte ein. Diesmal soll es eine Fahrt längs durch das Luangwatal sein, mit etwas ungewisser Anreise über Rumphi und der spektakulären Ausfahrt über Mpika. Wir treffen uns mit Jürgen in Senga Bay, verbringen noch einige Tage am Malawisee und lassen es gemütlich angehen. Bei dieser Tour sind wir nur zu dritt: Jürgen im roten Toyota, Ilona und ich, Manfred, in einem VW-Bus Synchro.

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Anmerkung der Redaktion: Dieser Reisebericht stammt aus dem Jahr 1999. Auch nach Jahren entsprechen die Bedingungen unterwegs noch weitgehend dem Bericht. Wir haben die gesamte Strecke erneut 2002, 2005 und 2006 gefahren, aber keine neuen Reiseberichte zusammen gestellt.

Livingstonia in Nordmalawi beeindruckt uns immer wieder und deshalb soll unser Reisebericht einfach hier beginnen. Die Serpentinenauffahrt zur Livingstonia Mission gleicht einem steinigen Flußbett. Die legendäre Bergpiste stammt noch aus den Anfangsjahren der Kolonialzeit und bietet spektakuläre Ausblicke auf den Malawisee. Mittlerweile ist die Piste nur noch mit Allradfahrzeugen befahrbar und wird kaum noch gewartet. Das Abrennen und Abholzen der Hangwälder führt zu massiver Erosion und letztlich zur Zerstörung der Straße. Spätnachmittags erreichen wir das Hochplateau mit seiner berühmten Mission. Die Stimmung empfinden wir als gedämpft, wie so häufig auf afrikanischen Missionsstationen. Dafür ist die Luft angenehm kühl und die Aussicht grandios. Es beeindruckt, stimmt aber auch nachdenklich, durch diese schottische Mission zu laufen. Die alten Gebäude aus roten Ziegeln, hübschen Veranden und Arkaden dämmern vor sich hin, die mächtige Kirche verströmt noch den Geist früherer Jahre und großer Ideale. Die schottischen Missionare, Lehrer und Ärzte sind längst fort, ein kleines Museum erinnert mit zahlreichen Utensilien und verblichenen Fotografien an eine einst blühende Station. Immer wieder schmerzt es, den Verfall zu sehen und wir wundern uns, warum die UNESCO nicht längst dieses Relikt als Weltkulturerbe einstuft.

Am Fuße des Nyika Plateaus entlang führt eine gut ausgebaute, malerische Piste nach Rumphi. Klare Gebirgsbäche und viele Felder und Bananenstauden geben der Bergstrecke ein tropisches Ambiente. In Rumphi ist der eigentliche Beginn unserer Luangwa-Valley-Expedition. Wir füllen sämtliche Reservetanks und kaufen von unseren restlichen Kwacha noch ein paar Lebensmittel. Dann geht’s ab Richtung Grenze. Noch immer wissen wir nicht, ob der Grenzübergang für uns überhaupt passierbar ist. Auf den Landkarten ist nur eine malawische, aber keine sambische Grenzstation eingezeichnet. Dementsprechend erfreut sind wir, schließlich eine ordentliche Grenzstation mit Schlagbaum und Büro vorzufinden sowie einen freundlichen, nüchternen Grenzbeamten. Allerdings gibt es dann doch ein kleines Problem. Der Zollbeamte ist nicht da. Zusammen mit einem zufällig anwesenden pensionierten Zöllner machen wir uns per Auto auf die Suche. Nach fünf Kilometer Fahrt und mehrmaligem Nachfragen in den Dörfern kommt uns ein Moped mit zwei Personen entgegen. Auf dem Sozius sitzt der reichlich betrunkene Zollbeamte. Was jetzt folgt kann man wohl nur im afrikanischen Busch erleben. Mitten auf der einsamen Piste beginnen wir mit den Zollformalitäten. Der Zöllner hat nämlich Stempel und Stempelkissen griffbereit in der Brusttasche und beginnt auf dem schmalen Sattel des Mopeds unsere Carnets auszufüllen. Freilich ist er in seinem Zustand ohne Unterstützung nicht mehr dazu in der Lage, reagiert aber unwirsch auf jede Einmischung. Er schafft es schließlich, während wir einen Lachkrampf unterdrücken. Allerdings sind wir nach dem Abstempeln der Dokumente noch nicht am Ende der Prozedur. Die Männer wollen auch noch die Autos inspizieren. Zunächst der Blick in den Kühlschrank, dann in die Schubläden. Beim zweiten Fahrzeug, welches etwas chaotischer bepackt ist, dann der zielgerichtete Einwand: “You are exporting a lot“. Die Diskussionen beginnen, bis irgendwann der entscheidende Satz fällt: “Maybe you can assist us“. Nun geht es nur noch darum einigermaßen ungeschoren davonzukommen. Doch sie sind bescheiden. Einige Kugelschreiber und ein paar Büchsen Bier wechseln die Besitzer bis Ilona energisch einschreitet und dem Treiben ein Ende setzt. Die Ausreise aus Malawi haben wir somit geschafft. Jetzt gilt es, auch die sambianische Grenzstation zu finden. Vor uns liegt ein einsamer Buschwald, der von einer Vielzahl schmaler Sandpisten durchzogen ist. “It’s very near“ hat es geheißen, irgendwo in Richtung Westen. Aber was heißt das schon in Afrika. Detailkarte, GPS und Durchfragen bringen uns tatsächlich nach 14 km zur Chire Grenzstation. Erkennbar nur an einem im Graben liegenden Schlagbaum und einem kleinen geschlossenen Büro. Weit und breit keine Menschenseele. Erst nach einiger Zeit kommen zwei junge Männer angeschlendert und meinen, der Grenzbeamte wäre im nächsten Dorf namens Kanyelele. Also machen wir uns erneut auf den Weg. Fünf Kilometer über eine kaum noch erkennbare Piste. Am Dorfrand angekommen fragen wir erneut nach dem Grenzbeamten. Der ist doch an der Grenzstation, heißt es hier. Wir fahren trotzdem weiter ins Dorf und werden gleich von einem Fahrradfahrer angehalten. “Hallo Madam, I’m the one you are looking for“ werden wir begrüßt. Auch er scheint sturzbetrunken. Leider hat er seine Stempel nicht dabei. So nehmen wir ihn mitsamt seines Fahrrads und seiner Medizinmann-Utensilien mit zurück zu seinem Office. Am Ortsrand treffen wir wieder die Männer von vorhin. Sie bestätigen uns, daß dies tatsächlich der Grenzbeamte ist. Auf meine Frage “But, isn't he drunk?" lächeln sie und antworten: “That´s part of life“. Bis wir wieder am Office sind kennen wir die Lebensgeschichte des Mannes. Er ist Polizist, Zöllner, Doktor, Schwiegersohn vom Chief, hat zwei Frauen und sieben Kinder. Allerdings ist er extrem launisch und von einer Sekunde zur anderen verdüstert sich sein Gesicht und er sackt in sich zusammen. Wir vermuten, daß er doch nicht betrunken ist, sondern unter Drogen steht. Die Carnets müssen wir selber ausfüllen, weil er kaum in der Lage ist, den Kugelschreiber zu halten. Daß wir als Europäer 25 USD fürs Visum zahlen müssen, entgeht im allerdings nicht. Selbst im letzten Winkel Sambias hängt die Gebührenordnung an der Wand. Kurz vor Sonnenuntergang haben wir es dann geschafft und uns fällt ein Stein vom Herzen. Ganz geheuer ist uns der unberechenbare Mensch nämlich nicht. Wir fahren noch ein paar Kilometer durch den einsamen Wald und halten beim ersten Dorf am Wegesrand. Die junge Frau kann kein Englisch, ruft aber sofort einen jungen Mann herbei. Wir fragen nach einem Platz zum Übernachten. “Let’s go“ ist die prompte Antwort. Ein paar Meter weiter verbreitert sich die Piste ein wenig, und dort bauen wir dann mitten auf dem Weg unser Nachtlager auf. Welch ein Unterschied zu Malawi, wo die Schlafplatzsuche regelmäßig die Zustimmung des Chiefs erfordert und man von unzähligen kichernden Kindern und Frauen umringt ist, die kein Wort Englisch verstehen. In Sambia ist alles etwas anders. Natürlich kommen auch hier die Menschen der umliegenden Hütten um zu sehen, wer hier übernachtet. Aber sie sind zurückhaltend und enorm hilfsbereit. Sie helfen beim Feuermachen, fragen ob man Wasser benötigt und unterhalten sich gerne mit den Fremden. Meist ziehen sie sich nach einer Weile von alleine höflich zurück.

In der Dämmerung flattern Gabunnachtschwalben nahe um unser Lager. Es ist bereits lange finster, als zwei Männer fahrradschiebend des Weges kommen. Bei einem kurzen Plausch erfahren wir, daß sie frühmorgens in Chama aufgebrochen sind und nach Kanyelele wollen, um einen Sack Maismehl zu verkaufen. Selbst mit Abkürzung sind das mindestens 50 km über Hügel und durch Wälder, und dies nur um 20 kg Mehl zu verkaufen!

Nach einem gemütlichen Frühstück geht es weiter in Richtung Lundazi, immer an der Grenze zu Malawi entlang und durch die Ausläufer des Mwaza Game Reserves. Tiere bekommen wir allerdings keine zu sehen, statt dessen stoßen wir auf einen Bautrupp, der mit schweren Planierraupen eine breite Schneise links und rechts der alten Naturpiste durch den Wald pflügt. Tatsächlich versucht man hier eine für Lkws befahrbare Piste von Chipata bis Nakonde zu bauen. Es sind einige Kilometer, die wir in frisch umgegrabener Erde fahren müssen und unsere Staubfahne ist dementsprechend lang. Die Abfahrt in das Luangwatal nach Chama ist wider erwarten gut. Chama selbst bietet nichts, keine Tankstelle und auch keine größeren Läden, aber ein Krankenhaus. Hinter Chama merken wir an der GPS-Anzeige, daß wir eine falsche Piste erwischt haben. Also zurück und zweimal gefragt und schon sind wir unterwegs in Richtung Mfuwe.

Die Piste ist groß in der Karte eingezeichnet und sie ist tatsächlich relativ angenehm zu befahren, da es sich um eine überwiegend feste Sandpiste handelt. Trotzdem kommt man nicht sehr schnell voran, mehr als 30 km werden es nicht pro Stunde, da die Bäume und Sträucher bis nahe an die Piste gewachsen sind und zudem viele Querrinnen und sandige Flußbetten uns zum langsamen Fahren zwingen. Die Landschaft ist staubtrocken und ausgedörrt. Immer wenn grüne Bäume zu sehen sind, handelt es sich um ein Dorf mit Mangobäumen. Natürlich ist es heiß hier im Oktober und Tsetsefliegen schwirren reichlich herum. Trotzdem genießen wir die Fahrt fernab der Zivilisation durch die einsamen Dörfer. Teilweise winken uns die Menschen freundlich zu, in anderen Orten dagegen wirken sie abweisend. Anhand der unterschiedlichen Bauweise der Häuser können wir feststellen, daß es sich um unterschiedliche Volksgruppen handelt.

Als ich einmal an einem Dorfrand anhalte um auf das zweite Fahrzeug zu warten nähert sich ein alter Mann dem Auto. Erst meine ich, er möchte uns den Weg zeigen, doch er erzählt, daß er krank sei und schon seit dem Morgen unterwegs ist. Er ist mit dem Fahrrad unterwegs, jedoch so erschöpft, daß er nur noch im Schatten einer Hütte hockt und keine Kraft zum Weiterfahren hat. Ich frage ihn wohin er möchte und er nennt uns ein Dorf in ca. 20 km Entfernung. Es ist laut unserer Karte nur ein kleines Dorf, doch er versichert uns, daß dort ein Krankenhaus und ein Arzt seien. Wir geben ihm zu trinken, laden sein Fahrrad aufs Dach und nehmen in mit. Tatsächlich befindet sich in dem Dorf eine Krankenstation in der Größe einer Doppelgarage. Die Türen sind verschlossen, aber unter einem Mangobaum liegen einige Kranke auf Grasmatten. Der alte Mann steigt aus und setzt sich ebenfalls auf eine der Matten. Das war‘s dann. Keine Krankenschwestern, kein Arzt, keine Untersuchung, keine Medikamente. Ich sage zu einem der Herumstehenden, daß ich den Arzt sehen möchte, und tatsächlich kommt in Kürze ein junger Arzt. Aber er macht keine Anstalten, sich um den neuen Patienten zu kümmern. Ich erkläre ihm die Situation und lasse ihm noch Malariamedikamente da. Wir fahren nachdenklich weiter, die Schicksalsergebenheit des alten Mannes bringt uns wieder vor Augen, wie hart die Lebensbedingungen in Afrika immer noch sind.

In Chikwa nehmen wir einen Seitenweg, der laut unserer Detailkarte zum Luangwa führen soll. Wir sind nicht wenig überrascht, als wir plötzlich an einem Schlagbaum stehen. Hier ist der Beginn einer Game Management Area und darum die Sperre. Ohne Probleme dürfen wir weiterfahren und erhalten die Erlaubnis, am Luangwa zu übernachten. Wir schlagen unser Lager wegen der Tsetsefliegen inmitten des breiten sandigen Flußbetts auf und bemerken sofort eine Unmenge an Tierspuren. Hyänen, Elefanten, Hippos und viele andere Tiere sind regelmäßige Besucher an den verbliebenen Wassertümpeln im Flußbett. Zu dieser Jahreszeit fließt hier nur noch ein kleines Rinnsal und versorgt die Tiere mit dem lebenswichtigen Naß. Menschenleer ist es allerdings nicht. Es wird in den Tümpeln gefischt und wir erfahren, daß auch ein Jagdcamp in der Nähe liegt. Weder am Abend noch nachts bekommen wir irgendwelche Tiere zu Gesicht. Erst am nächsten Tag ist dann etwas flußabwärts doch viel Wildlife zu sehen. Die Piste geht so weiter wie sie am Tag vorher geendet hat, allerdings nun durch mehr Wald und noch weniger Dörfer. Gelegentlich gabelt sich der Weg, aber man kann doch die Hauptpiste meist klar erkennen. Gegen Abend wollen wir uns wieder einen Platz am Luangwa suchen und versuchen, das Scoutcamp am Zugang zum North Luangwa N.P. zu finden. Dies mißlingt, aber dafür finden wir einen wunderbaren Platz am Ufer des Luangwa direkt gegenüber des Nationalparks. Auch hier ist vorher noch ein Schlagbaum zu passieren und der betrunkene Wildhüter macht sich ein bißchen wichtig, indem er unsere Motornummern (!?!) auf einen Pappkarton notiert. Der Platz am Fluß entpuppt sich als echter Traumplatz. Vor uns plustern Hippos im Wasser und nicht viel weiter vorne überquert eine riesige Herde Büffel den Luangwa. Als wenig später auch noch eine Elefantenherde gemütlich durch den Fluß stampft ist unser Glück perfekt. Viele Tiere verbringen die Nacht außerhalb des Nationalparks und kehren erst frühmorgens wieder in den Schutz des Parks zurück.
 

Die Weiterfahrt wird nun etwas schwieriger, da sich die Piste ständig gabelt und verzweigt. Wir nehmen im Zweifelsfalle immer die flußzugewandte Piste und gelangen am Nachmittag tatsächlich ans Gate des Luambe Nationalparks. Ab hier ist uns die Strecke wieder vertraut und wir machen Rast am Niampala Ponton. Der Ponton ist wegen des niedrigen Wasserstandes nicht mehr benutzbar und wird normalerweise Ende Oktober aus dem Wasser genommen. Wer jetzt von hier über die Escarpment Road nach Mpika fahren möchte, muß eine provisorische Furt befahren. Wir bleiben jedoch auf unserer Seite und erreichen spätnachmittags die Chibembe Lodge. Doch die Enttäuschung ist groß. In der letzten Regenzeit wurden der Swimmingpool und die Bar sowie Teile der Küche vom reißenden Luangwa weggespült. Von den alten Holzchalets stehen nur noch wenige und statt neue zu errichten, haben die neuen Eigentümer nun Luxuszelte neben die alte Lodge gestellt. Obwohl es keinen Campingplatz mehr gibt, dürfen wir als alte Bekannte heute noch mal hier bleiben und verbringen einen letzten Abend zwischen verfallenen Chalets, den Trümmern des Pools und unseren vielen Erinnerungen. Das einzig wirklich Erfreuliche ist das Wiedersehen mit "alten Freunden": Hoopolong, der hinkende Elefantenbulle macht uns seine Aufwartung. Er gehört praktisch zum Inventar der Lodge, genauso wie das Schirrantilopenpärchen, welches schon seit Jahren direkt neben dem alten Campingplatz wohnt und immer neugierig die Camper beobachtet. Kaum sind wir in unseren Dachzelten verschwunden, versucht Hoopolong den süßen Düften nachzugehen, die seine feine Nase auf unseren Dachgepäckträgern wittert. Dort liegen etliche unreife Mangos zwischen Autoreifen und Feuerholz eingekeilt, die wir bei unseren Fahrten durch die Dörfer abgestreift haben. Hoopolong versucht tatsächlich, die Früchte von unseren Fahrzeugen herunterzuschütteln, bis wir seinem Treiben durch Zurufe und Anleuchten mit der Taschenlampe ein Ende bereiten. So trottet er langsam weiter, der alte Bulle, der jedes Jahr für Monate bei der Chibembe Lodge lebt.

Über den Nsefu-Sektor, der wie immer ein beeindruckendes Naturerlebnis bietet, erreichen wir am nächsten Tag Mfuwe.

Nach all den Tagen in freier Natur ist uns eigentlich zu viel Trubel auf dem Flat Dog Campsite. Die meisten Besucher zeigen mehr Interesse für den Swimmingpool und die Bar, als am Wildlife. Ein großes Problem bereitet uns die Spritversorgung. Die Tankstelle ist seit sechs Monaten geschlossen und es gibt auch keinen Verkauf aus Kanistern. Von einem anderen deutschen Reisenden kann ich 10 l Benzin bekommen, was theoretisch reicht um Mpika zu erreichen. Wir fragen den Campingplatzbesitzer nach dem Zustand der Escarpment-Road die hier von allen nur “05“ (O five) genannt wird, und auch diese Auskunft bereitet uns Kopfschmerzen. Die letzte Regenzeit dauerte ungewöhnlich lange und daher führt der Mupamadzi noch Wasser. Ohne Seilwinde könnte es vielleicht Probleme geben. Niemand weiß, ob der Fluß derzeit durchquert werden kann. Das sind ja nette Aussichten. Wir lassen uns aber nicht entmutigen und machen uns am nächsten Tag auf den Weg über die berühmte “05-Piste“ nach Mpika. Vorher gehen wir noch auf ausgiebige Pirschfahrt, denn wenn wir schon Eintritt bezahlen müssen, wollen wir natürlich auch den Park genießen. Für uns ist der South Luangwa Nationalpark neben dem Moremi in Botswana der schönste Park im südlichen Afrika. Man hat die Pisten im Park gut präpariert und sogar die Wegmarkierungen erneuert. Selbst die 05-Road ist beschildert. Tatsächlich ist die Piste in ordentlichem Zustand und wir kommen gut voran. Im breiten Sandbett des Lubi bleibe ich zwar in der größten Mittagshitze stecken, aber mit Luft Ablassen ist das Problem schnell überwunden. Planmäßig erreichen wir nachmittags die Parkgrenze am Mupamadzi. Doch eine Furt finden wir nicht, vielmehr scheint die Piste hier einfach zu Ende zu sein. Da wir kurz vorher eine Abzweigung nach rechts passiert haben, befahren wir diese flußabwärts in der Hoffnung, dabei die Furt zu finden. Statt dessen endet der Weg nach 15 Kilometern an einem verlassenen Camp. Nur die Feuerstelle und ein Holzgestell bleiben übrig, wenn die sogenannten Mobile Camps bei Saisonende wieder abgebaut werden. Wir sind ganz allein in diesem Teil des Parks, wenn man die Millionen Tsetsefliegen und die riesige Büffelherde nicht mitzählt. Mittlerweile ist es spät geworden und wir entschließen uns, hier zu campieren und morgen die Suche nach der Furt fortzusetzen. Am nächsten Morgen fahren wir zurück zu der Stelle, wo wir ursprünglich den Fluß erreichten. Um Sprit zu sparen, bleibt Ilona im VW-Bus zurück, mit Moskitonetzen geschützt gegen die unglaublich zahlreichen und aggressiven Tsetsefliegen. Jürgen und ich finden tatsächlich noch einen Weg, der weiter flußaufwärts führt und stehen alsbald an der eigentlichen Furt. Daß die Zufahrt in den Fluß nicht zu benutzen ist, sehen wir sofort. Durch eine leichte Flußkurve hat sich genau hier ein ca. ein Meter tiefer Graben im Wasser gebildet der selbst mit dem Toyota nicht überwunden werden kann. Auch die Auffahrt auf der anderen Seite schaut nicht sehr vertrauenerweckend aus. Wir fahren zurück, um Ilona und das zweite Fahrzeug zu holen und bleiben prompt in einem sandigen Trockenflußbett stecken. Wenn der Toyota stecken bleibt, muß der Tiefsand schon enorm sein. Schaufeln und Äste unterlegen hilft nur ein paar Meter weiter und so müssen wir wieder Luft ablassen. Mittlerweile ist es bereits unangenehm heiß und als wir Stunden später bei der mittlerweile auch etwas nervösen Ilona ankommen, gibt es erst einmal eine Büchse Bier für jeden. Gemeinsam fahren wir nun zur Furt und nehmen erst einmal ein erfrischendes Bad. Das Wasser im Fluß ist eigentlich nicht sehr tief, der Boden aber durchgehend sandig. Wir prüfen mindestens eine halbe Stunde weiche und weniger weiche Passagen im Fluß, finden eine flache Zufahrt und wagen dann die Durchfahrt. Im Fluß geht es problemlos, doch die Ausfahrt ist zu steil und von Elefantenspuren schlammig getreten und so bleibe ich mit dem Bus erst mal hängen. Erst beim dritten Anlauf erklimme ich die Böschung und nun sind alle Kameras auf den roten Toyota gerichtet, der mit einer spektakulären Fontäne durchs Wasser pflügt und auf Anhieb die Böschung meistert. Wir sind erleichtert, nehmen ein abschließendes Bad und weiter geht die Fahrt. Jedoch nicht weit, bereits einen Kilometer weiter werden wir im Scoutcamp schon erwartet. Es stellt sich heraus, daß wir seit 5 Wochen die ersten Fahrzeuge sind. Die Scouts freuen sich, da sie nun wissen, daß man den Fluß überqueren kann. Sie überprüfen unsere Eintrittsgenehmigung und wollen gerne noch ein wenig mit uns plaudern.

Der weiterführende Weg ist gut zu befahren und die Durchquerung des Mutinondo meistern wir ganz routiniert. Hier treffen wir auf einen bewaffneten Scout, der mit uns zum Ntunta Wildlife Camp fahren möchte. Fünf Stunden würde er zu Fuß brauchen und so nehmen wir ihn nach einer längeren Rast am Fluß natürlich mit. Wir sind etwas angespannt, weil der schlimmste Streckenabschnitt noch vor uns liegt. Auf nur 6 km Strecke müssen 700 Höhenmeter Anstieg auf das Escarpment bewältigt werden. Zunächst sind wir angenehm überrascht, denn die anfänglichen Steilpassagen sind betoniert. Als es dann aber noch steiler wird, müssen wir unsere Fahrzeuge über grobes Geröll mit fußballgroßen Steinen quälen. Immer wieder halten wir, um den Weg ein bißchen zu präparieren und die größten Steine aus dem Weg zu räumen. Bei der letzten wirklich steilen Stelle passiert es dann. Jürgen und Ilona beobachten meine Fahrt und schreien plötzlich laut: “Stop the engine!“ Es klingt sehr dramatisch, ich bleibe sofort stehen. Eine breite Ölspur hinter meinem Auto läßt nichts Gutes erahnen. Wir sichern den in der Steigung stehenden VW-Bus mit Steinen und hoffen daß es nicht die Ölwanne erwischt hat. Der Motorblock scheint in Ordnung zu sein, nur am Ölfilter kann ich eine Delle entdecken. Es scheint, daß es nur den Ölfilter etwas verdreht hat, denn ein Loch oder einen Riß kann ich nach dem Ausbau nicht entdecken. Beim erneuten Einschrauben merke ich, daß der Filter etwas eiert. Ich zieh ihn fest an, starte den Motor und wieder fließt Öl in Strömen. Bei der abermaligen Überprüfung des Ölfilters bemerken wir dann das schiefe Gewinde. Einen Ersatzfilter habe ich dummerweise nicht dabei (die letzten 10 Jahre schon, aber da ist nie was passiert), und so schraube ich den Filter nur ein Stück rauf und drücke ihn dann mit dem Stemmeisen wieder halbwegs gerade. Er ist tatsächlich wieder dicht, aber für diesen Tag ist mein Bedarf an Abenteuern dennoch gedeckt. In solchen Momenten höre ich immer allerlei Geräusche am Fahrzeug und dann ist es besser, sich rasch ein Nachtlager zu suchen. Wir übernachten direkt am Ntunta Wildlife Camp und am nächsten Morgen sieht die Welt schon wieder ganz freundlich aus, denn daß der Sprit schön langsam zur Neige geht, ist kein wirkliches Problem. Tatsächlich reichen meine letzten Tropfen Benzin bis 3 km vor die Tankstelle in Mpika, den Rest zieht mich der Toyota. In Mpika wollen wir eigentlich einkaufen, doch das Angebot ist sehr mager. Weder Rindfleisch noch Hühnchen können wir auftreiben, nur Eier und Brot. Nachmittags treffen wir in Shiwa Ngandu ein und verbringen einen unterhaltsamen Abend mit Mark Harvey, dem Besitzer der Kapishya Lodge, nehmen um Mitternacht noch ein Bad in den heißen Quellen und fühlen uns sauwohl.

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