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Kuomboka: Zambias größte ZeremonieKuomboka1

Ein Besuch im Jahr 2001

In Zambias Westprovinz, zwischen Lealui und Limulunga in der Nähe von Mongu, findet alljährlich zum Ende der Regenzeit eine altüberlieferte Prozession statt, die zu den bemerkenswertesten Zeremonien Afrikas zählt: die Kuomboka (wörtlich: aus dem Wasser auf trockenen Boden gelangen). Dabei handelt es sich um den königlichen Umzug des Litunga (oberster König der Lozi) aus dem überfluteten Barotsetiefland, wo sein Wohnsitz Lealui wie eine Insel im Flutgebiet liegt, in den am Hochufer gelegenen Palast in Limulunga. Der Umzug - er wird seit dem 18. Jh. praktiziert - geht auf königlichen Barken von statten. Die strengen Riten rund um das größte Spektakel der Lozi, ja aller Zambier, haben sich bis heute erhalten.

Der traditionelle Ablauf in Kurzform:
Nach schweren Regenfällen, wenn das Wasser steigt, geben die uralten, riesigen Stammestrommeln (Durchmesser je ca. 1 Meter) meist kurz vor Vollmond das Zeichen zum Aufbruch. Alles Hab und Gut wird in Kanus gepackt. Die Kanuflotte wird durch die königliche Barke, die “Natikwanda”, mit ihren 100 Paddlern angeführt. Diese Paddler sind in Tierhäute gekleidet, tragen rote Kopfbedeckungen und eine Löwenmähne. Ihr Boot ist ein riesiges, schwarzweiß gestreiftes Holzkanu, einst von einem deutschen Zimmermann gebaut. Die alten Trommeln sind auch mit an Bord. Auf dem Schiff weht die Litunga-Flagge in Rot mit einer Elefantensilhouette.

Die Flotte zieht nun vom Tieflandpalast Lealui in die hochgelegene Residenz in Limulunga. Hinter der Königsbarke fährt die etwas kleinere Barke der Königin. Dahinter folgen die Diener. Die Kanus sind rund sieben Stunden auf dem schmalen Flusskanal unterwegs, bis der neue Standort erreicht ist. Dort wird der König durch tanzende und singende Frauen empfangen. Er wechselt seine traditionelle Kleidung in eine eigens in London maßgeschneiderte Uniform eines britischen Admirals. Es ist eine Kopie der Uniform, die König Lewanika von Edward VII. 1902 erhalten hatte (stirbt ein Litunga, wird seine Uniform mit beerdigt und eine neue angefertigt). Nächtelang wird nun mit Gesang und traditionellen Tänzen gefeiert. Für die Lozi ist die Kuomboka die wichtigste Zusammenkunft des Jahres. Die farbenprächtige Zeremonie gilt jedoch weit über die Landesgrenzen hinaus als kulturelles Ereignis ohne Gleichen. Fernsehteams und Regierungsmitglieder reisen dazu bis in die abgelegene Region. Besucher aller Hautfarben und Nationen sind dabei willkommen. Das Hauptproblem für Touristen, dieser Zeremonie beizuwohnen, stellt die erst sehr späte Terminentscheidung dar, die von den traditionellen Beratern des Lozi festgelegt wird. Meist erfährt man erst ein bis zwei Wochen vor der Prozession davon. So traf Jürgen Tiefenthaler auch nur eine Handvoll weiterer "weißer" Besucher bei der Kuomboka 2001, die in diesem Jahr auf den 31. März fiel.

Hier sein Bericht:Mkishi Tänzer

“Eigentlich flog ich nach Sambia, um mein Auto wieder auf Vordermann zu bringen und dann am Sambesi bzw. Karibasee etwas zu entspannen.

Zuerst wurden Reifen besorgt, dann die Kiste zu Megatech gestellt. Diese Werkstatt unter deutscher Leitung, sollte für die nächsten Tage mein Zuhause sein. Währenddessen erzählte mir Josef, dass am kommenden Freitag die Kuomboka stattfindet. Also entschied ich mich, am Mittwoch dorthin in Richtung Mongu aufzubrechen. Doch am Dienstag stellte man fest, dass die Hauptfeder vorne rechts gebrochen war. Es gab nun 2 Möglichkeiten: Eine Feder schmieden lassen oder diese zu schweißen. Doch wie der Zufall so spielt, traf ich am Abend in unserer Stammkneipe einen Sambianer, der den selben BJ 45 fuhr wie ich. Auf die Frage, ob er weiß, wo man Blattfedern für dieses Auto bekommen könnte, kam ein “Ja”. In der Mühle, in der er arbeitet, hätten sie diese auf Vorrat.

Am Mittwoch Vormittag hatte ich dann tatsächlich von jedem Federpaket die ersten 2 Hauptfedern. Bis Mittag waren an beiden vorderen Federpaketen die Hauptfedern gewechselt. Anschließend fuhr ich noch Tanken (1 L Diesel = 2,35DM ), Einkaufen und die ersten 300 km löchrige Teerstraße bis zur Mukambe Lodge, direkt am Kafue River, gegenüber des Kafue Nationalparks. Nach einer von Löwen durchbrüllten Nacht ging es am Donnerstag nochmals 300 km weiter bis Mongu und weitere 16 km bis Limulunga, wo der Königspalast und auch ein Lozi-Museum stehen. Man empfing mich sehr freundlich. Von vielen wurde ich begrüßt und willkommen geheißen. Die Vorbereitungen waren indessen voll im Gange. Von Sträflingen wurde ein Zaun von der Lagune bis zum Palast entlang der Straße gestellt, als Sicherheitsmaßnahme für den sambischen Präsidenten Chiluba, der erwartet wurde. Wände wurden weiß gestrichen und die über 100 Polizisten, die extra aus Lusaka kamen, übten für den morgigen Tag.

Um 15:00 tauchte Präsident Chiluba mit seinen Gefolgsleuten auf und etwa eine halbe Stunde später trafen schon sozusagen als Vorhut die ersten beiden kleinen Boote ein. Diese sollen, gemäß der Tradition, erst einmal schauen, ob alles in Ordnung ist. Plötzlich begann die Menschenmenge zu jubeln und auf beiden Uferseiten wurde viel Wasser hochgespritzt. Am Ende der Lagune sangen und tanzten Frauen. 15 Minuten später erschien die königliche Barke angetrieben von ca. 80 Stakern. Sie waren mit einer roten Kopfbedeckung bekleidet und Stücken von Löwenmähnen. Im Zick-Zack-Kurs wurde nun mal das linke und mal das rechte Ufer angefahren, die Menge tobte. Wenig später schloss der Königshof mit zahlreichen anderen Boote auf. Man landete und die mächtigen Trommeln wurden ausgeladen. Erst dann zeigte sich der Litunga Lubosi Imwiko II, stieg majestätisch aus der Barke und schritt mit dem Präsidenten einschließlich Gefolge einige hundert Meter zum Palast hinauf. Die Menge war nun nicht mehr zu halten, der Zaun wurde niedergewalzt und ein riesiger Pulk folgte begeistert dem Litunga.

Am nächsten Tag begann um 10:00 das Tagesprogramm. Schulkinder mit ihren Lehrern zeigten einstudierte Tänze, dann kamen die Profis und Mkishi-Dancer (Tänzer in traditionellen Kostümen und Masken). Im Rhythmus der Trommelklänge wirbelten die vollkommen verhüllten und maskierten Tänzer vor den Zuschauer herum, mischten sich unter sie, trieben Schabernack und ernteten so begeistertes Gejohle und Lachen. Wer sich traute, trat hervor und wagte ein Tänzchen mit dem Meister. Chiluba

Als der Abend nahte wechselten die Trommeln in einen langsameren Schlag, den Männertanz, den natürlich auch nur Männer tanzen dürfen. Ob jung, ob alt - in langsam wiegenden Schritten bewegte sich eine Polonaise der Männlichkeit über den Platz, tief versunken im Klang der Musik. Ab 22:00 kehrte langsam Ruhe ein, doch um 3:00 nachts begannen die Trommel erneut zu spielen. Ihr tiefer Klang trug weit über den Platz, an Schlaf war nicht mehr zu denken.

Am Sonntag Nachmittag bin ich wieder abgefahren. Gefeiert wurde aber noch die ganze Woche. Für mich war dies eines der stärksten Erlebnisse, die ich in Sambia erfahren habe.

Noch einmal möchte ich die Freundlichkeit der Menschen hervorheben; auch die Polizei war trotz der vielen Menschen sehr zurückhaltend und stets hilfsbereit.”

Bild rechts: damaliger Präsident Chiluba

Bild unten: Mkishi-Tänzer in einer weiblichen Rolle

Mkishi Tänzer 2

Bild unten: Ankunft des Litunga auf der königlichen Barke

Kuomboka Zeremonie

Direkter Link zu unserem Bericht und den Infos: Kuomboka 2009

 

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