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Die Kuomboka: Zambias größte und berühmteste Zeremonie

Diese uralte Zeremonie der Lozi zählt zu den berühmtesten und größten Volksfesten Afrikas. Sie findet statt im Sambesi-Überschwemmungsgebiete der Westprovinz Sambias, und bedeutet übersetzt “aus dem Wasser auf trockenen Boden gelangen”.

Die Lozi leben in einem ebenen, staubigen Gebiet, das während der Trockenzeit nur vom breiten Strom des Sambesi durchschnitten wird. Das Volk lebt teilweise halbnomadisch nach traditionelle Art als Viehzüchter und Fischer. In der Regenzeit erhält der Sambesi aus dem fernen Hochland Angolas gigantische Wassermengen und schwillt zu einem riesigen Gewässer an. Die flachen Uferweiden der Lozi werden dann überspült und der Sambesi reicht schließlich bis an die 15 km entfernte Stadt Mongu, die auf einem Hochufer liegt, das den trägen Strom an weiterer Ausdehnung hindert. Dieses faszinierende Hochwasser, in dem nur mehr kleine Hügel aus der Wasserfläche ragen, auf denen einzelne Hütten und hie und da ein Bäumchen stehen, hat seinen Höhepunkt zumeist im März oder April. In diesem Jahr lösten die Wassermengen sogar ein Jahrhunderthochwasser aus.

Das königliche Oberhaupt der Lozi, der “Litunga”, besitzt zwei Paläste: In Lealui inmitten der Barotse-Flutebenen und rund 17 km entfernt in Limulunga auf dem trockenen Hochufer des Sambesi. Die Kuomboka ist die traditionelle Prozession des Litunga und seines Hofstaats vom überschwemmten Lealui nach Limulunga, die mittels königlicher Riesenbarken (Bild oben) und unzähliger begleitender Barken und Einbäume erfolgt.

Die Kuomboka Zeremonie zieht sich über sechs Festtage, wobei Tag Drei mit dem traditionellen, aufwändigen Umzug des Königs vom Palast in den Überschwemmungsgebieten des Sambesi zum Palast auf dem Hochufer den Höhepunkt des Festes bildet.

Diese Bilder zeigen den Hafen von Mongu, dessen Hütten nun inmitten des Sambesi stehen. Am Tag Zwei geht hier die Post ab: Werbeveranstaltungen von Großkonzernen mit erhöhten Showbühnen, Lautsprechern und Musik, Menschenmassen und dazwischen die Rinder. Die Männer tragen rote Mützen. Nachmittags läuft die Bootsregatta ein. Mongu füllt sich jetzt, alle Hotels und Gästehäuser sind ausgebucht, zahlreiche Privatleute bieten Zimmer und Campinggelegenheit in ihren kleinen Gärten an. In Limulunga, das 15 km nördlich von Mongu liegt, bereiten Uniformierte die Ankunft des Königs vor und stehen den vielen eintreffenden Besuchern mit Informationen zur Seite. Abends liegt Diskolärm über der Stadt. Überall schlendern Menschen in ziemlich entspannter Stimmung herum, ansonsten passiert nicht viel.

Dann kommt der Tag Drei und schon bei Sonnenaufgang füllt sich der Hafen von Mongu erneut. Diesmal allerdings vor allem mit auswärtigen Besuchern, wie Touristen, Diplomaten, Hauptstädtern und Studentengruppen. Trotz des Menschenauflaufs ist es im Hafen ruhig und friedlich. Jeder scheint heute gut gelaunt. Polizei und Soldaten sind anwesend, aber ganz zurückhaltend. Viele Besucher tragen auch die roten Mützen, manche sogar eine Lozi-Tracht. Jeder kann drauf los fotografieren, wie er möchte, Fremde haben anscheinend Narrenfreiheit. Niemand pöbelt oder bettelt. Die Touristen verlassen als erste in den langen Booten den Hafen von Mongu und lassen sich nach Lealui fahren, wo vormittags der Litunga seine Barke besteigen wird. Die Ehrengäste und Honoratioren und Notabeln treffen erst zwischen acht und neun Uhr am Hafen ein, wenn die meisten Besucher längst auf dem Weg nach Lealui sind. Diese illustren Gestalten tragen stolze Trachten; auch die Männer treten in wallenden Röcken auf.

Direkt im ärmlichen Hafenviertel geht dagegen das Leben unbeirrt und unbemerkt weiter wie jeden Tag; hier tragen auch nur wenige Menschen rote Mützen.

Für die Bootsfahrer ist dies der Tag des Jahres: Sämtliche Langboote, Schnellboote und Ausflugsboote der Gegend sind im Einsatz, um Hunderte Menschen von Mongu nach Lealui zu befördern. Dabei herrscht inmitten dieses Auflaufs noch eine strenge Ordnung: Es besteht Schwimmwestenpflicht und jedes Boot muss eine genaue Passagierliste führen, die vom Hafenmeister abgezeichnet wird. Der Bootskapitän kassiert vor der Abfahrt die Hin- und Rückfahrt und händigt jedem Passagier ein Ticket aus. Die Fahrpreise variieren vom Touristenpreis (100 000 Kwacha) bis zum “Spät-Abfahrts-Einheimischenpreis (60 000 Kwacha). Ausflugsboote, die die Prozession von Lealui bis Limulunga begleiten, verlangen etwa 40 US$ pP. 

Die Boote müssen große Umwege fahren, um nach Lealui zu gelangen und brauchen 40-60 Minuten pro Strecke. Erst diese Bootsfahrt verdeutlicht einem das ganze Ausmaß, welches der Sambesi angenommen hat. Man fährt an einsam aus dem Wasser ragenden Schilfhütten vorbei, sieht die Kormorane und Bienenfresser auf Bäumen sitzen, deren Stämme unter Wasser stehen, und kommt an wackeligen Einbäumen vorbei, in denen ganze Familien mit ihrem Gepäck hocken und so den riesigen Strom überqueren wollen.

Es gibt keine feste Startzeit für die Prozession in Lealui. Offiziell wird 9 Uhr angegeben, realistisch ist es zwischen 10 und 11 Uhr. Bis dahin sammeln sich all die Besucher auf der kleinen Insel, die inmitten des Sambesi geblieben ist. Der Litunga und seine wichtigsten Begleiter halten sich im Palast auf, während die über 100 Paddler bereits seit Stunden auf der königlichen Barke warten und ein imposantes Bild abgeben. Die muskulösen Paddler sind in Leopardenfelle gekleidet und tragen rote Kopfbedeckungen, manche mit Löwenmähnen. Das schwarzweiß gestreifte Schiff ist wie ein überdimensioniertes Kanu gebaut. In klarem Rhythmus wird die dumpfe, mächtige, königliche Trommel geschlagen.

In diesem Jahr steht das Wasser so hoch, dass zwischen dem Palast und der Barke Sandsäcke ausgelegt werden müssen, damit der Hofstaat trockenen Fußes zu den Booten gelangt. Als der Litunga schließlich erscheint, müssen sich alle Menschen niederbücken. Vor dem Litunga tragen seine Begleiter symbolische Gegenstände zum Boot, die das Umzugsgut darstellen. Im Boot stehen die Paddler bereit, die Trommelschläge erhöhen die Spannung. Dann ist es so voll, dass man kaum noch die Akteure sehen kann.

Als erstes setzt sich die königliche Barke unter dem eifrigen Staken der Paddler in Bewegung. Es ist das längste Boot und wird von einem riesigen Papp-Elefanten überragt. Ihm folgen weitere königliche Barken, in denen die Frauen reisen oder die heiligen Trommeln überführt werden. Direkt im Anschluss folgen unzählige Boote und Einbäume dem königlichen Auszug aus Lealui, die sich nun alle auf den stundenlangen Weg nach Limulunga begeben.

Für alle anderen Gäste beginnt dagegen die Rückfahrt nach Mongu – sofern jeder sein Boot findet, für das er bereits bezahlt hat. Dies gelingt jedoch erstaunlich gut.

 

 

 

 

 

 

Die Nachmittagsstunden verlaufen ruhig. Die Gäste kehren zunächst nach Mongu zurück und fahren von dort nach Limulunga, um das Eintreffen der Prozession zu erwarten. Es bilden sich wieder Menschenmassen. Der Litunga schreitet von der Anlegestelle zum Palast, zieht sich dort um und lässt sich dann vor dem Palast vom Volk huldigen. Hier gibt es bestuhlte, schattige Bereiche für VIP-Gäste und Absperrungen, die auch die Touristen vor dem Andrang des einfachen Volks schützen sollen. Der Litunga sitzt in einer nostalgischen britischen Admiralsuniform neben dem Landespräsidenten und nimmt die Begrüßungsreden entgegen. Seine Untertanen dürfen sich nur gebückt oder kniend nähern, für Frauen gibt es ein paar Tabu-Bereiche, die sie nicht betreten dürfen. Dann folgen ein paar ziemlich undisziplinierte Tänze, endlos lange Reden und schließlich politische Statements. Damit geht dann mit der Sonne allmählich auch die Stimmung dahin und die Veranstaltung löst sich langsam auf. In einer Fahrzeugkolonne werden die Politiker und VIPs nach Mongu zurückgefahren. 

Ein paar Tipps:

Für die Bootsfahrt sollte man unbedingt guten Sonnenschutz und Trinkwasser dabeihaben. Außerdem Geld in passenden kleinen Noten. Da es sich um ein traditionelles Fest handelt, sollte man sich adäquat kleiden (dezente Farben, keine Shorts für Mann oder Frau, nicht zu freizügig). Die roten Mützen, die überall für etwa einen Dollar verkauft werden, tragen übrigens nur Männer.

Da Mongu zur Kuomboka restlos ausgebucht ist und die Preise sich dabei verdrei- bis –fünffachen, empfiehlt sich, rechtzeitig eine Bleibe zu finden. Leider wird der exakte Zeitpunkt der Kuomboka stets erst kurzfristig bekannt gegeben, in schwachen Regenjahren fällt die Zeremonie sogar aus. Sie findet aber immer in den Vollmondnächten statt, zumeist im März oder April.

Direkt zu unserem Bericht Kuomboka 2001

 

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