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Willkommen beim Ilona Hupe Verlag

Der Spezialist für Afrika und Oman

Neuigkeiten aus Karonga im Norden Malawis

Ein Bericht vom Oktober 2005 (Text unverändert Stand 10/2005).

Dank der Träger EU, Deutsche Botschaft und GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) entsteht an diesem historischen Ort ein interessantes Projekt. Um den bemerkenswerten paläonthologischen Funden Rechnung zu tragen - immerhin wurden hier 2,5 Mio. Jahre alte menschliche Fragmente und 100 Mio. Jahre Saurierknochen entdeckt - hat Karonga ein modernes, anspruchsvolles Museum erhalten.

Darüber hinaus wird auch die jüngere vielfältige Geschichte der Stadt und Region nicht ausgespart. Besucher können in Karonga geführte Ausflüge zu den Stätten der Kolonialgeschichte, Missionsgeschichte, des frühen Straßenbaus (die legendäre Old Stevenson Road beginnt in Karonga) und zu landschaftlichen Besonderheiten, wie den Mbande Hot Springs, unternehmen.

Saurierpuppet

Links: Kinder begleiten ein Modell des Malawisaurus durch Karonga

Frau Stephanie Müller vom Cultural & Museum Centre Karonga hat uns einen anschaulichen Bericht zur Verfügung gestellt, den wir hier gerne veröffentlichen wollen, um möglichst viele Interressierte und Reisende anzusprechen:

Kultur, Natur und Mensch: Geschichte ganz (be-)greifbar

”Die Wiege der Menschheit steht in Malawi. Zumindest eine davon. In Karonga,dem nördlichsten Distrikt des 120 000 Quadratkilometer kleinen Nachbarlandes von Tanzania, Mozambique und Sambia, findet der Frankfurter Paläoanthropologe Professor Dr. Friedemann Schrenk seit mehr als 15 Jahren Spuren frühesten Lebens: 100 Millionen Jahre alte Dinosaurierknochen und 2,5 Millionen Jahre alte Fragmente von Vor- und Urmenschen, durch Erosion auf einem 80 Kilometer langen Sedimentstreifen zusammengetragen. Eine kleine wissenschaftliche Sensation, decken doch die Hominidenfunde des Frankfurters die Fundlücke zwischen den bekannten Hominidenfundstätten im südlichen und östlichen Afrika.

Karonga Museum

Bild oben: der neue Museumsbau (inzwischen fertiggestellt)
Bild rechts: Kanone aus der Kolonialzeit

kanone

 Für die Bevölkerung des 200 000 Einwohner starken Distrikts blieb die Sensation jedoch aus. Die Idee an der geschichtsträchtigen Stätte ein Museum zu errichten, das vor Ort auch die lokale Bevölkerung über das reiche naturhistorische Erbe der Region informierte und sie aktiv involviert war schnell geboren, doch ebenso schnell wieder verworfen, hatte doch noch nicht einmal die Hauptstadt, Lilongwe, ein Museum. Das Konzept schlummerte in den Schubladen der Behörden. Erst 1998 - mit der Einführung des Schlagwortes Dezentralisierung in Malawi - kam es wieder ans Tageslicht. Die Idee stieß nicht nur bei der Regierung der jungen Demokratie auf offene Ohren: Die Europäische Union, die Deutsche Botschaft in Malawi und die GTZ wurden hellhörig und auch eine lokale Trägerstruktur war schnell gefunden: die Mitglieder des Karonga Development Trust (KADET) und der Uraha Foundation Malawi hatten es sich nicht lange nach dem ersten Fossilfund - 1991 - auf ihre Fahne geschrieben, das Museumsprojekt tatkräftig zu unterstützen.

Bild rechts: Einer der großartigen Funde von Karonga. Dies ist der 2,5 Mio. Jahre alte Unterkiefer eines unserer Vorfahren

Unterkiefer

Den ersten Schritt in die richtige Richtung machte die GTZ: Auf Initiative von Dr. Ulrich Weyl, Leiter des GTZ Border Zone Development Projects, Malawi, und Horst Hertel, damaliger Referatleiter der Einheit Malawi und Mozambique, entstand ein Konzept, das zur Umsetzung des kühnen Vorhabens führte: Ein integriertes Forschungs-, Kultur- und Museumszentrum sollte Inhalte der Jahrmillionen alten Kultur-, Natur- und Menschheitsgeschichte Malawis anschaulich und verständlich widerspiegeln, die Bevölkerung aktiv in die Ausgestaltung miteinbeziehen und darüber hinaus als kultureller Treffpunkt und internationale Begegnungsstätte für Anthropologen fungieren. Leichter gesagt, als getan - doch das Konzept überzeugte: Die EU finanziert seit Beginn 2001 mit 300 000 Euro den Bau des dreiteiligen Komplexes inmitten Karongas und die GTZ beteiligt sich an den gleichzeitig einsetzenden Implementierungsarbeiten mit einer Eigenmaßnahme in Höhe von 60 000 Euro.

Dinotherium

Links: Die Arbeit der Paläonthologen ist mühselig und erfordert viel Geduld

Das Konzept der GTZ EM "Cultural & Museum Centres Karonga - CMCK" sieht vor, aktive Partizipation der Dorfgemeinschaft durch Aufklärungsarbeit wie Theateraufführungen in der lokalen Sprache, Unterricht in Schulen, Einbindung lokaler Jugend- und Dramagruppen und NGOS als Nutznießer des Zentrums zu erreichen. Voraussetzung für die Arbeit des CMCK-Teams war jedoch zu aller erst die Ausstattung des kleinen Büros in der Gemeindeverwaltung. Die Mittel der EM ermöglichten die Anschaffung eines geländegängigen Mobils, in der Regenzeit unabdingbares Vehikel zur Fortbewegung auf unbefestigten Straßen, zweier Computer sowie technischem Gerät zur Vermittlung und Dokumentation wie Videokameras und Fotoapparate.
Die erste Phase der Arbeit des dreiköpfigen CMCK-Teams konzentrierte sich vor allem auf die Erforschung der existierenden kulturellen Initiativen im Distrikt wie Tanz, Oral Creativity, Musik, Kunsthandwerk und Theater. Insgesamt wurden mehr als 1000 Interviews geführt, mehr als 300 kulturelle Initiativen unter den beiden Hauptstämmen der Tumbuka und der Ngonde registriert.

Weitere Interviews mit der Bevölkerung folgten, um Erwartungshaltungen gegenüber der zumeist unbekannten Institution Museum und des geplanten Amphitheaters sowie Probleme in der Vermittlung von Traditionen herauszuarbeiten.

Die Auswertung der kulturellen Bestandsaufnahme dient nun der zielgruppengerechten Umsetzung und Ausarbeitung eines monatlich wechselnden Kulturprogramms sowie der Ausgestaltung des Amphitheaters.

Ein weiteres Augenmerk der Implementierungsarbeiten galt dem Anwerben von Sponsoren. Durch regionale und nationale Öffentlichkeitsarbeit und Fundraisingveranstaltungen gelang es dem Team, Gelder innerhalb Malawis aufzutreiben.

Darüber hinaus zeigt ein gerade ausgearbeitetes Konzept zu geführten Touren durch die 100 Millionen Jahre alte Geschichte Karongas mögliche neue Einnahmequellen auf: der Bau des Cultural & Museum Centres lockt nicht nur inländische Besucher in den nördlichsten Teil des Landes, vor allem Touristen entdecken nun mithilfe des CMCK-Teams das reiche historische Erbe Malawis. Die Nachhaltigkeit des Projektes scheint somit, was Finanzierung und lokale Trägerstruktur anbelangt, gesichert: Jugendgruppen, Schulen und NGOs halten aktiv durch ihre eigens gewählten "Museumsbeauftragten Kontakt, das Kulturprogramm mit Theater- und Musikgruppen aus der Region wurde ausgiebigst getestet. Auch die Zusagen der Regierung, die das CMCK nach Fertigstellung verwalten und managen wird, stimmen positiv: Dr. Gadi Mgomezulu, zweiter Mann im Ministerium für Kultur, Sport und Erziehung: "Mit dem Konzept eines Museums für die Dorfgemeinschaft wollen wir Vorbild sein für andere afrikanische Staaten. Unser kulturelles und historisches Erbe zu pflegen und es mit unseren Mitmenschen zu teilen ist leider keine Selbstverständlichkeit. Das CMCK bietet uns jetzt eine geeignete Plattform die eigene Herkunft und seine Wurzeln neu zu entdecken."

Anmerkung des Ilona Hupe Verlags: Das Museum ist inzwischen fertiggestellt und für Besucher zugänglich.


 

Tondinos

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