Bild_Layout_oben

Willkommen beim Ilona Hupe Verlag

Der Spezialist für Afrika und Oman

Projektvorstellung: Chimfunshi Wildlife Orphanage

Dieses Projekt führt uns nach Zambia, und zwar an seine nördlichste Randzone nahe der Republik Kongo, am Oberlauf des Kafue. In Chimfunshi dreht sich alles um Schimpansen. Ein einzelnes Ehepaar hat hier Großartiges geleistet.


Bilder oben: Kafue River vom Campsite aus; glückliches Schimpansenbaby; Warnschild für Ortsfremde!

Eigentlich hatten David und Sheila Siddle Anfang der 1980er Jahre gar nichts anderes vor, als ihre einsame Rinderfarm am Kafue im abgelegenen Norden Sambias zu betreiben und vielleicht ein wenig mehr Ruhe zu finden, seit ihre 5 Kinder außer Haus waren. Aber dann stand eines Tages Schwiegersohn Pierre, ein ehrenamtlicher Wildhüter, vor der Tür - mit einem blutigen, kleinen, sterbenden, schwarzen Bündel auf dem Arm. Ein schwer verletztes und misshandeltes Schimpansenbaby war Wilderern entrissen worden, und niemand gab ihm damals, im Jahr 1983, eine Überlebenschance. Trotzdem nahmen die Siddles das unglückliche Schimpansenbaby sofort auf und mühten sich rührend um den kleinen Pal. Sheila beschreibt in ihrer Biographie, wie sie entschieden, das Kleine einfach wie ein Menschenbaby zu behandeln: ihm Wärme, Nähe, Zärtlichkeit, Schutz und Nahrung anzubieten. Entgegen aller Prognosen überlebte Pal tatsächlich trotz seiner äußeren und inneren Verletzungen, und die Siddles entwickelten eine Ahnung vom Trauma und der Verletzlichkeit der Schimpansenwaisen. Und verloren für immer ihre Chance auf einen ruhigen Lebensabend... aber das ahnten sie damals sicher noch nicht. Mit Pal begann eine Entwicklung, die in rasantem Tempo zu einem Schimpansenschutzgebiet führte. Denn es sprach sich rasch herum, dass es einem Farmerehepaar im Norden Sambias, an die Grenze zum Kongo, gelungen war, ein Schimpansenbaby zu retten. Dass sie bereit seien, andere Notfälle aufzunehmen. Und davon gab es leider viele. Immer mehr Schimpansen aus aller Welt fanden ihren Weg nach Nordsambia.
Und immer hatten die Kleinen Fürchterliches erlebt, grausame Erinnerungen “im Gepäck” und meistens auch zahlreiche körperliche Wunden und Misshandlungen am Körper. Die Tiere waren illegalen Wilderern abgenommen worden, auf Straßenmärkten entdeckt worden, wo man sie zum Verkauf anbot, mitunter auch beim Zirkus ausrangiert oder beim Zoll als Schmuggelware konfisziert worden. Sie kamen aus ganz Afrika, Südamerika, Asien und Europa. Jedes Tier war traumatisiert und brauchte intensive Pflege. Schon bald war an ein geregeltes Farmleben nicht mehr zu denken. David und Sheila Siddle verausgabten sich in jeder Hinsicht für ihre Schimpansen. Sie pflegten die Tiere rund um die Uhr und steckten jeden verfügbaren Penny in das Projekt. Noch heute lebt die Familie im kleinen Farmhaus aus den 1950er Jahren. Investiert wurde stets nur in die Gehege der Schimpansen.


Bilder oben: Das Gebäude der Jungschimpansen; Schulkinder bei der Chimfunshi-Führung; Dominique füttert einen der Jüngsten mit der Flasche

Ihr unermüdlicher Einsatz überstand viele Sorgen und Rückschläge. Es dauerte Jahre, ehe internationale Tierschutzvereinigungen auf Chimfunshi aufmerksam wurden. Die beiden Laien sind anfangs von “wissenschaftlichen Koryphäen” abschätzig missachtet worden, haben sich aber rasch die Anerkennung von Fachleuten, wie Jane Goddall erworben, die den Siddles eine wertvolle Informationsstütze wurde. Heute ist Chimfunshi weltweit bekannt, wozu zahlreiche Filmbeiträge, z.B. von BBC, beigetragen haben. Besucht man Chimfunshi selbst, ist überall zu sehen und spüren: Dies ist ein leidenschaftlich geführtes Familienprojekt, in dem sich alles, aber auch wirklich alles, um den Schutz und die Pflege der mittlerweile weit über 100 Schimpansen dreht. Keine moderne, mediengerechte Vermarktung - sondern äußerst ehrlicher Tierschutz.

 In Chimfunshi finden alle Neuzugänge zunächst eine neue Heimat im Bereich der Käfige und werden dann behutsam in einen der sieben Clans integriert. Nicht alle Tiere dürfen später in freien Gehegen leben, manche sind so angeschlagen, dass sie ihr Leben in Käfigen verbringen müssen. Aber jedes einzelne Tier rufen Sheila Siddle, Tochter Sylvia und die vielen Angestellten beim Namen und kennen ihre Vorlieben, Ängste und Schwächen. David Siddle ist 2006 verstorben.

25 feste Mitarbeiter halten den Betrieb am Laufen. Zu den wichtigsten Helfern gehören die fröhliche Mary und der einfühlsame Dominique, der mit Besuchern den Bush Walk unternimmt. Mary kümmert sich um die Organisation der Fütterungen, die dreimal täglich stattfinden. Morgens bekommen die Schimpansen Milch und Nshima (traditioneller Maisbrei). Mittags gibt es Nshima mit viel frischem Obst und Gemüse, am frühen Nachmittag dann noch ein paar Süßkartoffeln mit Milch. Schimpansen sind nicht wählerisch. Sie lieben Avocados, Auberginen, Orangen, Kohlköpfe, Mangos - alles, was die Saison gerade reifen lässt. Die großen Mengen an frischen Nahrungsmitteln liefern die umliefenden Dörfer. Dienstags und freitags ist Liefertag der Nachbardörfer, jeden Montag und Mittwoch bringen die Bauern vom nördlichen Kafueufer ihre Waren. So profitieren viele Dörfer vom Schimpansenprojekt.
 
 
Bilder oben: Hippo Billi liebt immer noch die Milch aus der Flasche; die Schimpansen bekommen ihre Milch dagegen in diesen schweren Eisenkrügen gereicht

Die “Grande Dame” von Chimfunshi heißt Milla und lebt seit 1990 in Chimfunshi. Jane Goodall hatte sie seinerzeit aus Tansania mitgebracht, wo die kluge Schimpansin in einer Bar gehalten worden war und sich systematisch zur Kettenraucherin und Alkoholikerin entwickelte. Sie war bei ihrer Ankunft schon über 30 Jahre alt und hat auf der ständigen Suche nach Alkoholika im Haus der Siddles manches Chaos angestellt. Heute ist sie wie eine sanfte Großmutter und lebt in einem der größeren Freigehege.

Alice und Cindy sind Schwestern. Eine Familie an der Elfenbeinküste hatte sie wie kuriose Haustiere aufgezogen. Sie waren mit Bikinis bekleidet und mit einem Surfbrett ausgestattet worden. Man fand das wohl amüsant. Aber irgendwann sind die beiden putzigen Schimpansenmädchen gewachsen und niemand wurde ihrer mehr Herr. Also schickte man sie nach Chimfunshi, wo sie nun artgerecht mit ihresgleichen leben dürfen (ohne Bikini). Beide sind oft bei den Bush Walks dabei, die Besucher mit ausgewählten jungen Schimpansen und dem Pfleger Dominique unternehmen dürfen. Cindy hat eine Marotte für Schnürsenkel und viel Ausdauer und Geschick - sie klaut gerne Schuhe. Alice ist die Sanftere. Sie bringt dem Besucher Blätter und möchte sich damit füttern lassen.


Bilder oben: Die sanfte Alice, das Farmhaus der Siddles mit Billi im Teich und Sylvia Siddle bei Billis täglicher Milchfütterung

Auch viele andere Tiere haben in Chimfunshi eine sichere Heimat gefunden und tragen dazu bei, dass Chimfunshi wie eine Arche Noah wirkt. Billy, die mollige Hippodame ist das bekannteste Maskottchen. Sie wurde 1992 schwer verletzt unter dem toten Leib ihrer gewilderten Mutter gefunden. 10 Tage war Billy damals alt, und Sheilas besonderes Sorgenkind für die nächsten Wochen und Monate. Heute demoliert sie unabsichtlich Autos und Sofas, wenn sie sich anlehnt, und liebt immer noch die tägliche Fütterung mit der Milchflasche! (Anmerkung der Red.: Billy ist 2012 leider gestorben).

Schimpansenbabies benötigen im ersten Lebensjahr ebensoviel Fürsorge wie ein Mensch. Bei unserem Besuch im Oktober 2006 zog Sylvia Siddle ein Schimpansenbaby auf, das von seiner Mutter verstoßen worden war. DeeDee trug Windeln, ließ Sylvia keinen Augenblick allein und benahm sich ähnlich quengelig und neugierig wie ein menschliches Baby.

Im September 2007, kaum ein Jahr später, hat Sylvia wieder einen Winzling auf dem Arm. Dominique heißt der Wildling, zu Ehren des sanftmütigen gleichnamigen Pflegers. Für die Ersatzmama ist das ein anstrengender Fulltime-Job.

Bild rechts: Sylvia Siddle kümmert sich zusammen mit ihrer Mutter Sheila um Chimfunshi Orphanage. Eine weitreichende Entscheidung. Um in der Einsamkeit von Chimfunshi zu leben, musste Sylvia ihren Beruf und ihr früheres Leben in der Stadt aufgeben.

 

Chimfunshi schenkt den Schimpansen, die sich aufgrund der Rahmenbedingungen in Sambia nicht ganzjährig selbst aus der Natur versorgen können, die größtmögliche Freiheit, die man Wesen, die sowohl von Zufütterung abhängig sind, als auch Schutz vor Wilderei brauchen, überhaupt gewähren kann. Sie sind sozusagen in riesigen Freigehegen ausgewildert – kein Zoo bietet Schimpansen ein großzügigeres Umfeld, und nirgendwo in ihrer tropischen Heimat fänden sie diesen Frieden.


Bilder oben: Tobende Schimpansen in einem der drei Freigehege. Mitte: Jedes Freigehege hat ein festes Gebäude, in dem die Tiere zugefüttert werden.

Chimfunshi Wildlife Orphanage ist kein touristisches Projekt! Besucher sind willkommen, solange sie sich in die Tagesabläufe einfügen. Im Mittelpunkt stehen unangefochten das Wohl der 114 Schimpansen und der Bildungsgedanke, z.B. die zahlreichen Schulklassenbesuche. Wer als Tourist ehrliches, und nicht voyeuristisches Interesse zeigt, wird manchmal fast schon familiär aufgenommen. Interessierte Besucher dürfen im Education Centre nächtigen (14 Euro pP), bei Sylvia Siddles Haus am Kafueufer campieren (einfache, idyllische Kuhwiese mit rudimentären Sanitäreinrichtungen, 6 Euro pP), vormittags am Bush Walk mit den jungen Tieren teilnehmen (ca. 20 Euro pP) sowie einer Fütterung beiwohnen und die Freigehege besuchen (11 Euro pP). Kontakt: Tel./Fax 0212-311293/100. Wir empfehlen dringend, sich für den Besuch Zeit zu nehmen und nicht nur den Empfangsbereich bei den Käfigen und dem Hippoteich zu besuchen, denn das würde einen unvollständigen Eindruck vom Projekt vermitteln. Bei ehrlichem Interesse freuen sich die Mitarbeiter über Fragen und Neugier. Spenden für das Projekt sind herzlich willkommen.

Der Bush Walk geht förmlich "unter die Haut": Engster Körperkontakt, Schmusen, Abtasten, Rangeln. Verdreckte und zerrissene Kleidung ist nicht auszuschließen. Nur geeignet für Leute, die solche Nähe nicht scheuen, sondern als Sternstunde ihres Lebens wahrnehmen können.


Bilder oben: Persönliche Erinnerungen an unsere Besuche in Chimfunshi. Beim Bush Walk entsteht engster Kontakt zu den Schimpansen. Wer Tiere liebt, wird den Bush Walk als Höhepunkt des Besuchs erleben. Mitte: Die Campingfläche am Kafue neben Sylvia Siddles Farmhaus.

Unser besonderer Buchtipp: “Ein Garten voller Schimpansen”, die Biographie von Sheila Siddle, im Wunderlich Verlag erschienen unter ISBN 3-8052-0741-7. Erhältlich auch beim deutschen Chimfunshi Verein unter www.chimfunshi.de. Nicht nur für Chimpansenfreunde geeignet, denn das Buch erzählt mitreißend eine phantastische Lebensgeschichte. Und ein tolles Geschenk ist es auch!

Weitere Informationen finden Interessierte unter www.chimfunshi.de (Dt. Verein) und www.chimfunshi.org.za Hier kann man auch für wenige Euro im Monat die Patenschaft für einen Schützling übernehmen.

Direkte Links: Zurück zu den Förderprojekten
Direkt weiter zu den anderen Förderprojekten:
Painted Dog Conservation Project, Chipembele Wildlife Education Trust
und
Wildlife Action Group/Thuma Reserve Malawi

 

Impressum
Ilona Hupe Verlag, Ilona Hupe, Volkartstr. 2,
80634 München, Deutschland
Tel. +49-89-16783783 Fax 1684474, Email info@hupeverlag.de
Ust-IdNr: DE 179348838