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Willkommen beim Ilona Hupe Verlag

Der Spezialist für Afrika und Oman

Zwei Reisen im Frühjahr 2006:

Botswana

Kalahari und Okavangodelta
direkt nach dem großen Regen



Ostern 2006, am Ende einer außergewöhnlich starken Regenzeit im südlichen Afrika. Unsere Tour durch Botswana war seit Monaten geplant, aber nun löst der viele Regen doch unerwartete Spannung aus:
Das Wildreservat Moremi war wochenlang gesperrt gewesen, zahlreiche Wege überflutet, Holzbrücken zerstört, Lodges nicht erreichbar.
Die Meldung hatten sich überschlagen, waren aber größtenteils konfus geblieben. Was würde unsere bunte Truppe von acht Reiselustigen unterwegs erwarten
?

Zimbabwe

Wiedersehen
mit einem liebgewonnenen Land Afrikas


Wenige Tage nach unserer feuchten Botswana-Tour
brachen wir in neuer und kleinerer Gruppenkonstellation
zu einer Reise durch das nördliche Zimbabwe auf.

Dieser Bericht ist eine persönliche Schilderung
unserer Reiseerlebnisse
und eine Einschätzung der touristischen Situation im Land
– und damit bewusst unpolitisch.

Ein Reisebericht von Ilona Hupe

Erster Teil der Reise: Nasse Tour durch Botswana

Start ist wie immer in Lusaka, der Hauptstadt Sambias, die uns Mitte April im tropisch grünen Kleid empfängt. Mit einem Zwischenstopp in Choma geht es direkt nach Livingstone an die Viktoriafälle.
Nasser geht es nicht. Keine Pore ist an meinem Körper trocken geblieben. Ich stehe unter der größten Freiluftdusche Afrikas. Es prasselt unentwegt auf mich herab, der Sambesi rinnt mir übers Gesicht, in die Augen, donnert mir in den Ohren. Der Aufwind kühlt mich aus, ich fröstele am sonnigen Nachmittag, der schweißtreibende Aufstieg vom Boiling Pot ist längst vergessen. In diesem Augenblich bin ich mir sicher – bei Hochwasser sind die Viktoriafälle am schönsten!
Später sitzen wir zu acht am Ufer, ein kühles Bier in der Hand, und lassen die rote Sonne in den Sambesi sinken. In den kitschigen Sonnenuntergang mischt sich Vorfreude. Auf nach Botswana!

Am Sambesi herrscht Verkehrsstau. Weit mehr als 30 Lkws warten beiderseits der Kazungulafähre auf eine Überfahrt. Zum Glück haben Pkws Vorrang und wir setzen ohne Wartezeit über. Morgens hatten wir noch unter dem dröhnenden Lärm der Helikopter-Rundflüge gefrühstückt, mittags sitzen wir schon ganz allein im Akazienschatten mitten auf der Hunters Road und beobachten Pferdeantilopen und Elefanten.
Kazuma Pan

Trotz wassergefüllter Pfannen lässt sich die sandige Hunters Road befahren und wir genießen einen Nachmittag mit etlichen Giraffen, Zebras, Riesentrappen und einer Gnuherde auf der Kazuma Pan. Am Pfannenrand, nahe einzelner Fächerpalmen, schlagen wir unser Nachtlager auf, während Donnergrollen und mächtige Wolkentürme ein herannahendes Unwetter ankündigen. Das Gewitter bricht natürlich genau über uns herein, als die Curry-Chicken serviert werden. Mit Rotwein unter der hastig aufgespannten Plane trinken wir uns sozusagen den Regen schön.

Dieser späte Regen, der fast die ganze Nacht andauert, lässt uns ahnen, dass es schwierig werden könnte mit unserem Besuch der Makgadikgadi Pans.

Kalahari-SundownUnd so kommt es dann auch: Nachdem wir in Nata alle Reserven voll getankt haben, machen wir uns auf den Weg nach Kubu Island, jener eigenwilligen Felsinsel am Westufer der Sowa Pan. Niemand in der Gegend hat eine Ahnung, ob Kubu Island erreichbar ist. Die erste Zufahrt endet schon wenige Hundert Metern, nachdem die Fahrspur die Asphaltstraße verlässt, in einer endlosen Reihe Wassertümpel, die eher an die Masurische Seenplatte als an die Kalahari erinnern. Auch der zweite Versuch, die Felsinsel in einem weiteren Bogen um die Sowa Pan anzusteuern, entpuppt sich nach anfänglichem Erfolg als Sackgasse: Die Sandpiste führt direkt in einen riesigen See. Hier geht es definitiv nicht mehr weiter. Der ganze Großraum um die Makgadikgadi Salzpfannen steht offensichtlich unter Wasser.

Jetzt heißt es, eine gute Alternative zu finden. Wir entscheiden uns für den Nxai Pan Nationalpark und erreichen dessen Gate gerade rechtzeitig zur stimmungsvollen Sundowner-Pirschfahrt. Der Park entschädigt uns für die entgangenen Salzpfannen, auch wenn das Camp nicht einmal mehr Wasser für die Gäste hat. Aber keiner denkt an fehlende Toiletten und Duschen, wenn Giraffenherden mit vielen Jungtieren lautlos durch das Grasmeer ziehen. Am Abend genießen wir Spaghetti am Lagerfeuer, den nächtlichen Ruf der Schakale und einen phantastischen Sternenhimmel.

Bei Sonnenaufgang unternehmen wir einen Game Drive, und werden fürs frühe Aufstehen mit einem Geparden, der bis zu unseren Autos heran läuft, und jungen Schakalen belohnt. Mittags brechen wir zu den berühmten Baines Baobabs auf. Die Kudiakam Pan, an deren Rand die wuchtigen Riesenbäume stehen, füllt sich zur Regenzeit bekanntlich auch mit Wasser. Die Pfannen sind gerade am Abtrocknen, wir kommen durch bis zu den Baobabs, aber es ist eine spannende Fahrt.

BainesBaobabs3NasseSalzpfanneBainesBaobabs1

Central Kalahari Game Reserve – wir alle freuen uns seit Tagen auf die Zentralkalahari. Hier erwarten uns sicherlich keine Schlamm- und Wassertümpel, aber eine zarte Vegetation, die durch den vielen Regen eine Blüte sondergleichen erlebt haben dürfte. Zuerst erschreckt uns ein wenig, wie viele südafrikanische Touristen sich hier tummeln. Von wegen einsame Zentralkalahari – im Bereich Deception Valley sind praktische alle Camps belegt. Ruhiger wird es erst, als wir das Letiahau Valley durchfahren und uns der abgelegenen Piper Pan zuwenden. Und dann fahren wir stundenlang durch verblühende Wildblumen, robuste Gräser, Dorngebüsch und würzige Kräuter, deren intensiver Duft uns begleitet. Dass die Zentralkalahari eine Wüste sei, ist sowieso Blödsinn, aber mit dieser üppigen, flächendeckenden Pflanzenpracht haben die wenigsten gerechnet. In den Tälern weiden Tausende Oryxantilopen und Springböcke. Die Tiere sind prächtig genährt, man kann sich kaum vorstellen, wie ausgehungert sie vor einem halben Jahr wohl noch durch die verdörrte Natur streiften. Das hier müssen paradiesische Zustände für die Wildtiere sein. Überall sind Jungtiere zu sehen, die schon in einigen Monaten erleben werden, wie hart das Leben in der Trockenzeit sein kann. Wir haben diesen Teil der Kalahari schon in verschiedensten Jahreszeiten bereist, aber so lieblich und wildreich habe ich sie nie zuvor gesehen. Das Klima ist angenehm, die Tiefsandpassagen mühelos befahrbar, und Tiere, wohin man auch schaut.

CheetahZentralkalahari1Kalaharilöwe

An der Piper Pan entdecken wir sogar Warzenschweine und Kudus. Beide Tiere sind wasserabhängig, und wir hätten sie dort nicht vermutet. Bis zum Abend haben wir sechs Geparden, einen Leoparden und Kapfüchse entdeckt. Die Milchstraße scheint zum Greifen nah, als wir um das Lagerfeuer sitzen. Nächte an der Piper Pan sind immer etwas Besonderes, vielleicht weil man spürt, wie weit es von hier zur nächsten menschlichen Ansiedlung ist.

Am nächsten Tag sind uns die zutraulichen Kalahari-Heckensänger und die kecken Weißbürzel-Singhabichte vertraute Bekannte. Auch die Streifenhörnchen, Gackeltrappen und Sekretärsvögel sind freundliche Weggefährten im weiten Grasmeer. Da und dort sprintet eine Steinantilope über die Fahrspur, und ducken sich Schakale und Löffelhunde beim Vorbeifahren ins Gebüsch.

Die vielen Springböcke nehmen kaum Notiz von uns, auch die Oryx widmen sich intensiv dem Weideglück. Im Deception Tal reihen wir uns dann wieder vorübergehend zwischen die südafrikanischen Touristen. Doch unser heutiges Ziel ist die Sunday Pan, und dort stehen wir wieder ganz allein. Nächtliches Löwengebrüll verrät uns die Nähe der Raubkatzen. Und tatsächlich spüren wir drei Löwen am nächsten Morgen auf.
Noch unter den starken Eindrücken der letzten Tage verlassen wir den Park über das neue Tsau Gate im Nordwesten. Auf dieser einsamen Strecke fährt man ein längeres Stück direkt am höchst umstrittenen Kuke Veterinärzaun entlang, der den Park von Jagdgebieten trennt. Hier bricht nur wenige Meter vor unserem Fahrzeug ein Oryxbulle voller Panik beim versuchten Sprung über den Zaun direkt in die Drahtsperre, überschlägt sich vor uns, strampelt sich hoch und prescht in heller Flucht davon.

SundayPanMaun erreichen wir an diesem Abend erst nach Einbruch der Dunkelheit. Den Kulturschock, der uns alle hier eiskalt erwischt, bekämpfen wir mit frischem Salat, Feta und gebratener Hühnerbrust.
Bei all dem Zivilisationslärm und künstlichen Licht wird uns bewusst, wie schön die unberührte Natur doch ist.

Am nächsten Morgen besuchen wir erst einmal das Wildlife Office, um den neusten Stand in Sachen Moremi zu erfahren. Die Dame berichtet, seit ein paar Tagen ist die Brücke über den Khwai am North Gate für Geländefahrzeuge wieder befahrbar. Wir werden unsere Reise also planmäßig in Richtung Savuti fortsetzen können.

Third Bridge Campsite sei aber weiterhin überflutet, sagt sie, daher ändern wir unsere Reservierung auf eine Nacht am South Gate.

Danach folgen die üblichen Großeinkäufe für sechs Tage Wildnis mit acht Personen, Geldwechsel und Tanken. Währenddessen ist eines ziemlich auffällig: die Allradfahrzeuge in Maun sind reichlich schlammverspritzt...

Alle sind froh, als wir nachmittags aufbrechen und die Stadt verlassen. Trotz des Komfortverzichts ist uns die stille Übernachtung im Kazikini Community Camp viel lieber. Die Duschen sind kalt, trotz der ursprünglichen Beteuerung, es gäbe heißes Wasser. Die kurze Distanz von Maun hierher hat uns nach den langen Fahrtagen zuvor gut getan. Wir kochen ein südindisches Hühnergericht mit Kokosmilch und Joghurt, trinken kühlen Weißwein, lassen den Mondschein auf uns wirken und warten auf den Honigdachs – der uns aber heute zum Narren hält und dieses Mal nicht besuchen will..

Am nächsten Morgen stehen wir am South Gate des Moremi WR vor einem Scout in klassischer “Botswana-Lässigkeit”: Er hat keine Quittungsblöcke, wir sollen den Eintritt beim Exit am North Gate bezahlen. Und im South Gate übernachten ist auch nicht so gut, das sei nämlich geschlossen, weil es kein Wasser gibt. Dafür sei Third Bridge Camp offen (was uns ja viel lieber ist, aber laut Maun unerreichbar sei). Wie die Wege im Park sind? Keine Ahnung. Sicher ist nur, dass es von und nach Xakanaxa nur über dieses Gate ginge. Wir nehmen diese News positiv, denn Third Bridge gefällt uns sowieso besser als eine Nacht am South Gate, und fahren los. 

Schon bald ist klar: Hier hat es wie verrückt geregnet. Überall stehen Tümpel und Marsche, die Vegetation ist derart dicht und üppig, dass Tierbeobachtungen zum Glücksspiel werden. Elefantenspuren, wohin man auch sieht – aber die Dickhäuter lassen sich erst Mal nicht blicken. Die einzige fahrtechnische Herausforderung bildet kurz vor der First Bridge eine rund 0,80 Meter tiefe Wasserdurchfahrt. Doch auch hier ist der Untergrund fest und nicht verschlammt. Third Bridge Campsite ist erwartungsgemäß menschenleer. Die Holzbrücke, von der seit Wochen Meldungen im Umlauf sind, nach denen sie das eine Mal fort geschwemmt, das andere Mal zerstört wurde, ist unser erstes Ziel. Die Scouts haben den Zugang blockiert, denn in der Mitte ist ein Längsbalken gebrochen, und dadurch sind die Brückenhölzer an dieser Stelle abgesunken. Eigentlich wäre das nicht schwer zu reparieren, aber man erklärt uns später, der Truck, der den Ersatzbalken transportieren soll, sei nicht verfügbar.

ThirdBridgeSchlitznaseMoremi

Den Nachmittag genießt jeder nach Lust und Laune. Im Camp unterhalten uns Kardinalspechte, Buschhörnchen und Flughühner, bis die berüchtigten Paviane eintreffen, und uns im Überraschungseffekt die Bananen klauen. Im Gebälk der Duschen entdecken wir “Ägyptische Schlitznasen”, eine Fledermausspezies. Zum Sonnenuntergang unternehmen wir nur eine kurze Fahrt zur Ebene, und lassen den Tag mit den Giraffen und Leierantilopen ausklingen. An diesem Abend erwischt uns der zweite große Regen unserer Reise. Wieder einmal mitten im Abendessen. Selbst am folgenden Morgen ziehen die dunklen, feuchten Wolken noch über uns hinweg.

Frische Löwenspuren an der Second Bridge. Und tatsächlich entdecken wir wenig später auch die Löwin. Und eine imposante Marabu-Kolonie. Zwischen South Gate Camp und North Gate Campsite bekommen wir endlich auch Elefanten zu Gesicht, doch sie haben sehr jungen Nachwuchs dabei und sind dementsprechend scheu. Je weiter wir jetzt nach Norden kommen, um so häufiger werden die Schlamm- und Wasserlöcher. Auf dem North Gate Campingplatz sind noch zwei, drei andere Plätze belegt. Überall stehen große Pfützen und Wasserlachen. Unser Stellplatz gewährt weiten Ausblick in die halboffene, üppige Savannenlandschaft, in der Impalas und Rote Moorantilopen grasen. Kudus stehen im Schutz der Bäume und beobachten uns. Wir ahnen noch nicht, dass wir hier im Camp mehr Tiere beobachten können als später auf den Pirschfahrten. Denn wir kommen nicht weit – die Wege rund um den Khwai River enden alle nach kurzer Zeit im Hochwasser. Unser Radius ist eng umrissen und die Vegetation so dicht, dass Game Drives fast aussichtslos erscheinen. Inzwischen sehen unsere Fahrzeuge genauso schlammverspritzt aus, wie die Autos in Maun.

Auf diesen Abend, an dem wir Lendensteaks grillen, haben wir uns diebisch gefreut. Denn mit großer Zuverlässigkeit besuchen Hyänen den Campingplatz, um nach Essensresten und Knochen zu suchen. So viel Unverfrorenheit haben wir aber nicht erwartet: Kaum haben wir unser Abendessen beendet, taucht eine kräftige Hyäne aus der Dunkelheit auf und sucht bereits lautlos im Umfeld unseres Lagers den Boden ab. Trotz der Unruhe, die entsteht, wenn acht Personen zu Film und Kamera greifen, Lampen positionieren und strategisch günstige Sitzplätze suchen, traut sich die Hyäne immer näher an die Menschen heran. Das Tier muss sehr erfahren sein im Umgang mit Campern.

Lautes Hyänengeheul weckt uns noch im Stockdunkel der Nacht. Das schaurig-schöne Geheul mehrerer Hyänen lässt nicht nach, der Morgen bricht heran. Rasch sind alle auf den Beinen, auch unsere Nachbarn, und springen in die Fahrzeuge. Die Tiere können kaum 500 m von uns entfernt sein. Wir vermuten einen Riss, finden aber keinen Kadaver. Zwei Hyänen rennen vor uns davon, ein paar Hundert Meter und schlammige Passagen später entdecken wir auch eine Löwin mit blutigem Maul. Auf dem Rückweg treffen wir Wildhüter, die uns ansprechen. Sie sind auf der Suche nach dem Impalakill der Löwen. Also haben wir richtig vermutet.Lechwe2

Nach dem Frühstück wollen wir flussaufwärts fahren, kommen aber wieder nicht sehr weit. Eine hübsche Szenerie ist diese Feuchtlandschaft dennoch. Dann haben wir einen Platten, und schon ist es Zeit zur Umkehr, da uns die 11 Uhr-Regel zum Verlassen des Parks zwingt.

Jenseits des North Gates liegt für uns eine der schönsten Gegenden dieser Region. Der Khwai River durchzieht als schmales Band eine sanfte Parklandschaft von besonderer Schönheit. Er bietet idealen Lebensraum für eine Vielzahl an Wildtieren und Vögeln. Jeder Kilometer offenbart so reizvolle Eindrücke, dass man darüber die Zeit vergessen könnte. Hippos, Krokodile, Warane, Elefanten, Giraffen und Kudus – mehr, als wir im Park selbst gesehen haben. Unser Mittagsrastplatz ist so herrlich gelegen, dass wir nur ungern wieder aufbrechen.

Nach ein paar Minuten Fahrt bemerken wir im ersten Auto das Fehlen des Zweitfahrzeugs Zambully, warten eine Zeit lang, und kehren dann um. Was mag los sein? Schon stehen wir wieder am schönen Mittagsrastplatz, und da warten unsere Mitreisenden – der Fahrer mit dem Schalthebel in der Hand winkend! Der lange Schalthebel war beim Losfahren am unteren Ende abgebrochen. Manfred hatte den gleichen Schaden schon einmal im September 2003 am Bergwacht-Bus behoben, damals mitten auf einer Brücke in Nordostsambia (siehe Reisebericht). Insofern weiß er sofort, was jetzt zu tun ist, nämlich eine echt afrikanische Lösung: Eine Schraube wird gefeilt, in den Schaltknüppel geschraubt, auf das Gegenstück gesetzt, und mit dem Bohrer durchbohrt, um einen Splint einzusetzen. Das Ganze dauert rund zwei Stunden, ist teilweise ein harter Job, und macht sich sehr Savuti1gut auf Film und Foto. Es kostet aber doch so viel Zeit, dass wir unser geplantes Tagesziel nicht mehr erreichen und eine Wildübernachtung an der Furt des Khwai einlegen müssen. Zwei Lkws vom Straßenbau kommen nachts vorbei und durchqueren die Furt, deren Wasserstand so tief ist, dass sie bis über die Ladefläche versinken. Am nächsten Morgen verraten frische Spuren, dass wir auch Löwenbesuch hatten.

Die Fahrt nach Savuti wird dann noch einmal spannend. Ein Wasserloch folgt dem nächsten schon in Sichtweite. Die Tiefe ist kein Problem, zwingt aber zu langsamer Fahrt. Zudem stört sich Zambullys Motor am feuchten Spritzwasser und verliert nach tieferen Löchern regelmäßig an Leistung. Von entgegen kommenden Fahrzeugen erfahren wir, dass Schlamm und Wasser in Richtung Savuti nun immer weniger werden, wogegen die Fahrer sorgenvoll nach den Bedingungen im Moremi fragen. Durch die Wetterlage finden die Wildtiere nun überall im Busch Wasserstellen und haben sich weit verteilt. Wir erleben Savuti wie nie zuvor – fast ohne Tiere, aber in einem hübschen grünen Kleid. So gar nicht herb, abweisend, heiß und staubig. Die Wasserpfützen sind inzwischen dem Tiefsand gewichen, der sich wegen der Feuchtigkeit zügig befahren lässt. Da bricht der reparierte Schaltknüppel erneut. Manfred laviert sich im zweiten Gang bis zum Campsite, dort beginnt die ganze Prozedur noch einmal: Sägen, Feilen, Hämmern, Schrauben, Bohren... alle Männer helfen mit, die Frauen machen belegte Sandwiches. Ein Elefantenbulle trottet herbei und muss natürlich genau an unserem Baum schütteln. Na, Gottseidank, wenigstens die Elefanten von Savuti sind zuverlässig!

Der nächste Morgen beschert uns etwas Ungewöhnliches: Über dem Okavangodelta hat es wieder geregnet und gewittert. Von Süden drücken schwere Wolken heran, bringen sogar etwas Regen nach Savuti. Doch die Sonne drängt die Regenwolken kraftvoll zurück. Und dann entsteht im Morgenrot ein Regenbogen aus lauter rot-violetten Farben!

Savuti3SavutiSavuti2

Bekanntlich sind ja aller guten Dinge drei. Jedenfalls kommt mir das in den Sinn, als ich später den Zambully über die tiefsandige Piste von Savuti nach Kachikau fahre, und es schon wieder passiert – ohne Vorankündigung habe ich plötzlich den Schalthebel in der Hand. Er ist wieder am Splint mitten durch die Schraube gebrochen. Und dieses Mal auf einer Tiefsandstrecke mit Steigungen und Neigungen, wo die Bergwacht den Wagen auch nicht ins Schlepptau nehmen kann. Nachdem es Manfred gelingt, den zweiten Gang einzulegen – wozu er unter das Auto muss und ein zweiter oben die Kupplung drückt – übernimmt er das Steuer des Zambully und fährt die Strecke erstaunlich mühelos in seinem einzigen Gang bis Kachikau. Jetzt ist Schluss mit Schrauben und Bohren, jetzt soll geschweißt werden. Samstagnachmittag in Kachikau. Nicht so vielversprechend. Aber man empfiehlt uns eine Straßenbaufirma, die wir nach ein wenig Sucherei auch finden, und dort sitzt der Schweißer auch schon vor dem Büro und nimmt sich unseres Problems sogleich an. Ein paar lustige Dialoge und mehrere fachmännische Schweißpunkte später sind wir wieder auf der Strecke. Und dieses Mal hält der Schalthebel auch.

Als wir am späten Nachmittag in Kasane eintreffen, sind alle erschöpft. Tagelange Wasserpfützen-Fahrten und ein dreifach gebrochener Schaltknüppel haben uns angestrengt. Wir freuen uns über die heiße Dusche und das Abendbuffet am Pool, aber etwas deplaziert fühlen wir uns dennoch. Markiert unsere Rückkehr in die Zivilisation doch auch das Ende dieser Tour. Da tut es gut, dass wir am nächsten Morgen noch ausgiebigen Besuch von Luise, dem Warzenschwein bekommen, das so gerne altes Weißbrot verdrückt...

Auf der beschriebenen Reise haben wir trotz der Wetterkapriolen 38 Säugetierarten und 105 Vogelspezies entdecken können. Es war die erste Tour seit längerem, auf der wir in so kurzer Zeit die “Big 5” beobachten konnten.

Gefahr und Vergnügen liegen in der Kalahari nah beieinander:
Wir besorgten uns wie üblich in Kasane die Tageszeitungen und stießen dabei auf einen Bericht, der detailliert eine Suchaktion nach zwei jungen Schwedinnen im Central Kalahari Game Reserve schilderte. Mit einem Mietwagen sind die Frauen zur gleichen Zeit wie wir und all‘ den vielen anderen Touristen über Matswere Gate ins CKGR eingereist, sind dort aber verschollen. Suchmannschaften aus der Luft und vom Boden aus waren seit Tagen aktiv, um die vermutlich in Not Geratenen zu retten. Aber weder die beiden Frauen noch ihr Fahrzeug waren bisher gefunden worden.

Einige Wochen später erfuhren wir, dass die beiden glücklich gerettet wurden. Ihr Fahrzeug war ausgebrannt, als sich das Gras, das bei der Fahrt im Motorraum aufgesammelt wird, entzündete. Danach waren die beiden zu Fuß aufgebrochen und stundenlang durch die Wildnis gelaufen, ehe sie eine verlassene Hütte entdeckten, in der sie sich nachts vor den Wildtieren und der Kälte verbargen. Sie entdeckten einen alten Traktor, mit dem sie sechs Stunden lang einer kleinen Spur folgten, die sie schließlich in das weite Farmgelände der Grasslands Farm führte, wo die Verzweifelten endlich auf Menschen trafen.

 

Zweiter Teil der Reise: Wiedersehen mit Zimbabwe

In mehr als zwei Jahrzehnten hatten wir unzählige Touren durch Zimbabwe unternommen. Die persönliche Begeisterung und die berufliche Notwendigkeit zum Recherchieren für unseren Reiseführer haben uns immer wieder für lange Zeit in dieses Land geführt. Wie vielen anderen Reisenden der 1980er und 1990er Jahre ist uns Zimbabwe dadurch sehr ans Herz gewachsen. Seine Naturschätze und seine sympathische Bevölkerung schufen eine ganz spezifische Atmosphäre, der man sich kaum entziehen konnte.
Die massiven innenpolitischen und wirtschaftlichen Probleme seit dem Übergang ins neue Jahrtausend haben sicherlich nicht nur bei uns Wehmut und Sorge ausgelöst. Seither verfolgen wir die Entwicklung sehr genau. Auch in den Krisenjahren 2000-2003 besuchten wir Zimbabwe mehrfach. Bekannte, die in Zimbabwe leben, hielten uns auf dem Laufenden, und zahlreiche Leser schrieben uns ihre Erfahrungen nach einer Zimbabwereise. Darüber hinaus existieren zahllose Berichte und Meldungen im Internet und in Printmedien. Diese reichen von abschreckenden Horrorszenarien über selbstgefällige Darstellungen der Landesregierung bis hin zu Lobeshymnen von Reisenden, die sich ins Land wagten (“Best kept secret in Africa”).
Im Mai 2006 hatten wir Gelegenheit, selbst wieder eine längere Erkundungsreise durch Zimbabwe zu unternehmen. Wir starteten durchaus mit Bangen und Hoffen – vielleicht würde uns diese Reise deprimieren, nach all den schönen Erinnerungen, die wir damit verbinden. Möglicherweise würden wir tatsächlich behördlichen Repressalien ausgesetzt oder kriminellen Wegelagerern. Vielleicht am mangelnden Sprit scheitern, und womöglich wären die Nationalparks leer gewildert. Und die schlimmste Vorstellung: 2003 waren wir in Zimbabwe mit dem Hunger konfrontiert worden, wie wir ihn in mehr als 20 afrikanischen Ländern nie zuvor erlebt hatten. Wie würde es den Menschen jetzt gehen?

Mit diesen Gedanken im Kopf und einer expeditionsähnlichen Ausstattung an Bord (pro Fahrzeug etwa 160 l Treibstoff, Lebensmittel für viele Tage, Trinkwasser in großen Mengen) gehen wir in Livingstone über die Grenze nach Victoria Falls. Es ist nicht einmal wenig los an der Grenze, und mehrere Weiße passieren gleichzeitig mit uns den Posten. Immigration und Zoll werden korrekt abgewickelt, niemand fragt nach unserem Gepäck oder will ins Wageninnere schauen. Während in Sambia direkt vor dem Grenzgebäude Leute herumlungern und offen Zim-$ zum Tausch anbieten, traut sich das in Zimbabwe offenbar niemand. Die Ankunft im Ort Victoria Falls löst bei uns ein sehr merkwürdiges Gefühl aus, das wir noch mehrfach spüren sollten: Es ist ein Déjà-vu-Erlebnis, alles scheint genau so, wie man es zuletzt erlebt hat, wie konserviert und auf Sparflamme gehalten. Die gleichen Hotels, Verkaufsbuden (Ja! Die Souvenirhändler sind noch da), Eisverkäufer. Änderungen sind nur in Details wahrnehmbar. Und natürlich ist es sehr ruhig, wenn man das Heute mit dem Gestern vergleicht.

Ilala LodgeAn diesem Tag klappern wir die meisten Hotels und Campingplätze ab, um einen Eindruck von deren Auslastung und Zustand zu bekommen und erste Gespräche zu führen. Es sind tatsächlich mehrere Reisegruppen da, und das touristische Angebot existiert hier praktisch unverändert. Der Wildhüter am Eingang des Zambezi Nationalparks berichtet von den Besucherzahlen der letzten beiden Jahre. Sein Office hat neue Vorhänge bekommen, ansonsten ist es ausgestattet, wie wir es von Anfang an kannten. Peinlich genau führt er seine Besucherlisten. Von ihm hören wir zum ersten Mal, was uns viele sagen werden: “Wir gehen hier durch harte Zeiten, aber es hat sich schon einiges gebessert seit den schlimmen Dürrejahren 2002 und 2003. Wir bekommen auch endlich wieder mehr Besucher, und hoffen, es mögen noch viel mehr kommen.”

Auf dem Inyathi Campsite stehen wir ganz allein. Der Garten ist gepflegt, der Heißwasserboiler in den Duschen ist defekt und der Pool ein Biotop. Der Rezeptionist freut sich, Gäste zu haben und weist die beiden Nachtwächter an, auf den Gartenliegen nahe unserer Fahrzeuge zu nächtigen. Zum Sundowner besuchen wir die Aussichtsbar im Elephant Hills Hotel, wo für eine ZESCO-Versammlung ein üppiges Buffet am Pool aufgebaut wird. Das macht uns derart Appetit, dass wir außerplanmäßig im Kingdom Hotel landen und uns zur Einstimmung ein Buffet gönnen. Neben uns sind etwa sieben weitere Tische belegt. The KingdomWir erinnern uns, dass die Hotels 2003 ihren Gästen vorübergehend nicht einmal frische Milch anbieten konnten. Diesmal scheint es keine Engpässe zu geben. Neben Rind, Lamm und Huhn sind Krokodil, Strauß und Impala im Angebot.

Während sich Sonja und Marc am nächsten Morgen dem Kunsthandwerk widmen, nehmen wir uns nochmals Zeit für Gespräche und Recherchen. Auffällig ist, in den Hotels und Souvenirläden keine Weißen mehr hinter den Tresen zu finden, wie es früher durchaus üblich war. Gemeinsam besuchen wir dann den Spar-Supermarkt, dessen Angebot erstaunlich gut ist. Gemüse, Milchprodukte, Fleisch und Brot sind erhältlich. Die Preise allerdings hoch, vor allem für Importwaren. Es gibt nur noch regierungsfreundliche Zeitungen, deren Berichterstatter permanent beteuern, was für gute zimbabwische Patrioten sie sind (und im Nebensatz vielleicht doch eine versteckte Kritik anklingen lassen).

Die Shell-Tankstelle hat Benzin und wir gönnen unserem Bus die 4 oder 5 Liter, die hineinpassen. Man weiß ja nicht, wann es wieder Sprit gibt. Diesel gibt es nicht, aber die Tankwarte sind zuversichtlich, dass die Lieferung in Kürze eintrifft, denn sie hätten die letzten Monate keine echten Endpässe mehr, sagen sie.

Wir brechen auf in den Hwange Nationalpark. 2003 gab es noch am Ortsrand von Vic Falls eine Polizeikontrolle, diesmal ist nichts zu sehen. Auf der Straße nach Süden herrscht fast kein Verkehr. Die Souvenirstände, z.B. am Airport-Turnoff, gibt es noch, aber das Angebot ist kleiner geworden. Bei Matetsi verlassen wir die gute Asphaltstraße, um den Park beim Robins Camp zu betreten. Die Zufahrtspiste ist im gleichen Zustand, wie immer. Wir kommen durch ein paar kleine Dörfer mit einigen Feldern, an die wir uns nicht erinnern können. Die Erwachsenen schauen überrascht, die Kinder winken. Am Parkeingang ist zunächst niemand, aber nach einer Weile kommt der Wildhüter lachend und erklärt, er habe gerade Wäsche gewaschen. Wir tragen uns ins Buch ein und registrieren, dass der letzte Besucher vor vier Tagen hier vorbei kam. Der alte Mann ist richtig liebenswürdig. Auf der Weiterfahrt ist die Piste gegradet und kurz vor dem Robins Camp liegt eine Puffotter auf der Straße. 

Mandavu Dam CampEine junge Dame sitzt hinter dem großen Schreibtisch im Office. Obwohl sie vermutlich seit Tagen keine Besucher gesehen hat, lässt sie uns erst einmal warten, ehe sie dann aber recht freundlich den Quittungsblock ausfüllt. Sie kassiert unseren Eintritt und die Übernachtung in Zim$. Wir widersprechen nicht, denn so kommt es uns billiger, wundern uns aber. Wir erfahren, dass wir in diesem Monat die vierten Besucher sind (es ist der 12.Mai). Die Camp-Tankstelle liegt seit langem trocken, Wasser gibt es auch nicht mehr, seit die Dieselpumpe stillsteht, aber das Restaurant hat offen, und würde uns abends sogar Steak mit Erbsen und Reis servieren. Wir gönnen uns lieber nur ein kaltes Getränk an den nostalgischen Steintischen auf der Terrasse, ehe wir zum Deteema Damm aufbrechen, wo wir die Nacht verbringen wollen.

Masuma Dam PlatformVon diesem Moment an tauchen wir praktisch ab und lassen uns wie zeitlos treiben. Wir sind nun tagelang fast allein im riesigen Nationalpark unterwegs, verbringen jede Nacht in einem anderen “Private Campsite”, die früher so schwierig zu ergattern waren, weil sie Wochen im Voraus ausgebucht waren. Es erscheint uns wie der pure Luxus: Mandavu Dam mit seinen zutraulichen Schliefern gefällt uns so gut, dass wir spontan entscheiden, hier zu übernachten. Der Attendant schürt unaufgefordert das Feuer und sorgt für eine heiße Dusche. Er freut sich über die Lebensmittel, die wir ihm schenken, ist aber zu scheu, um länger bei uns zu bleiben und zieht sich zurück. Wir haben ein Traumcamp für uns allein, beobachten Elefanten, Hippos, Kudus und Impalas am Stausee, und das Ganze bei Vollmond. Anderntags rasten wir lange am Masuma Dam, weil es viel zu beobachten gibt, z.B. wie acht Wasserschildkröten einen Hipporücken erklimmen, um sich dort gemeinsam zu sonnen. Auch hier sorgt ein bemühter Attendant für Dusche und Kochfeuer, damit die Gäste tagsüber Tee kochen können.

Hwange NPDer allgemeine Straßenzustand im Park überrascht uns. Die Wege sind alle gut befahrbar, selbst die Schlaglöcher auf dem Teerstreifen zwischen Shumba Camp und Main Camp haben sich kaum vermehrt. Hunderte Elefanten scheinen hier unterwegs zu sein, wie die Fußspuren und “Elephant Apples” verraten. Aber wir sehen sie nicht. Dafür zweimal Leoparden, eine Pferdeantilope, Giraffen, viele Vögel und Warzenschweine.

Auch im Sinamatella Camp haben wir dieses Déjà-vu-Gefühl. Wieder sind es junge Damen, die im Büro das Regiment führen. Sie stöhnen, es sei so langweilig, weil kaum noch Besucher kämen. Dabei würden die dienstälteren Kollegen oft von den alten Zeiten berichten, als man manche Touristen wieder wegschicken musste, weil das Camp keine freien Plätze mehr hatte. Heute ist ganz Sinamatella verwaist. Wir erzählen ihr, wie oft wir schon hier waren, und dabei nur manchmal einen der begehrten Stellplätze direkt an der Steilkante mit dem herrlichen Ausblick in die Ebene ergattern konnten. Meistens musste man sich damals hinten einreihen, weil die Aussichtsplätze alle belegt waren. Wir unternehmen einen kleinen Spaziergang im Camp und besuchen das “Elephant and Dassie Restaurant”. Im Januar 2003 hatten wir hier noch mit der älteren englischen Lady gesprochen, die das Main CampRestaurant mit ihrem verstorbenen Mann viele Jahre geführt hatte. Der Kellner, seit 15 Jahren hier tätig, erinnert sich an uns und erzählt, die Dame sei schon bald nach unserem Besuch zu ihrer Tochter nach Südafrika ausgewandert. Seither halten sich die Mitarbeiter irgendwie über Wasser. Sie teilen sich nun zu dritt einen Arbeitsplatz und hoffen inständig auf bessere Zeiten. Die Speisekarte ist immer noch gültig und das meiste wäre sogar lieferbar. Allein die Gäste fehlen. Die Osterfeiertage hätten einen kleinen Aufschwung gebracht, aber der ist nun wieder verebbt. Ihr Gehalt geht nun durch drei, dabei haben sich aufgrund der 1000 %igen Inflation ihre Ausgaben entsprechend vervielfacht. Durch Hühnerzucht und etwas Feldarbeit sichern sich die Familien das Überleben, aber keiner weiß, wie sie das Schulgeld der Kinder erwirtschaften sollen. Obwohl wir uns später verabschieden, ohne etwas konsumiert zu haben, wünschen uns die Kellner eine gute Reise und bedanken sich für unseren Besuch. Das sind Augenblicke, die ein beklemmendes Gefühl auslösen.

Für die nächste Nacht haben wir uns das kleine Camp an der Jambile Pan ausgesucht. Das Camp hat kein Wasser, und damit weder Toilette noch Dusche, aber die Dieselpumpe für die künstliche Wasserstelle der Wildtiere rattert. Der Attendant hat schon ein Feuer entfacht, ehe wir richtig ausgepackt haben, und ist sehr hilfsbereit. Er stoppt die Dieselpumpe über Nacht, damit es nicht so laut ist. Dass er den Keilriemen der Dieselpumpe einfach daneben auf den Boden legt, wird sich als fatal erweisen: Am nächsten Morgen muss er feststellen, dass Hyänen den Keilriemen in mehrere Einzelstücke zerbissen haben. Nun steht die Pumpe für die Wildtiere still, und der Attendant braucht eine Mitfahrgelegenheit ins Main Camp, um dort einen neuen Keilriemen zu besorgen. Wir nehmen aber nicht den direkten Weg, sondern den Bogen über die Manga Pans und das Ngweshla Pan Camp. Dort findet unser Attendant überraschend eine Mitfahrgelegenheit mit einem Kleinlaster voller Arbeiter und das erlaubt uns, eine weitere Nacht, diesmal im Kennedy 1 Camp, einzulegen. Die Abendpirschfahrt rund um dieses idyllische Camp bleibt uns in besonders schöner Erinnerung. Die Umgebung ist sehr wildreich. Unsere Freunde sehen ein Nashorn. Mit einem Scout und dem Attendant dieses Camps führen wir nette Gespräche, kochen heute Abend für die beiden mit, und lauschen dem nächtlichen Löwengebrüll.

Am Kennedy 1 Camp

Beim Frühstück am nächsten Morgen bekommen wir Besuch: Ein einheimischer Safari-Guide kommt mit offenem Fahrzeug und einer Gruppe frierender Amerikaner, die dringend die Toiletten aufsuchen möchten. Für uns die Gelegenheit für ein interessantes Gespräch mit dem Reiseleiter. Er berichtet, sein Safariunternehmen bekomme je Woche eine neue Reisegruppe Amerikaner.

Wir verlassen den Park beim Main Camp und klären in Dete die Spritsituation. Die Tankstelle ist trocken, aber in der Lage, auf dem Schwarzmarkt Diesel zu organisieren. An der Hwange Safari Lodge gäbe es Sprit, der wird aber nur Gästen abgegeben – übrigens eine Variante, die man in Zimbabwe häufig findet: Zahlreiche Hotels und Lodges lagern Diesel und Benzin, mit dem sie bei Engpässen ihren Gästen aushelfen. Außer frischem Brot ist fast nichts in Dete zu bekommen.

Unser Weg führt uns über Crossroads auf die Straße nach Binga am Karibasee. Keine Polizeikontrollen, sehr wenig Verkehr, kaum Dörfer und nur vereinzelt ein paar Fußgänger, die uns meistens zuwinken. Je weiter wir in das Siedlungsgebiet der Tonga geraten, um so armseliger werden die Dörfer. Fast alle Menschen sind sehr schmächtig und dünn, aber wir entdecken nicht mehr den abgestumpften, hoffnungslosen Gesichtsausdruck, der uns 2003 noch so bedrückt hatte.

Baumwoll-ErnteBaumwoll-LasterDorf2

 

Die Teerstraße ist in gutem Zustand, die bergige Fahrt meistens sehr einsam, nur an den Schulen gibt es immer einen großen Menschenauflauf. An den meisten “Bus Stops” warten Menschen mit Gepäck. Immer öfter wird auch uns mit dem ausgestreckten Arm zugewunken, auf eine Mitfahrgelegenheit hoffend. Einmal nehmen wir eine ältere Frau und ihre etwa 13-jährige Tochter mit. Beide barfuß, viel Gepäck dabei, kein Wort Englisch sprechend. 15 km schlängelt sich die Straße durch die Berge, ehe die beiden am Ziel sind.

Sanyati RiverTonga-TrommelnTongaMana1

Schon weit vor Binga nehmen die Anzeichen auf Elefanten zu, anhand der Vegetationsschäden an den herrlichen Baobabs und der unverwechselbaren Losung auf der Straße. Obwohl so wenig Verkehr herrscht – und vermutlich kaum Touristen vorbei kommen – stehen vor den kleinen Dörfern Verkaufsbuden mit geschnitzten Hippos, den schönen Tonga-Trommeln und Tonwaren. Wir vermuten, dass hier einige Ladenbesitzer aus Victoria Falls ihre Waren einkaufen.

Den Binga-Turnoff erreichen wir nachmittags, und entscheiden uns für eine Wildübernachtung bei den Tonga, anstelle direkt nach Binga zur Masuma Lodge zu fahren. Unser Schlafplatz liegt in einer einsamen, halboffenen Savanne mit Blick auf die Chizarira-Berge. Ein Fußpfad führt in der Nähe vorbei, den zwei Frauen mit Wassereimern balancierend entlang schlendern. Überall Elefantenspuren, dafür auffallend wenige Vögel. Am Abend backen wir gerade unser Brot in der Feuerglut, als das Trommeln beginnt. Links und rechts von uns scheinen Dörfer zu liegen, die abwechselnd trommeln.

Am nächsten Morgen sind wir schon fast abfahrbereit, als die ersten Besucher zu uns kommen. Es sind ein paar Männer aus dem “rechten Dorf”, die erzählen, dass ihre nächtliche Trommelei eine Warnung vor umher ziehenden Elefanten bedeutet habe. Die Trommelbotschaft aus dem “linken Dorf” lautete dagegen: “Wir feiern! Hier gibt es selbst gebrautes Bier!” Wir haben den Unterschied allerdings nicht wahrgenommen.

Ein Mopedfahrer gesellt sich auch dazu, der uns um etwas “Pressure” für seinen Vorderreifen bittet. Während Marc plötzlich mit einem der Männer ins Dorf läuft, und dort eine sehr schön gefertigte, ziemlich schwere Trommel ersteht, entwickelt sich bei uns ein interessantes Gespräch. Die Männer – ältere, schmächtige Dorfbewohner und ihr wohlgenährter, westlich gekleideter Verwandter aus der Stadt, der das Moped fährt – erzählen vom Los der Tonga, die als Minderheit im Lande besonders hart von der Krise betroffen sind. Früher haben sie, deren Land sich für die Landwirtschaft nicht eignet, durch das erfolgreiche “Campfire-Project” vom Jagd- und Fototourismus profitiert. Heute sei der Tourismus zusammengebrochen und die Abgaben der Safari Hunter unregelmäßig, weil sie niemand mehr kontrollieren würde. Zugleich hätte sich die Elefantenpopulation stark vermehrt, und stelle inzwischen eine große Gefahr für die Dorfbewohner dar. “Our Binga-Elephants are naughty”, erfahren wir. Auch hier wird uns zum Abschied alles Gute gewünscht, und wir sollen doch nächstes Jahr bitte wieder kommen.

Inzwischen geht es auf Piste weiter. Auch diese Strecke ist praktisch im gleichen Zustand wie immer. Sie ist abschnittsweise steinig und ruppig, mal mehr mal weniger, aber ohne Schwierigkeiten befahrbar. Alle Brücken über die Zuflüsse in den Karibasee sind intakt. Wir überraschen einen großen Kudubock, der vor uns auf der Straße steht, ansonsten bleibt es meistens einsam. In den kleinen Ortschaften, wie Siabuwa, gibt es praktisch nichts zu kaufen. Am Gokwe-Turnoff bieten Kinder dicke Kürbisse an, ansonsten ist der Reisende vollkommen auf eigene Bestände angewiesen. Die Tsetse-Kontrolle östlich des Sanyati River gibt es auch noch, und der Kontrolleur bittet uns um einen Eintrag in seine Statistik – das Formular stammt noch original aus der Kolonie Rhodesien.

Tse Tse Fly ControlTsetse1

Abends schlagen wir unser Lager am Rande eines kleinen Dorfes auf. Hier leben nun Shona und betreiben viel Landwirtschaft. Die Erwachsenen sind zurückhaltend, aber die jüngeren Kinder heften sich hartnäckig an unsere Fersen. Sie setzen sich um unser Kochfeuer und beobachten genau, wie wir einen großen bunten serbischen Reiseintopf kochen. Das größte Mädchen schicken wir los, um ein paar Teller zu organisieren, und wenig später essen wir alle gemeinsam den Reiseintopf. Die Kinder sind glücklich.

Während wir frühstücken, besuchen uns zum Abschied noch ein paar der Kinder, ehe sie sich auf den Schulweg machen. Sie werden ihren Freunden einiges zu erzählen haben, und auch wir vier haben den gestrigen Abend sehr genossen. Wir statten dem Sanyati Community Camp einen kleinen Besuch ab. Der Caretaker führt uns gerne herum, das Camp sei offen, aber es gibt kein Wasser mehr. Sie wollen die Pumpe demnächst reparieren. Im Hintergrund zerlegt seine Frau einen riesigen Elefantenschlegel. Das sei ein “troublesome Elephant” gewesen, der die Dörfer attackiert habe, und schließlich von den Wildlife Scouts erlegt worden wäre.

Auf der weiteren Strecke in Richtung Karoi weicht die Wildnis immer deutlicher zurück, nehmen Felder und Dörfer zu und schließlich befinden wir uns in kommunalem Farmland. Die Menschen gehen ihrer Beschäftigung nach oder warten am Straßenrand auf den Bus, fröhlich zuwinken tun sie uns nicht mehr. Zweimal sehen wir ehemalige große Farmen, die Weißen gehört haben müssten. Aus den Trockenhäusern und kleinen Eukalyptuswäldern schließen wir, dass es sich um Tabakfarmen gehandelt haben muss. Jetzt liegen die Gelände brach, höchstens ein paar Wohnhütten sind zu sehen. Vormittags erreichen wir Karoi. Alle Tankstellen sind trocken, es wird aber beteuert, dass dies zum ersten Mal seit mehreren Monaten der Fall sei. Auf dem Schwarzmarkt werden Benzin und Diesel angeboten. Der Supermarkt ist ein einziges Gewühle und gut bestückt. Wir bekommen Rinderfilet, Hühnerbrüste, Hackfleisch, Grünen Salat, Bohnen, Gurken, Paprikaschoten, Brokkoli, Weißbrot, Mukuyu-Wein, Zambezi-Bier und frische Milch, die sich später allerdings als sauer erweist. Wir sehen zwei oder drei Weiße in der Stadt. Wieder gibt es keine Polizeikontrolle.

Auf der Fahrt nach Makuti haben wir deutlich mehr Verkehr. Viele Lkws auf dem Weg nach Chirundu, mehrere Weiße mit schnellen Geländewagen und teilweise einem Motorboot im Schlepptau. Im Sambesi-Escarpment wird die Strecke kurvig und steil. Plötzlich steht der Verkehr und im Nu bildet sich eine lange Schlange. Es kommt auch kein Gegenverkehr mehr. Die Männer laufen zu Fuß weiter, um die Ursache herauszufinden. Zuerst denken wir an einen Police Check Point, aber es handelt sich um Bergungsarbeiten: Ein Lkw ist umgestürzt und soll nun mit einem Fahrkran wieder geborgen werden. Wir haben Glück, dass die kleineren Fahrzeuge durchgewunken werden, die Laster müssen warten.
Das koloniale Clouds End Hotel in Makuti ist verkauft, renoviert und in Makuti Lodge umbenannt worden. Wir sehen, dass an der Tankstelle Betrieb ist und tanken beide Fahrzeuge randvoll auf. Zufahrt Mana Pools NP

Wenig später stehen wir im Wildlife Office von Marongora. Auch hier scheint sich überhaupt nichts verändert zu haben. Die junge Dame in Uniform heißt uns Willkommen und freut sich, dass wir den Mana Pools Nationalpark besuchen wollen. Wir bekommen unser Permitt für fünf Tage und schon geht‘s los. Die Zufahrtspiste hat sich nicht verbessert, sie ist ruppig und steinig, und wird ihrem schlechten Ruf durchaus gerecht. Wir genießen sie trotzdem, denn die Vegetation ist herrlich, die Zuflüsse aus den Bergen haben noch Wasser, überall sind Elefantenspuren. Den Sambesi und das Nyamepi Camp erreichen wir zum Sonnenuntergang. Wir stehen ganz allein auf dem großen Campingplatz, der früher meistens voll war. Wir können uns den schönsten Uferplatz aussuchen und bekommen schon beim Kochen Besuch von einem weidenden Hippo.

Am nächsten Morgen besuchen wir die Wildlife Officer und lernen dabei auch den Senior Warden Norman Monks kennen, der den als Weltnaturerbe eingestuften Nationalpark seit zehn Jahren managt. Noch zur Kolonialzeit im sambischen Livingstone geboren, hat er ein wechselvolles Leben in unterschiedlichen afrikanischen Ländern und seine Studienzeit in England verbracht. Zur Begrüßung zeigt er uns auf dem Laptop Fotos vom Mana River in der Regenzeit und begeistert sich für die Natur. Er macht den Eindruck eines sehr glücklichen Mannes. Nyamepi Wildlife OfficeIm Laufe des Gesprächs sprechen wir ihn auf die Gerüchte an, im Sambesital habe die Wilderei so stark zugenommen. Er reagiert darauf mit sehr deutlichen Worten und erzählt, er habe schon mehrfach versucht, solchen Gerüchten gegenzusteuern. Seiner Ansicht nach hat es im Tal immer vereinzelte Fälle von Elefantenwilderei gegeben, und das sei heute noch so. Die Kontrolle sei aber effizient, und die Population der Wildtiere absolut stabil. Mr. Monks erzählt uns, mit welchen Problemen seine Mitarbeiter zu kämpfen haben in einem Land, in dem Mangel herrscht an den einfachsten Ersatzteilen und Gerätschaften. Zugleich ist er stolz, festzustellen, dass die Sorgen und Nöte die Menschen zusammengeschweißt hätten. Er spricht sehr positiv von seinen Mitarbeitern, und das deckt sich auch mit unserem Eindruck von den Scouts.

Im Mana Pools Nationalpark verbringen wir nun vier erholsame Tage inmitten einer traumhaften Szenerie. Einmal brechen wir mit zwei Wildhütern in tadellosen Uniformen und neuen Schuhen zum “Lion Tracking” auf. Der eine ist bewaffnet, der andere mit einem Peilsender ausgestattet, mit dem wir die erste Stunde Signale aufnehmen, um die Löwen erst einmal zu orten und uns ihnen zu nähern. Dann geht es endlich zu Fuß weiter. Schweigend marschieren wir den Signalen des Senders folgend durch den Buschwald. Immer wieder ändert sich die Richtung, woraus unsere Scouts schließen, dass die Löwen umherlaufen oder jagen. Nach einer ganzen Weile sind wir auf 100-200 Meter heran, bewegen uns möglichst lautlos, aber schon wieder sind die Löwen weiter und wir ihnen hart auf den Fersen. Endlich ist es soweit – wir sehen die drei Löwinnen, die sich nach erfolgloser Jagd auf dem Rückweg zum Rudel befinden. Eine Zeit lang halten wir mit ihnen Schritt, sie drehen sich manchmal nach uns um, verschwinden aber schließlich im Gestrüpp. Das hat viel Spaß gemacht!

Mana Pools NationalparkLion TrackingMana5

Ansonsten verbringen wir die Tage auf Pirschfahrt oder mit den ständigen Besuchern im Camp: Den grunzenden Warzenschweinen und den diebischen Meerkatzen, die uns den letzten Käse klauen. Gegen Abend gesellen sich Hippos dazu und lassen sich zwei Impalaherden im Camp nieder. Mit der Taschenlampe sind dann kleine Ginsterkatzen zu entdecken, aber die größte Schau liefern natürlich die Hyänen. Mit jedem Tag, den wir verlängern, werden sie mutiger. Am letzten Abend hocken sie schon vor uns im Gebüsch, ehe es richtig dunkel wird. 

Ausländische Touristen gibt es außer uns keine, aber die Private Camps sind von einheimischen Besuchern belegt. Am dritten Tag wechseln auch wir auf ein Private Camp in Mucheni, um etwas Abwechslung zu haben. Nach vier Nächten in diesem Traumpark müssen wir uns leider verabschieden. Ein letzter Besuch im Wildlife Office, letzte Gespräche und Erkundigungen beim Wildhüter, und da entsteht die Idee, den Park über die River Road durch die Hurungwe Safari Area zu verlassen. Der Scout erteilt uns dazu extra schriftlich die Genehmigung. Mit der Aussicht auf eine neue, uns bisher nicht bekannte Strecke entlang des Sambesi fällt der Abschied von Nyamepi mit seinen netten Menschen und Tieren etwas leichter.

Mana Mouth (Mana-Mündung in den Sambesi)

Bis zum Rukomechi Camp ist die Piste klar erkennbar, und wir begegnen unterwegs sogar zwölf verspielten Wild Dogs. Doch dann wird es konfus, denn Schilder weisen auf den Konzessionsstatus und lenken Transitfahrer um. Dort ist aber keine Piste erkennbar. So müssen wir mit Hilfe des GPS-Geräts die zugewachsene Umfahrung des privaten Camps suchen und geraten dabei in eng eingewachsene Wege. Nach der Furt durch den Rukomechi River landen wir in der Hurungwe Safari Area plötzlich wieder auf einem frisch gegradeten Wegenetz und kommen zügig voran. Das tiefsandige Bett des Nyakasanga River durchquert man direkt an seiner Mündung in den Sambesi, anschließend bleibt der Weg stets nahe dem Sambesi. Das Gebiet ist wildreich und wird für Jagdsafaris genutzt.

Wild DogsWild Dogs

Zurück in Makuti tanken wir noch einmal unsere Fahrzeuge richtig voll, denn in Sambia erwartet uns ein fast doppelt so teurer Spritpreis. Dann geht es hinab an den Karibasee. Wir übernachten auf dem Kuburi Campsite, den wir früher als besten Campingplatz Karibas einstuften. Die Wildlife Society hat sich zurückgezogen und ein neuer Pächter betreibt nun den kleinen Platz. Bei unserer Ankunft stehen Elefanten unter den Bäumen und würdigen uns kaum eines Blickes. Früher hatte man in Kuburi den Eindruck, mitten in der Natur zu stehen. Inzwischen wurde die Krokodilfarm nebenan massiv vergrößert, so dass ihr Gelände nun fast an Kuburi heran reicht. Schlimmer noch: Der Wind treibt immer wieder ekelhafte Geruchswolken heran. Am nächsten Morgen entdecken wir die Ursache: Eine riesige Kadavergrube der Krokodilfarm. Die Farm kann im Übrigen derzeit nicht besucht werden, weil sie seit Ausbruch der Cholera unter Quarantäne steht.

Cutty Sark Hotel in KaribaKariba hat sich auch nicht viel verändert. Im Jachthafen liegen ein Drittel weniger Jachten als zuvor. Das Tourist Info Centre beim Flughafen ist geschlossen. Zur Zeit fährt die Karibafähre nicht. Von den Hotels haben Caribea Bay Resort, Cutty Sark Hotel, Tamarind Lodges, und Kushinga Resort offen, aber sehr wenige Besucher. Camper haben die Auswahl zwischen Kuburi, dem großen städtischen Mopani Bay, dem ruhigen Kushinga Campsite und dem kleinen, aber liebevoll gepflegten Moth Campsite mitten im Ort. Wir verbringen die zweite Nacht auf Mopani Bay, der früher meistens überfüllt war. Die weißen Dauercamper sind weg, einige weiße Familien leben noch in den kleinen Häusern auf dem Gelände. Der Spar-Supermarkt in Kariba ist auch wieder gut bestückt, nebenan verkaufen die Marktfrauen frisches Gemüse, wie Avocados, Bananen und sogar richtig rote Tomaten (überall sonst hatten wir bestenfalls grüne Tomaten entdeckt). Auffallend an Kariba sind das geschäftige Treiben und die “relativ hohe” Präsenz von Weißen, sei es als Tankstellenbetreiber, Spediteure oder in Werkstätten.

Im Caribea Bay Hotel lernen wir einen älteren Verkäufer der hoteleigenen Boutique kennen, der uns bedrückt seine Lebensgeschichte erzählt. Ursprünglich aus Karoi kommend war er 1959 nach Kariba gelangt, um erst für die Betreiber des Stauwerkes zu arbeiten und später in den Hotels. Seit mehr als 30 Jahren stand er nun in den Diensten der besten Hotels von Kariba. Er hatte ein kleines Häuschen im Compound von Kariba, konnte gut für seine Frau und die vier eigenen Kinder sorgen, und sah zuversichtlich dem Alter entgegen. Dann wurde sein Lohn durch die extreme Inflation im Land praktisch wertlos und die Ersparnisse, die fürs Alter und die Ausbildung der Kinder reichen sollten, schrumpften dahin. Im letzten Jahr ließ der Präsident in zahlreichen Städten des Landes Wohnsiedlungen niederreißen, und so verlor er sein Haus im Compound von Kariba. Seither lebt seine Familie in einer provisorischen Hütte in Karoi, und zu den eigenen vier Kindern sind noch die minderjährigen Nichten und Neffen seines verstorbenen Bruders gekommen, um die er sich nun kümmern muss. Er öffnet einen Umschlag und zeigt uns ein Schreiben, in dem ihm die Pensionierung ab August 2006 angekündigt wird – und damit fällt fortan auch noch sein Lohn weg. Wir sehen dem Mann an, wie schwer es ihm fällt, darüber zu sprechen. Er sagt es nicht direkt, aber ich glaube, neben der unmittelbaren wirtschaftlichen Not plagt ihn vor allem eine grenzenlose Enttäuschung, nach einem Leben voller Arbeit und Disziplin hilflos zusehen zu müssen, wie alles zu einem Scherbenhaufen zusammenfällt.

Als wir am nächsten Morgen das Land verlassen und nach Sambia zurückkehren, gehen uns viele kontroverse Gedanken durch den Kopf. Dass die Bevölkerung eine sorgenvolle Zeit durchlebt, ist offensichtlich. Kurzfristig ist auch für sie keine Besserung der Misere ersichtlich. Aber die Menschen haben bewahrt, was sie so liebenswert macht. Und so ist das stärkste Gefühl, mit dem ich Zimbabwe verlasse, eine große Erleichterung. Ich freue mich darauf, dieses Land und seine Menschen wiederzusehen, die sich den Umständen vielleicht gebeugt haben, aber nicht unterkriegen lassen.

 
Sundown am Sambesi

 

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